ENABLE 1.0 mit den Teilprojekten "Konsumenten-Involvment bei neu-entwickelten Lebensmitteln" (Arbeitspaket 2-8) und "Virtuelle Feedback Systeme für eine gesündere Lebensmittelauswahl bei Jugendlichen" (Arbeitspaket 3-3)

ABSTRACT
Der interdisziplinäre enable Cluster ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderter Cluster der Ernährungsforschung und -kommunikation in der Region München – Freising – Nürnberg. Auf der Basis von drei Arbeitspaketen versucht der Cluster mit Hilfe von 23 Teilprojekten mit unterschiedlichen Disziplinen der Ernährungs- und Lebensmittelforschung, schmackhafte und gesunde Fertiggerichte für Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen („junges Erwachsenenalter“, „mittleres Erwachsenenalter“ und „hohes Erwachsenenalter“) zu entwickeln und eine gesunde Ernährung in diesen Phasen zu fördern.
Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ist mit zwei Teilprojekten in den Arbeitspaketen 2 und 3 am enable Cluster beteiligt, der sich mit der Entwicklung gesünderer Fertigprodukte beschäftigt. Hintergrund: Zum einen kochen Menschen immer seltener selbst, zum anderen soll Essen schnell und leicht zuzubereiten sein, aber dennoch gut schmecken. Immer mehr Verbraucher greifen deswegen auf Fertigprodukte zurück, welchen allerdings ein verhältnismäßig schlechter Ruf im Hinblick auf Qualität oder Gesundheit vorauseilt. Aus diesen Gründen sollen neue, gesündere Fertigprodukte im Zuge des Projekts entwickelt werden.
Neue Produkte setzen sich auf dem Lebensmittelmarkt aber unter anderem aufgrund mangelnder Einbindung der Bedürfnisse von Verbraucherinnen und Verbrauchern nur selten am Markt durch. Für eine erfolgreiche Etablierung der zu entwickelnden Produkte soll in Arbeitspaket WP2-8 (bearbeitet von Lyn Lampmann; Fachgebiet für Marketing und Management Nachwachsender Rohstoffe) untersucht werden, welche Aspekte potenzielle Konsumentinnen und Konsumenten zum Kauf des neuen Produkts veranlassen würden. Das Hauptziel dieses Teilprojekts ist somit die Einbindung von Konsumenten und ihrer Bedürfnisse in den Entwicklungsprozess neuer, gesünderer Fertigprodukte (wie Burger, Pizza, Proteindrinks) für verschiedene Lebensaltersphasen.
Im dritten Arbeitspaket von enable stehen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) im Fokus des Interesses. Diese Technologien sollen eine gesündere Nahrungsmittelauswahl fördern. Ming Nguyen, ebenfalls eine Mitarbeiterin des Fachgebiets für Marketing und Management Nachwachsender Rohstoffe, untersucht in Teilprojekt WP3-3 dieses Arbeitspakets die Auswirkungen verschiedener Informationen und Preisinterventionen auf die Fastfood-Auswahl von Jugendlichen. Hierbei werden während des Bestellvorgangs direkte individualisierte Rabatte (Preisnachlässe) oder indirekte Rabatte (Gutscheine) für eine gesündere Zusammenstellung der Mahlzeit angeboten. Es werden ein Between-Subject-Design mit Hilfe von Gruppenvergleichen (non-parametrische Tests) und Difference-in-Difference-Modelle verwendet, um die Auswirkungen zu analysieren.


EINLEITUNG

Menschen kochen immer seltener selbst, Essen soll heutzutage schnell gehen, leicht zuzubereiten sein und dennoch gut schmecken. Immer mehr Deutsche greifen deswegen auf Convenience Food zurück, dem allerdings ein schlechter Ruf vorausgeht. Die Statistiken scheinen diese Annahme zu bestätigen: inzwischen ist jede zweite Person in Deutschland übergewichtig.

Zielsetzung des enable-Clusters

Der interdisziplinäre enable-Cluster (s. Weblinks rechts) ist ein vom Bundesforschungsministerium geförderter Cluster der Ernährungsforschung und -kommunikation in der Region München-Freising-Nürnberg. Auf der Basis von drei Arbeitspaketen versucht der Cluster mit Hilfe von 23 Teilprojekten mit unterschiedlichen Ausrichtungen der Ernährungs- und Lebensmittelforschung, schmackhafte und gesunde Fertiggerichte für Menschen in allen Lebensphasen zu entwickeln und zu fördern: (1) Schwangerschaft und frühe Kindheit, (2) Jugend und junges Erwachsenenalter, (3) mittleres Erwachsenenalter, (4) hohes Erwachsenenalter.

Konsumenten-Involvement bei neu-entwickelten Lebensmitteln (enable WP2-8)

Das Ziel des vom Fachgebiet für Marketing und Management Nachwachsender Rohstoffe durchgeführten Teilprojekts WP2-8 ist es, die Grundlage für die erfolgreiche Entwicklung gesunder Convenience Produkte für verschiedene Altersklassen (Jugendliche, mittleres Alter und Ältere) zu schaffen. Da neue Produkte auf dem Lebensmittelmarkt aufgrund mangelnder Einbindung der Bedürfnisse von VerbraucherInnen jedoch nur schwer akzeptiert werden, soll für die erfolgreiche Etablierung der zu entwickelnden Produkte herausgefunden werden, was potentielle KonsumentInnen zum Kauf des Produkts veranlassen würde.

Dafür soll in der ersten Phase des Projekts mittels Gruppendiskussionen für die verschiedenen Altersklassen ermittelt werden, welche Faktoren bei der Wahl von gesunden Lebensmitteln bei dem Verbraucher und der Verbraucherin eine Rolle spielen und welche Konsumentenmotive hinter dem Kauf eines Produktes stecken. Darauf aufbauend sollen drei verschiedene gesunde Convenience Produkte passend für die jeweilige Altersklasse entwickelt und in einer zweiten Phase direkt am Verbraucher getestet werden. Hier sollen Tiefeninterviews dabei helfen, die Konsumentenmotive für die Akzeptanz oder Ablehnung der neuen Produkte zu untersuchen und die Erfahrungen mit dem neuen Produkt sollen diskutiert werden. Das Hauptziel dieses Teilprojekts ist also die Einbindung von Konsumenten und ihrer Bedürfnisse in den Entwicklungsprozess neuer gesunder Convenience Produkte.

Virtuelle-Feedback-Systeme für eine gesündere Lebensmittelauswahl bei Jugendlichen (enable WP3-3)

Das Teilprojekt WP3-3 gehört dem dritten Arbeitspaket an, in dem Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) verwendet werden, um eine gesündere Nahrungsmittelauswahl zu fördern. Ziel dieses Teilprojekts ist es, Auswirkungen verschiedener Informationen und Preisinterventionen auf die Fastfood Auswahl von Jugendlichen zu untersuchen. Zu diesem Zweck wird ein IKT-basiertes, interaktives Virtuelles-Feedback-Sysem für Bestell-Terminals in Fastfood-Restaurants entwickelt, welches gesündere Menüvorschläge mit entsprechenden Nährwertangaben mittels einer virtuellen Figur (Avatar) auf dem Bildschirm darbietet, damit Jugendliche bessere und gesündere Entscheidungen hinsichtlich der Zusammenstellung ihrer Mahlzeit treffen können. Die Einflüsse der IKT-basierten Informationsinterventionen am Einkaufsort auf die Menüauswahl werden mit anderen konventionellen Veränderungen (z.B. einfache text-basierte Nährwertangaben) verglichen.

Darüber hinaus ist die Untersuchung von Effekten verschiedener Preisinterventionen ein wichtiges Thema des Teilprojekts und wird von dem Fachgebiet für Marketing und Management Nachwachsender Rohstoffe durchgeführt. Während des Bestellvorgangs werden direkte individualisierte Rabatte (Preisnachlässe) oder indirekte Rabatte (Gutscheine) für eine gesündere Zusammenstellung der Mahlzeit angeboten. Es wird ein Between-Subject-Design mit Hilfe von Gruppenvergleichen (non-parametrische Tests) und Difference-in-Difference-Modelle verwendet, um die Auswirkungen der direkten, im Vergleich zu indirekten, Preisinterventionen, zu analysieren.

Das Experiment wird zunächst im Labor entwickelt und getestet, bevor es im Rahmen eines Feldexperiments in Restaurants der McDonald's Deutschland Inc. durchgeführt wird.

Erster Workshop zum Thema: Dem Eiweißmangel im Alter vorbeugen - Entwicklung eines gesunden Proteindrink für Senioren

Eiweißmangel im Alter kann den Stoffwechsel und die Organfunktionen beeinträchtigen sowie den altersbegleitenden Muskelmasseverlust verstärken. Im Rahmen von enable wird ein neuer, geschmackvoller Proteindrink unter Mitarbeit von Forschern und Forscherinnen des Wissenschaftszentrums Straubing entwickelt. Erste Probanden zwischen 68 und 87 Jahren testeten im Dezember 2015 verschiedene Eiweißgetränke und trugen so mit ihrer Beurteilung zur Produktentwicklung bei. Das neue Getränk sollte den Ansprüchen und Wünschen der Senioren gerecht werden, ihnen schmecken und zur körperlichen Gesundheit beitragen. Die Ergebnisse waren sehr aufschlussreich. Die Testreihe mit den Senioren in Straubing war der erste von insgesamt sechs Workshops, die das Straubinger Forscherteam mit Konsumenten durchführt. Weitere Workshops werden sich mit den Bedürfnissen von Heranwachsenden und Menschen mittleren Alters beschäftigen. Es gilt herauszufinden, welche Faktoren bei der Wahl gesunder Lebensmittel für Verbraucher wichtig sind.