Entwicklung und Stand der forstlichen Zusammenschlüsse in Bayern unter besonderer Berücksichtigung der Beratung durch die Bayerische Forstverwaltung

Ziel des Forschungsvorhabens war es, herauszuarbeiten, wie sich die Professionalisierung der Forstlichen Zusammenschlüsse in Bayern und die forstliche Beratung durch die Forstverwaltung seit der Forstreform 2004 entwickelt haben und welchen Einfluss die forstliche Beratung durch die Forstverwaltung auf die Entwicklung der Forstlichen Zusammenschlüsse genommen hat. Dazu sollten Leistungskennzahlen der Zusammenschlüsse und Veränderungen der Beratungsinhalte erfasst und ausgewertet und die Zufriedenheit mit dem Beratungsprozess beschrieben werden. Auf der Basis der durchzuführenden Erhebungen wurden Optionen für eine weitere Entwicklung der Beratung forstlicher Zusammenschlüsse und deren Professionalisierung erarbeitet.

Begründung des Vorhabens und aktueller Kenntnisstand

Die Forstlichen Zusammenschlüsse in Bayern (FZus) blicken auf eine langjährige Geschichte zurück, in der sie von der Bayerischen Forstverwaltung stets in ihrer Entwicklung begleitet wurden. In den Anfängen dieser Organisationen unterstützten die zuständigen Revierleiter die Zusammenschlüsse durch Übernahme der Geschäftsführung und Beratung. Die dadurch angeregten Entwicklungen ermöglichten, dass die Aufgabe der Geschäftsführung von eigenständigen Kräften mit finanzieller Unterstützung durch den Staat übernommen werden konnten. Die fachliche und organisationale Beratung der FZus blieb weiterhin Aufgabe der Forstverwaltung. Im Rahmen der Forstreform 2004 wurde beschlossen, die FZus zu weitgehend eigenständig agierenden Selbsthilfeeinrichtungen des Privatwaldes zu entwickeln. Auf diesem Weg der Professionalisierung sollten die Zusammenschlüsse durch forstliche Beratung „vorübergehend“ unterstützt werden. Für diese Aufgabe standen zunächst 100 Stellen der Forstverwaltung zur Verfügung, die sukzessiv abgebaut wurden. Das Forschungsvorhaben soll nun untersuchen, welche Effekte durch die Beratung der Zusammenschlüsse ausgelöst wurden, wie die Zusammenarbeit von den Partnern bewertet wird und welche Optionen sich für eine künftige Zusammenarbeit darstellen.

Arbeitshypothese

Die Forschungsarbeit analysiert die Arbeitshypothese, dass bei forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen (FZus) in Bayern eine Professionalisierung im Zeitraum der Jahre 2005 bis 2015 stattgefunden hat. Die Grundlage zur Beurteilung der Professionalisierung bilden ausgewählte Kennzahlen, die auf einer Analyse von Zielen und Zwecken forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse nach BWaldG Kapitel 3, BayWaldG Art.1, Waldpakt und FORSTZUSR 2015 (Zielkatalog) basieren. Diese Kennzahlen werden mit strukturierten Fragebögen erhoben und gewährleisten mit einer Rücklaufquote von 52 % signifikante Aussagen für die entsprechende Grundgesamtheit in Bayern. Kennzahlen über die allgemeine Struktur von forstlichen Zusammenschlüssen aus der entsprechenden Datenbank des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ergänzen die Beurteilung. Die Ergebnisse der Analyse zeigen insgesamt, dass eine deutliche Professionalisierung in Bayern während des Untersuchungszeitraums stattgefunden hat.

Ergebnisse

Im Rahmen der Analyse wurden die folgenden drei Hauptthemen deutlich. Die Überwindung von Strukturnachteilen der Waldbesitzer (1) stellt die wichtigste Aufgabe der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse dar mit dem Fokus, den Waldbesitzer bei der Ausführung verschiedener Forstbetriebsarbeiten zu unterstützen, die Rohstoffbereitstellung für die Abnehmer zu gewährleisten, günstige Bedingungen im Rahmen der Betriebsführung zu schaffen sowie bestehende und neue Mitglieder bei der Waldbewirtschaftung zu aktivieren. Eine weitere Aufgabe der FZus ist die Berücksichtigung von sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten (2) bei der Geschäftsausübung. Darüber hinaus stellen Personalaspekte, Personalbildung und Personalverfügbarkeit (3) wichtige Ziele für forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse dar.

Die abgeleiteten Kennzahlen bieten eine Grundlage zur quantitativen und qualitativen Evaluierung der Entwicklung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse in Hinblick auf die gesetzten Zielstellungen. Zwar werden in der vorliegenden Arbeit keine absoluten Schwellenwerte festgelegt, jedoch können konkrete Aussagen zur relativen Entwicklung im Untersuchungszeitraum von 2005 bis 2015 formuliert werden, um die Veränderungen der Kennzahlen zur Professionalisierung grundsätzlich zu beurteilen. Im Großteil der Fälle kann zwischen einer quantitativen und einer qualitativen Beurteilung unterschieden werden. Die quantitative Ebene beschreibt einen messbaren Entwicklungstrend der jeweiligen Kennzahlen, die qualitative Ebene gibt Auskunft über die Entwicklung noch festzulegender Kategorien mit besonders hohem Einfluss auf die Erreichung der ausgewählten Ziele. Am Beispiel des Dienstleistungsangebots kann dies exemplarisch erläutert werden. Ein konstanter Anstieg des allgemeinen Dienstleistungsangebots im Zeitverlauf belegt, dass FZus heute deutlich mehr Dienstleistungen anbieten als noch vor 10 Jahren (Quantität). Die inhaltlichen Schwerpunkte des Dienstleistungsangebotes geben dann Aufschluss über die Qualität der Entwicklung.

Die Veröffentlichung des detaillierten Abschlussberichtes der Forschungsarbeit durch das StMELF ist für 2017 geplant. Die Ergebnisse sollen in die 2005 beschlossene Evaluation forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse in Bayern einfließen.

Literatur kann bei der Projektleitung angefordert werden.

Verbundprojektleitung

Prof. Dr. Michael Suda (Koordination)
Technische Universität München Link

Teilprojektleitung


Projektbearbeitung

M.Sc. André Tiemann

Projektmitwirkung extern

Projektdauer

01.02.2016 - 15.04.2017

Projektpartner

Projektförderung