Schulgartensysteme - Extensiver Gemüseanbau auf kleinster Fläche in Grundschulen - Versuch 1: Salatanbau

Eigene Erkenntnisse bleiben im Gedächtnis haften und führen zu einem größeren Lernerfolg. Mit dieser Strategie sollen Grundschulkinder spielerisch an das Gärtnern und das Thema Pflanze herangeführt werden. Ein autarker Mini-Schulgarten soll gärtnerisch die Kinder mit dem Anbau von Salat vertraut machen und die wesentlichen Faktoren des Pflanzenwachstums aufzeigen. Vor allem Kindern aus städtischen Bereichen soll so ein spielerischer Informations-Zugang zu den Vorgängen in der Natur bereitet werden.
Zielsetzung ist die Realisierung eines risikofreien und inhaltlich erfolgreichen pädagogischen Konzepts. Folgende Problembereiche finden dabei Berücksichtigung:
- eingeschränkter Platzbedarf –→ Realisierung auf kleinster Fläche
- kurzer Zeitrahmen →–→ Verwendung einer schnellwachsenden Kultur
- knappes Budget –→→ System mit geringen Kosten
- evtl. fehlende gärtnerische Kompetenz des Lehrkörpers →–→ risikoarme Konzeption
- knappe Arbeitszeit –→→ pflegeextensiver Aufbau, automatische Bewässerung

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Getestete Varianten für Schulgartensysteme
Bewertung der Varianten

In Vorversuchen konnte die Umsetzbarkeit getestet werden. Zwei praktikable Varianten eines Mini-Schulgartens haben sich herauskristallisiert. Dies ist zum einen der Anbau des Salates in Substratsäcken, die zweite Variante in Pflanztaschen. Beide Varianten werden mit dem Tropf-Blumat-System mit Wasser versorgt. Das kindgerechte, einfach umzusetzende, kurzzeitige und günstige Schulgartensystem ist jedes Jahr – bei Bedarf auch zweimal jährlich – einsetzbar.
In weiteren Versuchen wird das ganze System nochmals unter „Praxisbedingungen“ an fünf bayerischen Grundschulen auf seine Praxistauglichkeit überprüft.

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Abb. 3: Aufbau des Schulgartens
Abb. 4: Einstellung der Schulkinder zu Salat vor und nach dem Anbau

Schulgartensysteme  –  Extensiver Gemüseanbau auf kleinster Fläche an Grundschulen - Teil 2

Ein autarker Mini-Schulgarten soll Kinder spielerisch an das Gärtnern heranführen. In Vorversuchen 2015 hatten sich zwei praktikable Varianten für den Anbau von Salat herauskristallisiert. Ein Ziel von Phase 2 im Jahr 2016 war, den passenden Aufbau für ein funktionierendes System in Form eines fertigen Bausatzes für den autarken Einsatz an Grundschulen zu realisieren. Weiter wurde untersucht, ob die aktive Arbeit mit Pflanzen bei Kindern Änderungen in der Einstellung und Meinung zu Salat sowie zum Gärtnern bewirkt.
Für die Umsetzung wurden fünf bayerische Grundschulen mit unterschiedlichen Klassenstufen aus dörflichen und städtischen Einzugsbereichen gewonnen. An allen fünf Schulen erfolgte der gleiche Aufbau des Versuchs-Schulgartens.
Als Kulturträger wurden die Varianten „Pflanztasche“ und „Substratbeutel“ verwendet. Die Bewässerung erfolgte vollautomatisch mit dem Tropf-Blumat-System, die Bereitstellung des Wassers erfolgte über eine Regentonne. Ein Versuchsglied des jeweiligen Kulturträgers bestand aus drei Einheiten. In einer Einheit wurde ungedüngte Aussaaterde, in zwei weiteren Einheiten gedüngte Pflanzerde verwendet.

Ergebnisse aus den Erfahrungen mit den Kulturträgersystemen sowie der Befragung

Ist ein kurzzeitiger Schulgarten gewollt und sinnvoll?

Sowohl Schülerinnen und Schüler (mit über 95 % positiver Bewertung) als auch deren Lehrerinnen bewerteten einen Schulgarten durchweg positiv. Das Angebot eines Schulgartens sei passend für die zweite Klasse, im Rahmen von Ernährung im Lehrplan.

Ist das gewählte System praktikabel und welche finale Version hat sich herauskristallisiert?

Das System eines variablen und kurzzeitigen Schulgartens mit Hilfe des automatischen Tropf-Blumat-Bewässerungssystems hat sich als ein im Schulalltag taugliches System herausgestellt. Als Pflanzmedium haben sich Substratbeutel bewährt. Der Einsatz von zwei Substraten brachte keine sichtbaren Unterschiede, empfohlen wird deshalb die alleinige Verwendung von Pflanzerde als günstigere Variante. Der zeitliche Aufwand hält sich in Grenzen, der Auf- und Abbau des Schulgartens benötigt jeweils eine Doppel-Schulstunde, die Betreuung nur wenige Minuten pro Woche.

Welche Auswirkungen auf Schulkinder und deren Natur- und Nahrungsverständnis hat ein Schulgarten?

Die Befragung der Schulkinder und deren Lehrerinnen zeigte tendenziell, dass die Anbauversuche im Schulgarten die Einstellung zur Ernährung mit Salat bei den Schulkindern positiv beeinflusste. Um die Aussagekraft dieser Beobachtung jedoch abzusichern, bedarf es weiterer empirischer Forschung mit differenzierteren Befragungstechniken. Erst dann könnte die These bestätigt werden, dass ein Schulgarten ein wichtiges Medium auf dem Weg zu einer Kompetenz in gesunder Ernährung.

(Folge)Finanzierung des Schulgartens

Der Gesamt-Paket-Preis für die Realisation des hier konzipierten Schulgartens beläuft sich auf ca. 145,– € pro Schule. Die jährlichen Folgekosten für Pflanzerde und Jungpflanzen belaufen sich auf ca. 38,– €. Das Maximalbudget der Schulen für ein Komplettset läge nach Angaben der beteiligten Lehrerinnen dagegen nur bei 125,– €. Daraus wird ersichtlich, dass es einer gesicherten finanziellen Unterstützung für die Schulen bedarf, um das Projekt langfristig realisieren zu können.

Fazit

Ein temporärer Schulgarten an den untersuchten bayerischen Grundschulen ist praktikabel und stößt bei Schülern und Lehrern auf großes Interesse. Für eine gesicherte Umsetzung ist jedoch ein Finanzpartner zu suchen. Bei den durchwegs positiven Rückmeldungen zu den Auswirkungen eines Anbauversuchs auf das Ernährungsverhalten der Kinder empfiehlt sich das temporäre System als praktikabler, einfach zu bewerkstelligender und pädagogisch wertvoller Schulgarten.

Publikationen

Stiele, V.; Hannus, T. (2017): Salatanbauprojekte an Grundschulen - erste Erfahrungen. Tagungsband des Symposium GreenEDucation vom 11.-12. Mai 2017, S. 87-100.

Projektleitung

Prof. Dr. Thomas Hannus (Koordination)
T +49 8161 71-5879
thomas.hannus [at]hswt.de Mail

Projektbearbeitung

Projektmitwirkung




Projektdauer

13.07.2015 - 31.12.2017

Projektförderung