Neuartige Hopfenextrakte für die Neuroregeneration (NeHoReg)

Kurzzusammenfassung

Mechanische Verletzungen und schleichender Abbau von Nervenzellgewebe (und die damit zusammenhängenden Krankheiten Schlaganfall und Alzheimer) führen zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen des Lebens. Diese gelten bis heute als nicht heilbar, jedoch sind in einzelnen Fällen spektakuläre Regenerationen beobachtet worden. Dies hat mit der Fähigkeit des Gehirns zu tun, aus einer Stammzellenschicht in unmittelbarer Nähe der Hirnkammer neue Nervenzellen hervorzubringen, die dann eventuell fehlende Funktionen übernehmen können. In der Fachwelt wird zurzeit die Idee diskutiert, die Regeneration zerstörten Nervengewebes aus der Stammzellschicht gezielt und systematisch mittels therapeutischer hormonartiger Substanzen einzuleiten. Es macht also Sinn, in Pflanzenextrakten gezielt nach solchen Substanzen zu suchen. Das Team der Professur für organisch-analytische Chemie der HSWT unter Leitung von Prof. Dr. Herbert Riepl hat in Zusammenarbeit mit Neurobiologen von der Paracelsus Medizinischen Universität Salzburg im Projekt NeHoReg dazu eine Anzahl pflanzlicher Extrakte untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass eine Substanz aus dem seit Jahrhunderten als pflanzliches Schlafmittel verwendeten Hopfen hier eine sehr hohe Aktivität erzielt hat. Es wurde die Verbindung Xanthohumol C isoliert, die adulte neuronale Stammzellen in Kultur selektiv zu funktionellen Neuronen differenziert. Die Konzentration dieser Verbindungen ist sehr gering, deswegen wird in dem Projekt NeHoReg der Frage nachgegangen, ob es durch Manipulationen während oder nach der Extraktion der Hopfenzapfen zu einer Anreicherung kommt, um solche Extrakte einem Phytoarzneimittelhersteller zur Entwicklung anzubieten.

Hintergrund

Das Auftreten von neurodegenerativen Erkrankungen ist eng mit dem fortschreitenden Alter gekoppelt. Die sich derzeit auf dem Markt befindenden Präparate zur Behandlung von Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson dienen der Symptombekämpfung und können die Krankheit an sich nicht aufhalten. Neuartige Therapieansätze zielen auf die Aktivierung der Regeneration des betroffenen Arial durch die Verabreichung spezieller Substanzen ab. Einige sekundäre Pflanzeninhaltstoffe des Hopfens weisen in vitro interessante Effekte bzgl. der Regeneration und Neubildung von Nervenzellen auf und eignen sich somit möglicherweise für einen Einsatz in der regenerativen Medizin. In Arbeiten zum Markt- und Verbraucherverhalten zu pflanzlichen Arzneimitteln konnte gezeigt werden, dass ein generelles Verbraucherinteresse an innovativen pflanzenbasierten Arzneimitteln besteht und sie auch solchen auf Hopfenbasis interessiert gegenüberstehen.
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Foto: BreakingTheWalls / Colourbox

Zielsetzung

Das Fernziel des Projektes ist die Generierung eines erweiterten Absatzmarktes durch ein neues Produkt für Hopfen­ verarbeitende Betriebe in Bayern. Ein Teilziel hierzu ist die Weiterentwicklung einer speziellen, zum Patent angemeldeten Methode zur Gewinnung wertvoller neuroaktiver Hopfenextrakte in Richtung des Pilotmaßstabes. Hierzu wird aus einem Reststoff der Hopfenverarbeitung, welcher bis dato als Futterstoff Verwendung findet, ein höherwertiges Spezialextrakt entstehen, der in der Phytopharmazie Anwendung finden soll. Dazu soll in diesem Projekt ein Produktkonzept für ein solches Phytopharmazeutikum entwickelt und getestet werden, das dem frühen Entwicklungsstadium und den inhärenten Risiken Rechnung trägt.

Publikationen

Neurogenerative Potential of Prenyl– and Pyranocholcones: A Structure-Activity Study

Urmann, C. (2022)

Journal of Natural Products 2021/84/10, S. 2675-2682.
DOI: 10.1021/acs.jnatprod.1c00505

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Verbundprojektleitung


Teilprojektleitung



Projektbearbeitung


M.Sc. Philipp Strobel

Miriam Wolf

Projektdauer

01.10.2019 - 31.12.2022

Projektpartner

Projektförderung

Adressierte SDGs (Sustainable Development Goals)

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