Herstellung und Reaktionen mittel- und langkettiger Zwischenprodukte für die Polymerindustrie aus biologischer Produktion - Verbraucherakzeptanz gegenüber biobasierten Endprodukten

Die Polymerindustrie gilt als eine der Schlüsselindustrien dieses Jahrhunderts und ist auch heute noch als Wachstumsbranche zu bezeichnen. Da die Herstellung von Kunststoffen heute nahezu ausschließlich auf endlichen Ressourcen wie Erdöl oder Erdgas beruht, werden nachhaltigere Alternativen gesucht.

Biomasse gewinnt als alternative Rohstoffquelle zunehmend an Bedeutung. Zwar sind die Marktanteile von Biokunststoffen noch sehr gering, die zweistelligen Wachstumsraten sind allerdings überdurchschnittlich hoch. Vielversprechend ist der Einsatz von Pflanzenölen bei der Herstellung von Polymeren. Im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts von der TU München und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf sollen innovative biobasierte Chemikalien bereitgestellt und neue Reaktionstechniken für deren Herstellung entwickelt werden.

Aufgabe des Fachgebiets für Marketing und Management ist die Analyse der Verbraucherakzeptanz gegenüber Endprodukten aus biobasierten Polymeren. Im Rahmen einer Discrete-Choice-Analyse „Verbraucherakzeptanz gegenüber biobasierten Kunststoffprodukten“ wurden Kauf- und Zahlungsbereitschaft für ausgewählte Produktbeispiele ermittelt. Auf diese Weise konnten Produkteigenschaften identifiziert werden, die sich positiv oder negativ auf die Marktdurchdringung von Produkten aus biobasierten Polymeren auswirken. Letztendlich konnten so wertvolle Empfehlungen für die Gestaltung und Vermarktung derartiger Produkte abgeleitet werden.

Empirische Studie

Dazu befragte er 1.621 Verbraucher mit Hilfe einer Online-Umfrage in Deutschland zu den biobasierten Untersuchungsobjekten Sandspielset für Kinder, Trinkflasche für das Fahrrad und Laufschuhe. Er wendete ebenfalls die Methodik einer Conjoint-Analyse an. Das jeweilige Experiment bestand dabei aus zwölf Auswahlentscheidungen, bei denen die sieben Produkteigenschaften variierten, die in Abbildung 3 dargestellt sind.

Ergebnisse

Bei zwei von drei Untersuchungsobjekten wurde die Herkunft der Rohstoffe als wichtigste Produkteigenschaft ermittelt. Dies gilt besonders, wenn die Rohstoffe in Deutschland produziert wurden wie beispielsweise Pflanzenöl aus Raps. Importierte Rohstoffe aus außereuropäischen Ländern wurden von den Teilnehmern negativ bewertet. Besonders kritisch wurden dabei Palmöl aus Indonesien und Rizinusöl aus China betrachtet. Gerade in diesen Ländern werden starke Umweltbeeinträchtigungen vermutet, die im Widerspruch zu möglichen Vorteilen von Pflanzenölen stehen.

Beim dritten Untersuchungsobjekt stand die Verwendung heimischer Rohstoffe nicht zur Auswahl. Als Folge war die Herkunft nur zweitwichtigste Eigenschaft nach dem Produktpreis. Ansonsten war der Produktpreis die zweitwichtigste Eigenschaft, wobei erwartungsgemäß günstigere Produktalternativen vorgezogen wurden.

Die fünf weiteren ökologischen Produkteigenschaften wurden von den Befragten als ähnlich wichtig beurteilt. Die Probanden bevorzugten jedoch Produkte, die möglichst vollständig aus biobasierten Kunststoff bestanden, eine positive Umweltauswirkung verbunden mit einer hohen Einsparung an CO2-Emission hatten, keine Weichmacher oder Zusatzstoffe enthielten sowie aus biologisch sowie gentechnikfrei erzeugten Rohstoffen bestanden. Ein weiterer Nutzenvorteil ergab sich aus einem hohen funktionellen Wert.

So wurden spülmaschinengeeignete Trinkflaschen, gewichtssparende Laufschuhe und Sandspielsets mit vielen Einzelteilen bevorzugt. Abschließend erschienen Konsumenten mit einem hohen Umweltbewusstsein, mit starker Naturverbundenheit und großem Interesse an innovativen Produkten als besonders vielversprechende Zielgruppen, um eine weitere Marktdurchdringung von Produkten aus biobasierten Polymeren zu fördern. Diese Gruppen legten allerdings einen besonderen Wert auf eine hohe ökologische Produktqualität und schätzten die Verwendung heimischer Rohstoffe im besonderen Maße. Ein besonderes Interesse von Befragten mit hohem Gesundheitsbewusstsein an biobasierten Kunststoffprodukten konnte nicht bestätigt werden.

Projektleitung

Prof. Dr. Klaus Menrad (Koordination)
T +49 9421 187-200
klaus.menrad [at]hswt.de Mail

Projektbearbeitung

Projektdauer

01.04.2013 - 30.09.2016