VegetWeb 2.0 - nationale Vegetationsdatenbank für Deutschland

Digitalisierung und „Big Data“ sind derzeit in aller Munde. Der Wissenschaft kommt dabei eine wichtige Vorreiter- und Vorbildfunktion zu, was die Nutzbarkeit von Daten für gesellschaftlich relevante Anliegen betrifft. Die HSWT leistet einen Beitrag im Bereich der Vegetationskunde.

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Abb. 1: Einblicke in das Webportal vegetweb; rechts: geographische Verteilung der Aufnahmen mit Gesamtstatistik.

Biodiversitätsinformatik

Seit 2002 widmet sich die Arbeitsgruppe Vegetationsdatenbanken unter Leitung von Prof. Jörg Ewald der Sicherung, Verfügbarmachung und Auswertung von Geländeaufnahmen, die seit gut 100 Jahren von Vegetationskundlerinnen und Vegetationskundlern erhoben wurden. Vegetationsaufnahmen sind wichtige Grundlagen für Standortkunde, Naturschutz und Umweltbeobachtung. Dieser Zweck wurde, mit Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz und der Floristisch-Soziologischen Arbeitsgemeinschaft, auf zwei Wegen verfolgt: Erstens wurden jährlich internationale Tagungen an deutschen Forschungseinrichtungen organisiert und zweitens wurde das Online-Repositorium vegetweb geschaffen und unter floraweb.de veröffentlicht.

Das Projekt VegetWeb 2.0 unterstützte die Arbeitsgruppe in zweifacher Hinsicht. Zum einen stellte es die Mittel für drei Tagungen zur Verfügung, die von der HSWT in Kooperation mit lokalen Gastgebern organisiert wurden:
» 2014 zum Thema „Renaturierung“ an der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz
» 2015 zum Thema „Inferenz ökologischer Prozesse“ an der Universität Oldenburg und
» 2016 zum Thema „Wiederholungsaufnahmen“ an der Universität Potsdam.

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Abb. 2: Die Insel Sassau im Walchensee ist eines der kleinsten Naturwaldreservate Bayerns; seit der Ausweisung 1978 fand hier keine Holznutzung mehr statt; die 2013 von Studierenden der HSWT erhobenen Vegetationsaufnahmen sind in vegetweb verfügbar.

Vegetationsdaten für alle

An den Universitäten Greifswald und Rostock wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Halle-Wittenberg und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) das neue Portal VegetWeb 2.0 entwickelt mit folgenden Neuerungen:
» Erhöhung der Aufnahmezahl auf 99.000
» erweiterte Statistik- und Suchfunktionen
» Rechteverwaltung und Warenkörbe (Abb. 1).

Vegetation in Waldschutzgebieten

An der HSWT wurden außerdem systematisch Vegetationsaufnahmen aus strengen Waldschutzgebieten (Naturwaldreservate, Kernzonen von Nationalparks und Biosphärenreservaten) in der Weihenstephaner Vegetationsdatenbank (WeiVegBase) gesammelt (Abb. 2). Zu Projektende konnten 6.156 solcher Aufnahmen aus Nordrhein-Westfalen (2858), Bayern (1379), Sachsen (1170), Thüringen (320) und Brandenburg (104) an VegetWeb übergeben werden. Dieser Datenbestand bietet neue Möglichkeiten, die Biodiversität von ungenutzten und genutzten Wäldern bundesweit zu vergleichen.