Entwicklung eines Software-gestützten Bestimmungssystems zur Reduzierung von Lagerschäden im Obstbau (Frudistor)

Nach einer Schätzung der FAO geht weltweit ca. ein Drittel der für die menschlichen Ernährung produzierten Nahrungsmittel nach der Ernte verloren (Gastavsson et al., 2011). Ein Großteil der Verluste geschieht dabei durch parasitäre sowie physiologische Krankheiten, welche vor allem während dem Transport oder bei der Lagerung der Produkte auftreten. Die Obstregion Bodensee (Deutschland und Schweiz), das Alte Land bei Hamburg sowie Südtirol in Norditalien zählen zu den bedeutendsten Obstbauregionen Europas. So beträgt z.B. die Menge an produzierter Tafelware bei Äpfeln in der Bodenseeregion jährlich ca. 250.000 Tonnen, und nimmt damit ca. 30 % der deutschen Apfelproduktion ein. Die physiologisch sowie parasitär bedingten Ernte- bzw. Lagerausfälle im heimischen Apfelanbau können auf ca. 6 % in der integrierten Produktion bzw. bis zu 20 % im ökologischen Anbau geschätzt werden. Der wirtschaftliche Schaden beläuft sich dabei am Beispiel Deutschland auf geschätzte 25.000.000 Euro pro Saison. Da ein Großteil dieser auftretenden Schäden durch sachgerechtes Handling der Früchte nach der Ernte vermeidbar ist, stellt die Kenntnis der beteiligten Akteure zur Vermeidung der Schadensursachen eine entscheidende Voraussetzung zu deren Verhinderung dar.


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Im November 2018 wurde die App „Frudistor“ auf der internationalen Apfelmesse Interpoma in Bozen offiziell vorgestellt und freigeschaltet. Die App ist das Ergebnis dieses dreijährigen Interreg-Projektes und ermöglicht es, Lagerschäden zu identifizieren und diesen entsprechend vorzubeugen. Frudistor beinhaltet Informationen zu über 40 Lagerschäden am Apfel, das Hauptaugenmerk liegt auf den physiologischen Schäden.

Mithilfe von Filterfunktionen (Schadenstyp, Schadensort, zeitliches Auftreten) kann der Nutzer die Suche eingrenzen. Anhand einer detaillierten Beschreibung der Symptome sowie hochwertigem Fotomaterial kann dann der vorliegende Schaden bestimmt werden. Der Nutzer erhält dann Informationen zu möglichen Ursachen, zum physiologischen Hintergrund sowie zu Vorbeugungsstrategien. Die kostenlose App bietet ein einfaches und benutzerfreundliches User-Interface und ist als Web-App betriebssystemunabhängig sowohl auf stationären als auch auf mobilen Endgeräten nutzbar. Zielgruppen sind Obstproduzenten, Lagerhalter, Berater, Auszubildende, Studierende und Konsumenten. Die App wird in weitere Sprachen (englisch, spanisch, italienisch, portugiesisch, niederländisch) übersetzt, um sie einem breiteren Nutzerkreis verfügbar zu machen (frudistor.de)

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Ca bedingte Fleischbräune

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Publikationen

Neuwald, D.; Klein, N.; Kittemann, D.; Weinmann, E.; Zanella, A.; Stürz, B.; Rossi, O.; Köpcke, D.; Bühlmann, A.; Würstl, D.; Johler, F.; Altherr, K. (2018): Frusdistor ist da! Obstbau 42 (10), S.558.