Erfassung und Vermehrung des Elsbeerenvorkommens im oberbayerischen 5-Seen-Land

Die Gattung Sorbus umfasst in Bayern fünf Wildobstarten. Mehlbeere und Elsbeere bilden in Überlappungsbereichen ihres Vorkommens Hybride, welche durch Polyploidie und Apomixis zu Kleinarten fixiert werden können. Die Elsbeere und ihre Hybriden stellen auf Grund ihrer Holzeigenschaften und Klimatoleranz eine wichtige Genressource dar. Das in Kooperation mit der Bayerischen Forstverwaltung durchgeführte Projekt sollte Grundlagen für eine gezielte Sicherung und Pflege der Bestände im oberbayerischen Fünfseenland liefern.


Die Gattung Sorbus umfasst in Bayern die Wildobstarten Vogelbeere, Speierling, Zwerg-Mehlbeere, Mehlbeere und Elsbeere. Die beiden letztgenannten Arten bilden in Überlappungsbereichen ihres Vorkommens Hybride, welche durch Polyploidie und Apomixis zu eigenständigen Kleinarten fixiert werden können.

Das oberbayerische Fünf-Seen-Land um Starnberger See, Ammersee, Wörthsee, Pilsensee und Wesslinger See bildet ein weit nach Süden abgesprengtes, isoliertes Teilareal der wärmebedürftigen Elsbeere (Sorbus torminalis). Aufgrund ihrer Seltenheit, ihrer Angepasstheit an warm-trockene Standorte und ihres wertvollen Holzes verdient sie mehr Aufmerksamkeit. Im Fünfseenland sind auffallend wuchskräftige Hybriden mit der regional häufigeren Mehlbeere beobachtet worden, deren genetischer und taxonomischer Status ungeklärt ist. Es ist nicht geklärt, ob als Elternarten neben den diploiden Sorbus torminalis und Sorbus aria i.e.S. auch die tetraploide Sorbus pannonica im Fünfseenland vorkommt.

Das Projekt erfasst das gesamte Elsbeerenvorkommen systematisch, identifiziert erntefähige Bäume und charakterisiert diese genetisch. Hybriden zwischen Elsbeere und Mehlbeere werden detailliert erfasst und auf genetische Struktur und Ploidiestufe geprüft. Die Ergebnisse münden in ein regionales Nachzuchtprogramm.

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Abb. 1: Bekannte Verbreitung der Elsbeere im Fünfseenland
s. Legende zu Abb. 2 im nächsten Absatz

Fragestellungen

Legende zu Abb. 2: Das Kreuzungssystem der Gattung Sorbus im Fünfseenland. Neben diploiden Spontan-Hybriden wurde nahe Inning eine triploide Population extrem wüchsiger Hybriden festgestellt, die jedoch keine fruchtbaren Samen bildet, sondern sich vegetativ durch Wurzelbrut fortpflanzt.

Im Projekt sollten folgende Fragen geklärt werden:

- Wo kommen im Fünfseenland baumförmige Elsbeeren und ihre Hybriden vor?
- Welche Dimensionen erreichen sie?
- Besteht waldbaulicher Pflegebedarf?
- Ist es unter den Hybriden zur Bildung eigenständiger Kleinarten gekommen?

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Abb. 3: Weit überdurchschnittliche Brusthöhendurchmesser und Baumhöhen bis zu 26 m in der triploiden Inninger Hybridpopulation von Sorbus x decipiens sind ein Beispiel für Heterosis, die bei der Züchtung von Hochleistungssorten von Bedeutung ist.

Vorgehen

Auf Basis einer Expertenbefragung suchten Bachelor-Kandidaten, Praktikanten und studentische Hilfskräfte der HSWT nach Bäumen und dokumentierten deren Lage, Dimension und Qualität in einem geographischen Informationssystem (GIS). An einer Auswahl von Bäumen wurden Knospen-, Blatt- und Samenproben für zytologische (Anzahl der Chromosomensätze) und molekulargenetische Untersuchungen (Klonalität) gewonnen. Die Blattformen der Hybriden wurden mittels Ordination untereinander und mit denen der Elternarten verglichen. Die waldbaulichen Ergebnisse wurden in ein am Forstamt verankertes GIS eingepflegt.

Ergebnisse

Im Gebiet wurden 238 baumförmige Elsbeeren und 47 Hybriden erfasst. Das regionale Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Isartal bis in das Hügelland zwischen Ammersee und Lech. Trotz intensiver Nachsuche konnten im Gebiet keine Vorkommen der tetraploiden Mehlbeere Sorbus graeca nachgewiesen werden, die weiter nördlich im Frankenjura als Elternteil zahlreicher triploider Kleinarten gilt. Die meisten Hybriden (Sorbus x decipiens, Abbildung 2) waren wie die Eltern diploid, kamen einzeln an verstreuten, über das Gebiet verteilten Standorten vor und zeigten ähnliche Dimensionen wie die Elsbeere. Dagegen befindet sich am Ammerseeufer bei Inning auf ca. 0,25 ha eine bemerkenswerte Population von 27 triploiden, auffallend großen, sehr vitalen Hybridbäumen (Heterosis), die alle zum selben Klon gehören. Die nahe liegende Vermutung, hier handele es sich um eine fixierte Kleinart („Ammersee-Mehlbeere“), musste jedoch nach eingehender Untersuchung der Samen verworfen werden, da diese deformiert und nicht keimfähig waren und Embryonen mit irregulären Chromosomenzahlen enthielten. Demnach handelt es sich hier um eine besonders wuchskräftige Lokalsorte von Sorbus x decipiens (Abbildung 3), die allenfalls vegetativ vermehrt werden könnte.

Bachelorarbeiten zum Thema

Hackl, Christoph (2014): Die Elsbeere (Sorbus torminalis (L.) Crantz) im Fünfseenland. Verbreitung, Vitalität und Pflegedringlichkeit. Bachelorarbeit Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Freising.

Ziel dieser Bachelorarbeit war es, das isolierte Vorkommen dieser seltenen Baumart im Fünfseenland genauer zu untersuchen. Neben der Lokalisierung der einzelnen Exemplare mittels GPS, wurden die bevorzugten Standorte anhand ausgewählter bodenkundlicher Parameter genauer untersucht. Neben der Dimensionierung der Elsbeere in diesem Gebiet sollte die Vitalitätsstruktur sowie die Konkurrenzsituation überprüft werden, um so auf eine mögliche Gefährdung aufmerksam zu machen und eine Pflegedringlichkeit abzuleiten. Zur geographische Auswertung der im Gelänge gewonnenen
Daten diente das Programm Esri ArcGIS. Die Elsbeere erreichte im Untersuchungsgebiet eine Höhe von maximal 25,4 m und einen Brusthöhendurchmesser von bis zu 58 cm. An bevorzugten Standorten zeigte die Elsbeere eine klare Tendenz hin zu den basenreichsten Böden, mit geringer Entkalkungstiefe. Bezüglich dem Wasserangebot scheint sie relativ tolerant zu sein. Insgesamt zeigt die Elsbeere im Untersuchungsgebiet überwiegend eine nachlassende Vitalität, was v.a. auf die häufige Bedrängung durch andere Baumarten zurückzuführen ist. Bei ausbleibender Pflege wird künftig mit einem vermehrten Rückgang der Elsbeere zu rechnen sein.

Keller, Ferdinand (2015): Hybriden zwischen Mehlbeere und Elsbeere im Fünfseenland. Bachelorarbeit Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Freising.

Ziel der Untersuchung war die Ermittlung, Erfassung und Vermessung von Vorkommen von Sorbus aria x torminalis und die Klärung ihres genetischen und taxonomischen Status. Untersuchungsgebiet war das Fünfseenland westlich von München im Regierungsbezirk Oberbayern. Die Vorkommen wurden mit GPS erfasst und die gemessenen Daten in einer Excel Tabelle gespeichert. Zusätzlich wurden Herbarbelege gesammelt und morphologisch analysiert, sowie Blatt-, Samen-, und Knospenproben gesammelt, welche auf ihre Ploidiestufe analysiert wurden. Ergebnis war der Fund von fünf Vorkommen mit diploiden Spontan-Hybriden und eines Vorkommens eines triploiden Polykormons, der sexuelle Samenbildung betreibt und taxonomisch als Sorbus subg. Tormaria „Inning“ bezeichnet wurde.

Publikationen

Brehm, G.; Brem, A.; Ewald, J.; Huber, G. (2017): Elsbeeren im Fünfseenland. Verbreitung, Genetik und Erhaltung. LWF aktuell (3), S.43-45.
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Keller, F.; Meyer, N.; Gregor, T.; Paule, J.; Lepsi, M.; Koutecký, P.; Fussi, B.; Hackl, C.; Ewald, J. (2015): Hybriden zwischen Mehlbeere (Sorbus aria) und Elsbeere (Sorbus torminalis) im oberbayerischen Fünfseenland. Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 85, S.19-34.
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Verbundprojektleitung


Teilprojektleitung


Projektbearbeitung

Christoph Hackl

Ferdinand Keller

Norbert Meyer

Bernhard Schmieder

Projektmitwirkung extern


Projektdauer

15.05.2014 - 30.11.2016

Projektpartner

Projektförderung