Evaluierung der Leistungen und des Verhaltens von neu gezüchteten Zweinutzungshühnern für eine tierschonende Eier- und Hähnchenfleischerzeugung

Die Henne und das Ei? Bekanntlich entsteht eine Legehenne aus einem Küken. Werden Legehennen erbrütet, schlüpfen automatisch auch die Brüder dazu. Allerdings besteht für diese Brüder keine Verwendungsmöglichkeit, daher werden sie meist direkt nach dem Schlupf getötet. Diese Vorgehensweise ist gesellschaftlich wenig akzeptiert.

Bild1
Tab. 1: Im LuV der HSWT geprüfte Zweinutzungslinien und konventionelle Genotypen

Ziel und Inhalt des Projekts

Für eine ökonomisch ausgerichtete Geflügelhaltung sind leistungsfähige Mast- und Legetiere erforderlich. Hierfür wurden seit den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts differenziert veranlagte Rassen in getrennten Zuchtlinien weiterentwickelt. Die antagonistisch veranlagten Merkmale ‚Muskelfleischansatz‘ und ‚Eiproduktion‘ konnten in speziellen Hybridlinien effizient und nachhaltig verbessert werden. Während in der Hähnchenmast beide Geschlechter genutzt werden, sind männliche Tiere der Legehennenzucht nicht für die Hähnchenmast geeignet. Diese auf Reproduktionsleistung gezüchteten Hähne der Legelinien eignen sich für eine effiziente Fleischerzeugung nicht, da die Zuwachsleistung, der Futterverbrauch und der Fleischanteil unzureichend sind (DAMME und RISTIC, 2003; KÖNIG et al., 2012). „Rette meinen Bruder“ lautet der Slogan einer deutschen Tierschutzinitiative, die eine Tötung der männlichen Küken der Legehennenzucht am ersten Lebenstag verhindern möchte. Stattdessen sollen diese Hahnenküken gemästet werden. Insbesondere für die ökologische Eiererzeugung soll eine Alternative für das Töten der männlichen Geschwisterküken gefunden werden.

In jüngster Zeit arbeiten die Geflügelzuchtunternehmen an einem so genannten Zweinutzungshuhn. Diese Allroundtiere sollen den Antagonismus zwischen den Merkmalen ‚Muskelfleischansatz‘ und ‚Eiproduktion‘ überwinden, so dass der Hahn zufrieden stellende Mastleistungen erzielt und die Henne genügend Eier legt. Erste Teilerfolge zeichnen sich ab, es fehlt jedoch eine vergleichende Prüfung der Kriterien Mastleistung und Schlachtkörperwert der Hähne sowie der Legeleistung und Eiqualität der Schwestern. Zudem liegt keine ökonomische Bewertung dieses Produktionsverfahrens vor. Die Vermeidung des Tötens gesunder Küken allein reicht nicht aus, dem Aspekt des Tierwohls zur Genüge zu entsprechen. Daher sind Kenntnisse zum Tierverhalten und der Tiergesundheit der neuen Zuchtlinien ebenfalls wichtig.

Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten fördert daher ein Kooperationsprojekt der HSWT und Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zur Evaluierung der Zweinutzungshühner. Im Rahmen der bayerischen Tierwohlinitiative sollen im vorliegenden Projekt neue Genotypen vergleichend geprüft werden. Im Lehr- und Versuchsbetrieb der HSWT (LuV-Standorte Zurnhausen und Viehhausen) sowie den Stallungen der LfL (Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum in Kitzingen) wurden verschiedene Zuchtlinien der Zweinutzungshühner mit bisher verwendeten Mast- bzw. Legehybriden verglichen. Die Haltung und Fütterung der Tiere erfolgte sowohl nach den Vorgaben des ökologischen Landbaus als auch unter konventionellen Bedingungen.

Bild3 Bild4
Tab. 2: Lebendgewicht (LS-Means) von Zweinutzungshähnen sowie langsam und schnell wachsenden Masthybriden
Tab. 3: Ausschlachtung und Brustfleischanteil (LS-Means) von Zweinutzungshähnen sowie langsam und schnell wachsenden Masthybriden

Erste Ergebnisse

In Kitzingen wurden die Herkünfte Lohmann Dual (LD), Walesby Specials (WS) sowie Dominant Red Barred D 459 (DRB) unter konventionellen Haltungsbedingungen geprüft. Die Auswertungen der in Kitzingen erhobenen Daten zeigen, dass jede Herkunft über Stärken und Schwächen verfügt. Bei den Zweinutzungshybriden konnten relativ gute Legeleistungen festgestellt werden. Die kleineren bzw. leichteren Walesby Special zeigten eine recht ordentliche Futterverwertung, die Herkunft Lohmann Dual konnte mit guten Ergebnissen in Wachstum und der Zerlegung der Hähne punkten. Das ruhige Verhalten der kompakten fleischigen Zweinutzungshenne führte dazu, dass Kannibalismus oder andere Verhaltensstörungen, wie beispielsweise Federpicken kaum auftraten. Diese Pluspunkte könnten dem Zweinutzungshuhn einen bestimmten Marktanteil in der ökologisch wirtschaftenden Geflügelproduktion sichern. Siehe auch http://www.lfl.bayern.de/lvfz/kitzingen/107553/index.php.

Im Lehr- und Versuchsbetrieb der HSWT wurden insgesamt sechs neu gezüchtete Genotypen im Vergleich zu den bisher verwendeten Hybriden unter ökologischen Haltungs- und Fütterungsbedingungen geprüft (Tab. 1).

Die Leistungsprüfung der Genotypen wurde kürzlich abgeschlossen und die Daten werden zur Zeit analysiert. Die ersten vorläufigen Ergebnisse der Mastleistung und des Schlachtkörperwertes liegen bereits vor und zeigen klare Differenzen. Die Hähne der Zweinutzungslinien erreichen das Zielgewicht von 2,3 kg zu einem deutlich späteren Zeitpunkt als die konventionellen Masthybriden. Insbesondere die Herkunft Ross 308 zeigt den Zuchterfolg in der spezialisierten Geflügelfleischerzeugung (Tab. 2).

Auch im Schlachtkörperwert unterscheiden sich die Allroundtiere eindeutig von den Spezialisten. Die Ausprägung der wertbestimmenden Brustmuskulatur differiert deutlich zugunsten der konventionellen Linien Ross 308, Hubbard JA 757 oder Rowan Ranger (Tab.3).

Eine Vorzüglichkeit der Zweinutzungshühner kann jedoch erst festgestellt werden, wenn auch die Legeleistung berücksichtigt wird. Aufgrund der bisher verrechneten Legeleistungsdaten der Tiere in Viehhausen ergibt sich in der jährlichen Legeleistung ein Vorteil von ca. 20% für die bereits etablierte Zuchtlinie LB Classic. Zweinutzungshühner sollten daher weiter intensiv züchterisch bearbeitet werden, um dann für spezielle Vermarktungswege zur Verfügung zu stehen.

Projektleitung

Prof. Dr. Eggert Schmidt (Koordination)
T +49 8161 71-5325
eggert.schmidt [at]hswt.de Mail

Projektdauer

01.01.2013 - 31.10.2015

Projektförderung