Akzeptanz von Bürger-Windkraftbeteiligungsmodellen

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist ein zentraler Eckpunkt der Energiewende in Deutschland. So stieg im Jahr 2015 der Anteil der Erneuerbaren Energien am deutschen Bruttostromverbrauch auf 32,6 %. Dieser starke Anstieg kann insbesondere auf den rasanten Ausbau der Windenergienutzung zurückgeführt werden. Um die Energiewende auch weiterhin erfolgreich durchzusetzen, ist vor allem eine ausreichende Akzeptanz der Bürger für Windkraftanlagen notwendig. Vor diesem Hintergrund untersuchen Katharina Langer und Johannes Gamel, beide wissenschaftliche Mitarbeiter am Fachgebiet für Marketing und Management Nachwachsender Rohstoffe am Wissenschaftszentrum Straubing, in eigenständigen Projekten (1) den Zusammenhang zwischen verschiedenen Beteiligungsansätzen und der Akzeptanz von Bürgern in Hinblick auf die Windenergie und (2) die Präferenzen der Bürger bei der Geldanlage in Windenergieanlagen.

Erstes Projekt

Das erste Projekt behandelt verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten von Bürgern an Planungs- und Genehmigungsprozessen für Windkraftanlagen. Diese können in unterschiedlichen Stufen (Information für Bürger, Konsultationsprozesse, Kooperation bei der Gestaltung der Genehmigungsverfahren, eigenverantwortliches Handeln wie z. B. finanzielle Beteiligung) ausgeführt werden. Um die Relation zwischen den einzelnen Partizipationsstufen und der Akzeptanz für Windkraftanlagen zu ermitteln, wurden insgesamt 1.363 Bürger, die sich in den unterschiedlichen Stufen an Genehmigungsprozessen für Windkraftanlagen eingebracht haben, in einer Online-Umfrage befragt. Hierbei wurde die Adaptive Choice-Based Conjoint Analyse, zur Ermittlung von individuellen Nutzenwerten und damit der Präferenzen der Befragten in Bezug auf Attribute von Windenergiekonzepten, angewendet. Mit Hilfe dieses Verfahrens war es möglich, die Ansichten der Bürger zu unterschiedlich ausgestalteten Windenergiekonzepten zu untersuchen und deren Erwartungen zu eruieren. Die erhobenen Daten werden mit Hilfe multivariater statistischer Verfahren ausgewertet, wobei auch auf Unterschiede in der Einschätzung zwischen den verschiedenen Gruppen geachtet wird. Mit ersten Ergebnissen ist im Laufe des Jahres 2016 zu rechnen.

Zweites Projekt

Das zweite Projekt behandelt die Investitionspräferenzen der Bürger bei der Geldanlage in Windenergie. Auf Basis einer umfangreichen Literaturrecherche wurden Experteninterviews mit Finanzdienstleistern, Beratern für Erneuerbare Energien und Projektentwickler deutschlandweit durchgeführt. Die Einschätzung der Experten hatte einen erheblichen Teil an der Gestaltung eines Onlinefragebogens, welcher unter anderem ein sog. Choice-Experiment enthielt. Bei dem integrierten Choice-Experiment handelte es sich um ein Verfahren zur dekompositionellen Nutzenmessung. Durch die Wahlentscheidungen der Befragten konnten so Nutzenwerte ermittelt werden, welche schließlich Aussagen auf die Investitionspräferenzen ermöglichen. Die Ergebnisse dieses Projektes zeigen, dass Investitionsentscheidungen in Windenergieanlagen nicht nur mit dem Gedanken an Profitmaximierung, sondern auch mit dem Ziel des aktiven Umweltschutzes verbunden sind. Weiter konnte belegt werden, dass Alter und Vermögen einen signifikanten Einfluss auf die Investitionspräferenz und die Investitionswahrscheinlichkeit für Windenergie haben.

Projektleitung

Prof. Dr. Klaus Menrad (Koordination)
T +49 9421 187-200
klaus.menrad [at]hswt.de Mail

Projektbearbeitung

Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Johannes Gamel

Projektdauer

01.05.2013 - 30.04.2016

Projektförderung