Erarbeitung einer bayernweiten Flächennutzungstypenkarte und Bewertung des Schutzgutes Arten und Lebensräume

Ausblick
Die Ergebnisse des Projekts dienen als landschaftsplanerische Grundlage für verschiedene Planungen im Maßstabsbereich ab 1:25.000. Davon profitieren soll insbesondere die regionale Landschaftsrahmenplanung. So können sowohl die Ergebnisse der flächendeckenden Bewertung der aktuellen Lebensrumfunktion als auch – verknüpft mit weiteren Standortdaten – Interpretationen der Flächennutzungstypenkarte als erste Grundlage zur Einschätzung des Biotopentwicklungspotenzials herangezogen werden. Diese Information wird z. B. vor dem Hintergrund aktueller Fortschreibungen der Regionalpläne zum Aufbau regionaler und landesweiter Biotopverbundsysteme benötigt, die in Anpassung an das Landesentwicklungsprogramm Bayern für alle Planungsregionen erarbeitet werden sollen. Darüber hinaus können mit den vorliegenden Grundlagen v. a. großräumige Standortentscheidungen optimiert werden, etwa zur Trassenfindung von Energieleitungen.


Bislang gab es für Bayern keine flächendeckende Nutzungstypenkarte als Grundlage für die Landschaftsrahmenplanung und andere ökologisch orientierte Planungen. Ziel des vorliegenden Projektes ist es, ausgehend von partiell vorhandenen Nutzungstypenkarten, die im Zuge zurückliegender Landschaftsrahmenpläne bzw. Landschaftsentwicklungskonzepte erarbeitet wurden, eine nach einheitlichen Standards entwickelte Nutzungstypenkarte für ganz Bayern zu erstellen. Der methodische Ansatz orientiert sich dabei an der Vorgehensweise im Pilotprojekt Landschaftsrahmenplan Donau-Wald (HSWT 2011).
Das Projekt wurde im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Umwelt mit Unterstützung einer projektbegleitenden Arbeitsgruppe – bestehend aus Vertretern des bayerischen Umweltministeriums und der höheren Naturschutzbehörden – im Zeitraum zwischen November 2013 und Mai 2016 erarbeitet.

Bild1 Bild2
Abb. 1: Nutzungstypenkarte Bayern
Abb. 2: Bewertungskaskade zur Einstufung der Lebensraumfunktion (verändert nach HSWT 2011)

FLÄCHENNUTZUNGSTYPEN ALS BEWERTUNGSGRUNDLAGE FÜR RÄUMLICHE PLANUNGEN

Methodik
Die Verwendung nutzungsbezogener Kartiersysteme ist in der ökologisch orientierten räumlichen Planung weit verbreitet. Wichtige Gründe dafür sind:
» Die Flächennutzung bzw. damit verbundene Nutzungsintensität kann als Indikator für das Ausmaß der Überprägung bzw. Naturnähe einer Fläche betrachtet werden.
» Die Flächennutzung bestimmt das Spektrum möglicher Lebensraumtypen.
» Nutzungseinheiten sind gut abgrenzbar, die Grenzziehung ist in der Realität nachvollziehbar.
» Weitergehende ökologische Interpretationen sind möglich (Standort, spezifische Nutzungseinflüsse).
» Die Nutzungsverteilung gibt Ansatzpunkt für Planung (i. S. von Nutzungssteuerung).

Für die Bearbeitung wurden folgende Datengrundlagen verwendet:
» CORINE Land Cover (CLC) 20061
» ATKIS 25

Zur Differenzierung einzelner Nutzungstypen zusätzlich:
» Bodenkundliche Übersichtskarte – BÜK 25

Eine Kombination der Nutzungsinformationen aus Corine Landcoverdaten (CLC 06) und ATKIS 25 erlaubt es, die Vorteile beider Systeme zu verbinden. ATKIS 25 ermöglicht eine hohe räumliche Differenzierung, Corine Landcoverdaten sind inhaltlich differenzierter, insbesondere bei der Unterscheidung von Waldtypen. Bodenkundliche Daten wurden ergänzend zur Ansprache von Feuchtgrünland auf organischen Böden eingesetzt.

Nutzungstypenkarte Bayern
Das Ergebnis der Flächennutzungstypenkarte ist für Maßstäbe zwischen 1:25.000 und 1:100.000 nutzbar. Der primär erzeugte Datensatz von rund 850.000 Einzelflächen wird wie folgt weiter verwendet:
» Weiterverarbeitung als fachliche Grundlage im Rahmen der flächendeckenden Bewertung des Schutzguts Arten und Lebensräume
» Aufbereitung als (gefilterter) digitaler Datensatz mit einer dem Darstellungsmaßstab bis 1:25.000 entsprechenden Mindestflächengröße von 1 ha
» Zusammenfassende Übersichtskarten im Maßstab 1:500.000 und 1:2.000.000 (s. Abbildung 1).

Bild3
Abb. 3: Übersichtskarte der Bewertung des Schutzguts Arten und Lebensräume Bayerns

FLÄCHENDECKENDE BEWERTUNG DES Schutzgutes ARTEN UND LEBENSRÄUME

Methodik
Die Bewertung des Schutzgutes Arten und Lebensräume erfolgt anhand der aktuellen Lebensraumfunktion. Die aktuelle Lebensraumfunktion entspricht der Beurteilung des derzeitigen Zustands von Landschaftsteilen hinsichtlich des Vorkommens von Pflanzen- und Tierarten und ihrer Lebensräume (HSWT 2011).
Die wichtigsten Beurteilungskriterien sind
» bestehende Schutzgebietseinstufungen (NSG, Natura 2000, Naturwaldreservate)
» durch fachliche Grundlagen belegte wertvolle Gebiete, z. B. ABSP-Flächen, Flächen der Artenschutzkartierung, kartierte Biotope und Gebiete mit hoher Biotopdichte (Verteilung und Größe naturnaher Lebensräume), Flächen mit geförderten Maßnahmen nach dem bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm
» Hemerobie (bezogen auf Nutzungstyp und Standort, z. B. Grünland auf Moorböden, zonale Nadelwälder)

Für die Bearbeitung wurden folgende Datengrundlagen verwendet
» Nutzungstypenkarte
» Biotopkartierung Bayern
» Arten- und Biotopschutzprogramm Bayern
» Artenschutzkartierung Bayern (ASK)
» Schutzgebietskarten
» Natura 2000-Gebiete (FFH und SPA)
» Naturwaldreservate
» Wiesenbrüterkartierung (Stand 2006 mit Aktualisierung 2015)
» Übersichtsbodenkarten im Maßstab 1:25.000
» Moorkarte Bayern
» Digitales Geländemodell (DGM 50)
» Unzerschnittene verkehrsarme Räume Bayerns (LfU 2006) einschließlich der zugrunde liegenden Straßentrassen
» Maßnahmenflächen nach dem bayerischen Naturschutzprogramm
» Karte der Potenziellen Natürlichen Vegetation Bayerns (LfU 2012)

Abbildung 2 zeigt die Zuordnung der verarbeiteten Einzelkriterien zu den 5 Wertstufen der aktuellen Lebensraumfunktion und deren Verarbeitungsreihenfolge in einem Entscheidungsbaum.

Karte der aktuellen Lebensraumfunktion
Abbildung 3 zeigt das Ergebnis der Bewertung im landesweiten Überblick.

Publikationen zum Forschungsbericht

» Bastian, O.; Schreiber, K.-F. (Hrsg., 1994): Analyse und ökologische Bewertung der Landschaft. – G. Fischer-Verlag Jena / Stuttgart, 1994; 2., neu bearbeitete Auflage 1999: Spektrum Akadem. Verlag Heidelberg, Berlin.
» Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg., 2006): Darstellung und Analyse der Landschaftszerschneidung in Bayern – Endbericht, Augsburg. http://www.lfu.bayern.de/natur/landschaftszerschneidung/unzerschnittene_raeume/doc/bericht_lz_bz_06.pdf
» Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg., 2007): Landschaftsentwicklungskonzept (LEK) Bayern – Methodikband – 5. Fortschreibung im Rahmen der Erarbeitung des LEK Region München (14), Augsburg.
» Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg., 2012): Potenzielle Natürliche Vegetation Bayerns, Augsburg.
» Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg., 2011): Fachbeitrag zum Landschaftsrahmenplan der Region Donau-Wald (12) – Landschaftsplanerisches Fachkonzept mit Fachbeitrag des Naturschutzes und der Landschaftspflege für den Regionalplan, Augsburg.

Projektleitung

Prof. Dr. Markus Reinke (Koordination)
T +49 8161 71-3776
markus.reinke [at]hswt.de Mail

Projektbearbeitung


Projektmitwirkung

Dipl.-Ing. (FH) Monika Brunnhuber

Projektdauer

01.11.2013 - 31.03.2016

Projektförderung