Handlungsempfehlungen für eine optimierte Verbraucherinformationspolitik – exemplarisch im Energiebereich

Durch die fortschreitende Digitalisierung und die damit einhergehenden Veränderungen in der Gesellschaft sieht sich auch die Verbraucherinformationspolitik neuen Herausforderungen gegenübergestellt. In einer Ausdifferenzierung der beim Verbraucher anzusetzenden Instrumente hat die staatliche Verbraucherpolitik folgerichtig das Instrument der Verbraucherinformation in den Online-Medien geschaffen. Die auf dem Markt vorherrschenden Prinzipien der Selbstregulierung und die Beeinflussung der öffentlichen Meinung, in die alle Akteure eingebunden sind, sollen durch die Informationen von staatlicher Seite ergänzt werden, um ein Informationsgleichgewicht zwischen allen Akteuren in der neu entstandenen Verbraucheröffentlichkeit zu gewährleisten (vgl. Baringhorst et al. 2007, S. 35). Die staatliche Verbraucherinformation unterliegt dabei der Forderung nach einer stetigen, wissenschaftlich fundierten Evaluierung und Optimierung.

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Dialogtagung am 16.01.2015

Zielsetzung

Aufgegriffen wird in diesem Forschungsprojekt das verbraucherrelevante Thema des Energieverbrauchs und der Stromversorgung. In Teilbereichen wird dabei insbesondere Bezug auf intelligente Steuerungssysteme wie Smart Home und Smart Metering genommen. Das Projekt geht von der Hypothese aus, dass der Energiebereich angesichts von Big Data und Anwendungen, die Konsumentscheidungen unterstützen, eine fundierte Verbraucherinformationspolitik verlangt. Die Entscheidungskompetenz der Verbraucher bedarf hierbei einer Stärkung in unterschiedlichen Kontexten, zum einen für die individuellen Bedürfnisse als auch für das Allgemeinwohl. Neben technischen Neuerungen macht die zunehmende Erzeugung erneuerbarer Energien gekoppelt mit der Energiewende eine generelle Energieeinsparung und eine Steuerung des Stromnetzes durch intelligente Lösungen, die der Kopplung und Steuerung von Erzeugung und Verbrauch dienen, attraktiv. Hier wird ein großer Informationsbedarf gesehen und somit ein interessantes Anwendungsfeld für die Erarbeitung neuer Ansätze in der Verbraucherinformationspolitik.

Ziel des Projektes ist es somit, die Wirkung neuer, verbraucherpolitischer Handlungsziele und neuer Konsumbereiche auf die Informationsbedürfnisse der Verbraucher zu erfassen und die Wirkung unterschiedlicher Informationen und der Ausgestaltung der Informationssysteme hinsichtlich ihrer Akzeptanz bei Verbrauchern und weiteren Stakeholdern zu untersuchen. Dabei sollen zentrale Aspekte einer effizienten Verbraucherinformation in den Mittelpunkt gestellt werden.

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Ergebnisse des World Café am 09.10.2014, zusammengetragen auf Stellwänden

Vorgehensweise

Das erste Teilprojekt (HSWT) beleuchtete die Einbindung breiter Akteursgruppen in die Konzeption des Instruments Verbraucherinformation. In zwei Großgruppenveranstaltungen, die als Stakeholder-Dialoge durchgeführt wurden, wurden mit verschiedenen Stakeholdern zu den Bereichen Energie, Energiewende, Verbraucherinformationen und Datenschutz Themen und Lösungen zu innovativen Ansätzen der Informationsdarbietung des Verbraucherschutzes erarbeitet.

Das zweite Teilprojekt (TUM) beschäftigte sich mit der Optimierung von Information aus Verbrauchersicht, wobei Information als effektiv angesehen wird, wenn sie richtig, relevant, zugänglich, attraktiv, handlungsrelevant und transparent ist (vgl. Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. 2011, S. 12).

Beide Teilprojekte wurden nach einem Überblick über den aktuellen Forschungsstand mit ihrer Methodik und ihren Ergebnissen vorgestellt. Aus den Ergebnissen beider Projektteile wurden anschließend konkrete Handlungsempfehlungen für eine erfolgsorientierte bayerische Verbraucherpolitik abgeleitet.

Teilprojekt Stakeholder-Dialog (HSWT)

Im vorliegenden Teilprojekt arbeiteten unterschiedliche Akteure des Energiebereichs mit der relativ neuen Methode des Stakeholder-Dialogs partizipativ und dialogorientiert an der Verbesserung von Verbraucherinformation rund um die Stromversorgung, insbesondere in Bezug auf intelligente Steuerungssysteme. Diese neue Methode zielt darauf ab, ein möglichst umfassendes und unbeeinflusstes, direktes Meinungsbild von den unterschiedlichen Akteuren zu erhalten. Im vorliegenden Projekt wurde die Methode zum einen verwendet, um unmittelbar Handlungsempfehlungen für eine effektive Verbraucherinformation im Energiebereich wissenschaftlich zu begründen. Die Methode wurde vorliegend zum anderen auf ihrer Übertragbarkeit auf zukünftige, analoge Fragestellungen untersucht.

Konkrete Ziele des Teilprojekts waren:

- Erlangen von Erkenntnissen bezüglich relevanten Informationen zu Verbraucherschutzaspekten, die an den Verbraucher weiterzugeben sind
- Optimierung der Art und Weise der Informationsdarstellung und -übermittlung, vor allem in Bezug auf digitale Medien
- Untersuchung der Wirkung der energiepolitischen Ziele auf den Verbraucher und Identifizierung möglicher Informationsdefizite

Die zentralen Fragestellungen dazu lauteten:

- Welchen Informationsbedarf haben Verbraucher bei der Umsetzung der Energiewende zur Sicherung ihrer eigenen finanziellen, versorgungs- und umweltbezogenen Interessen, insbesondere unter dem Aspekt neuer, technischer Entwicklungen wie "intelligente Umgebungen"?
- Wie übernehmen Smart Applications und dynamische Feedbacksysteme Kontrolle über die unterschiedlichen Verbraucherentscheidungen zur optimierten Netzauslastung?
- Welche Mechanismen der Aufgabe der Verbrauchskontrolle und -steuerung werden vom Verbraucher akzeptiert, welche nicht?
- Welchen Stellenwert haben diese neueren Entwicklungen zum Informationsbedarf neben der Vertragsgestaltung bei Energieversorgungsverträgen, den Entwicklungen zur Steigerung der Energieeffizienz im privaten Haushalt und der Bereitschaft zum Verzicht (Energiesparen)?
- Welcher Stellenwert muss diesen Aspekten zukünftig aus Verbraucherschutzsicht zugeschrieben werden, insbesondere im Vergleich zu anderen Informationsschwerpunkten?
- Wie kann speziell das Instrument der Verbraucherinformationen durch neue, interessenpluralistische Formen der Informationsvermittlung effizienter und nutzerfreundlicher gestaltet werden?
- Welche Stärken/Schwächen hat die Darbietung im VIS?
- Ist eine stärkere Differenzierung nach Zielgruppen erforderlich?
- Wie müssen effektive Angebote im Internet gestaltet sein?

Abschlussbericht

Vorgehensweise, Methodik, Ergebnisse und Diskussion zum Teilprojekt "Stakeholder-Dialog", das an der Fakultät Landwirtschaft der HSWT durchgeführt wurde, finden sich im Abschlussbericht, S. 8 - 26 (s. rechts, Weblinks)

In diesem Bericht finden Sie darüberhinaus Beschreibungne, Fakten und Ergebnisse zu beiden Teilprojekten und zum Gesamtprojekt unter Leitung des Lehrstuhls für Marketing und Konsumforschung der Technischen Universität München.

Verbundprojektleitung

Prof. Dr. Jutta Roosen (Koordination)
Technische Universität München Link

Teilprojektleitung

Projektbearbeitung

B.Sc. Sandra Albertsen
sandra.albertsen [at]student.hswt.de Mail

Projektdauer

01.02.2014 - 30.04.2015

Projektträger

Projektförderung

Weblinks

Abschlussbericht des Verbundprojektes Link

Zu zitieren als:

Albertsen, Sandra, Mirjam Jaquemoth, Bernhard Mohr, Jutta Roosen, 2015: Handlungsempfehlungen für eine optimierte Verbraucherinformationspolitik – exemplarisch im Energiebereich. Freising.