Neue Lösungsansätze zum Schutz vor der Kirschessigfliege

Die aus Asien stammende Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) wurde erstmals 2011 im Bodenseegebiet aufgefunden. Seither hat sie sich im Gebiet etabliert und ist aufgrund ihres hohen Schadpotenzials zu einem ernst zu nehmenden Problem im Obst- und Weinbau geworden. Gründe für das hohe Schadpotenzial sind eine enorm hohe Vermehrungsrate sowie die Tatsache, dass von der Kirschessigfliege Früchte kurz vor der Ernte befallen werden. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist somit erschwert, obwohl eine effiziente Bekämpfung unbedingt notwendig ist. Zusätzlich fehlen wichtige Informationen zur Biologie der Fliege wie z. B. Habitatspräferenzen, räumliche und zeitliche Verbreitung.

Bild1 Bild2
Abb. 1: Männchen der Kirschessigfliege
Abb. 2: Weibchen der Kirschessigfliege

Zielstellungen

Im Rahmen eines Interreg IV Projektes wurden unter Koordination des Kompetenzzentrums Obstbau Bodensee Methoden entwickelt bzw. überprüft, die es zum einen ermöglichen, die Populationsentwicklung der Kirschessigfliege im Gebiet zu überwachen und zum anderen den Befall und damit den Schaden zu minimieren. Zur Entwicklung und Überprüfung praxistauglicher Fallentypen wurden in Freilandversuchen verschiedene Fallensysteme überprüft. Es kamen Kombinationen aus verschiedenen Fallenbehältern und Fallenflüssigkeiten zum Einsatz.

Bild3
Abb. 3: Becherfalle in Trauben

Vorgehen

Um die räumliche und zeitliche Ausbreitung des Schädlings in den jeweiligen Regionen des Projektgebietes zu erfassen, wurde durch alle Projektpartner ein Monitoring eingerichtet. Die aktuellen Daten wurden bei Projektbesprechungen vorgestellt, diskutiert und über eine Onlineplattform (www.drosophilasuzukii.agroscope.ch) bereitgestellt.

Weiterhin galt es, geeignete Lockstoffe zur effizienten Bekämpfung des Schädlings mittels Massenfang zu prüfen und zu entwickeln. So wurden in den Jahren 2013 und 2014 Massenfangversuche mit verschiedenen Fallenflüssigkeiten durchgeführt. Außerdem sind erste Schritte in der Entwicklung eines sehr fängigen Hefe-Lockstoffes realisiert worden. Dieser Lockstoff soll in einem Folgeprojekt optimiert werden, bevor er in der Praxis zum Einsatz kommen kann.

Die Prüfung alternativer Methoden zur Befallskontrolle und zum effizienten Schutz der Früchte wurde sowohl im Freiland als auch im Labor umgesetzt. Dabei wurde einerseits die Praktikabilität verschiedener Methoden zur Befallskontrolle, z. B. die Tauchbadmethode, der Gefriertest und das Zählen der Eiablagen getestet und andererseits alternative Methoden zum Schutz der Früchte wie das Einfrieren, die Einnetzung und der Einsatz von Köderverfahren erforscht.

Die Etablierung eines länderübergreifenden Informationssystems (www.drosophilasuzukii.agroscope.ch) für Warndienst und Wissenstransfer war letztendlich ein Meilenstein, der auch zur Information von Produzenten über den jeweiligen status quo der Ausbreitung und des Befalls der Fliegen in der jeweiligen Region dienlich ist. Hier wurden und werden die aktuellen Daten des Monitorings eingetragen. Die im Rahmen des Projektes durchzuführenden Aufgaben wurden entsprechend der Kapazitäten und Mittel auf die Projektpartner verteilt. Die Versuchsstation für Obstbau Schlachters der HSWT beteiligte sich vor allem im Rahmen des Monitorings.

Ergebnisse

Die in diesem Projekt erreichten Ergebnisse können erfolgsbringend zur Entwicklung einer effektiven Bekämpfung bzw. Kontrolle der Kirschessigfliege eingesetzt werden. Aufgrund der gewonnenen Erfahrungen können nun weitere Strategien ausgearbeitet und überprüft werden. Hierfür ist bereits ein Folgeprojekt gestartet. Jegliche Erfahrungen rund um die Kirschessigfliege wurden und werden auf Informationstreffen des Warndienstes und Tagungen vorgestellt. Außerdem werden die aktuellen Daten des Monitorings online veröffentlicht.
Alle in dem Projekt erarbeiteten Erkenntnisse werden in den Empfehlungen der Pflanzenschutzdienste berücksichtigt. Aufgrund der vorbildlichen Zusammenarbeit konnten und können Empfehlungen zum Schutz abgestimmt werden und somit länderübergreifend die Praxis unterstützen.