Klimarelevanz von Moorrenaturierungen in Bayern - Begleitforschungsprojekt zur Abschätzung des Klimaentlastungspotenzials durch Moor-Renaturierungsmaßnahmen in Bayern im Rahmen des Klip2020 – Phase 2

Trotz der Bedeutung der Moore für den Klimaschutz existieren bislang nur wenige Erfahrungen, wie Moor- und Klimaschutz systematisch miteinander verzahnt werden können. Ziel dieser Studie ist es zu untersuchen, ob und wie nationale Moorklimaschutzprojekte über den Kohlenstoffmarkt mittels eines Fondsmodells unterstützt werden können. Hierbei wird geprüft, inwieweit der freiwillige Markt für Emissionszertifikate genutzt werden kann.

Bild3
Struktur des Vorhabens

Modul 2: Erfassung

Die Anordnung der Messflächen bildet die natürliche Sukzessionsdynamik der Vegetation nach der Wiedervernässung des Torfstiches ab (s. Abb. 6).

Standortliste:
1: Schwimmender Sphagnenrasen (Sph. cuspidatum)
2: Eriophorum-Sphagnenbulte (Sph. magellanicum dominiert)
3: Torfmoosrasen mit wenig Eriophorum (Sph. magellanicum dominiert)
4: Feuchte Hochmoorheide (Calluna und Sph. rubellum/capillifolium)
5: Trockene Hochmoorheide (Calluna und Pleurozioum schreberi)

Mit dieser Standortauswahl kann auf kleinem Raum das Konzept Raum gegen Zeit auszutauschen sehr schön umgesetzt werden: Diesem Konzept liegen die Chronose-quenzen zu Grunde, d.h. dass Vegetationstypen die sich in verschiedenen Phasen der Sukzession befinden räumlich nebeneinander vorliegen und damit durch die Messung der räumlichen Variabilität die zeitliche Dynamik abgebildet werden kann. Die Durch-führung weiterer Vergleichsmessungen und die Ergänzung zusätzlicher Spurengasbi-lanzen noch nicht berücksichtigter Vegetationstypen haben besondere Bedeutung um die Methan-Emissions-Problematik, die einer zeitlichen Dynamik unterliegt, besser zu beurteilen.

Modul 3: Kopplung

Wie bereits in der Phase 1 tragen die Synergien mit anderen Projekten wie dem vTI (von Thünen-Institut) –Gesamtprojekt: „Klimaberichterstattung „organische Böden“- Ermittlung und Bereitstellung von Methoden, Aktivitätsdaten und Emissionsfaktoren für die Klimaberichterstattung“, dem zugeordneten vTI-Eddy-Projekt (Eddy- Kovarianz Messungen in Mooseurach und der Schechenfilze), oder auch dem BFN-Vorhaben „Beitrag ausgewählter Schutzgebiete zum Klimaschutz und ihre monetäre Bewertung“ (FKZ 3509850500; 2009-2010) zu äußerst erfolgversprechenden Bedingungen der Projektbearbeitung bei: Die aus dem BMBF-Vorhaben (Klimaschutz durch Moor-schutz) aus 130 site Jahren hervorgegangenen Spurengas-Bilanzen haben nach wie vor Bestand (s. Tab. 1), wobei bis Ende des Jahres neue und differenziertere Zahlen veröffentlicht werden können, da die Datenbasis durch das vTI-Projekt auf 270 site Jahre bundesweit angewachsen ist.

Modul 4: Modellierung

Die Modellierung in diesem Modul dient der zeitlichen und räumlichen Abbildung von Spurengasbilanzen.

Zeitliche Modellierung von Spurengasbilanzen

Hier werden aus den ermittelten Flussraten (μmol m-2 s-1) die Spurengasverläufe (g C bzw. mg N2O-N m-2 0.5h-1) modelliert und daraus die vegetations- und standort-spezifischen Spurengasbilanzen (g C bzw. mg N2O-N m-2 a-1) berechnet; dieses Ar-beitpaket wird von einem Doktorand durchgeführt.

Räumliche Modellierung von Spurengasbilanzen

Die Basis für die Modellierung ist die Anwendung der aus dem BMBF-Vorhaben gene-rierten bifaktoriellen Abhängigkeitskurve (DRÖSLER 2011 et al.): Das PEP-Modell (Peatland Emissions Predictor).

Modul 5: Aufbereitung und Auswertung der Daten der Moorrenaturierungs-Umfrage in Bayern und Modul 7 - Implementierung der Moordatenbank für eine spätere Darstellung in FIS-Natur

3.5.1 Auftrag
Die HSWT wurde beauftragt, zunächst alle Informationen zu bereits durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen, die bei einer Fragebogenaktion des Thünen-Institutes (TI) festgestellt wurden, von den jeweiligen Projektbearbeiter einzuholen. Dabei han-delt es sich im Wesentlichen um Informationen zu etwaig durchgeführten Höhenver-messungen, hydrologische Messungen, Daten zu Bodeneigenschaften und Vegeta-tionsuntersuchungen. Des Weiteren sollen fehlende Lageinformationen ergänzt wer-den und Shape-Dateien der einzelnen Projekte mit der bestehenden Access-Datenbank verknüpft werden.
Nach Beendigung der Daten-Akquise soll die HSWT zunächst die Ansprüche an eine Moorrenaturierungs-Datenbank (-Kataster) definieren um anschließend eine geeignete Struktur zu erarbeiten, die diesen Ansprüchen gerecht wird.

3.5.2 Ergebnis
3.5.2.1 Daten-Akquise
Die Daten-Akquise wurde abgeschlossen. Alle Kontaktpersonen wurden mehrmals aufgefordert, die als vorhandenen angegebenen Daten der HSWT zu übermitteln. Zwar konnten nicht alle Daten erfasst werden, da das häufig nur mit erheblichem zeit-lichen und personellen Aufwand bei den Institutionen möglich gewesen wäre. Jedoch konnten vor allem für Oberbayern, in dem ein Großteil der Maßnahmen durchgeführt wurde, zahlreiche Informationen eingeholt werden. Des Weiteren ist mit zusätzlichen Datenpaketen aufgrund verbindlicher Zusagen zu rechnen.

3.5.2.2 Daten-Aufbereitung
Wie in Abb. 10 zu sehen ist, wurden die Informationen aus der Access-Datenbank mit Geo-Informationen verknüpft. Die zusätzlich akquirierten Daten der TI-Befragung kön-nen an dieser Stelle noch nicht mit einbezogen werden, da hierfür zunächst ein ein-heitliches Datenbankkonzept zu erarbeiten ist.

Zusammenfassung

Im Projekt-Jahr 2012 konnte die Begleitforschung erfolgreich weitergeführt werden.
In den Modulen sind kurz zusammengefasst folgende Ergebnisse erreicht worden:

Modul 1: Beratung

Kontinuierliche Beratung des LfU und des Umweltministeriums; Wahrnehmung einer Vielzahl von Terminen zur Abstimmung im Projektrahmen, sowie zur fachlichen Unterstüzung der Fortsetzung des Programms.

Modul 2: Erfassung

Die Wiedervernässungsflächen in der Schechenfilze konnten erfolgreich weitergemessen werden. Laufzeit mindestens bis April 2014. Die Genehmigung der Nutzung des Gebietes ist seitens der Regierung von OBB. bis Ende 2017 erteilt. Eine Erweiterung der Messung von noch nicht repräsentierten Typen steht an und sollte noch in 2013 diskutiert werden.

Modul 3: Kopplung

Neue Erkenntnisse dem TI-Projekt „organische Böden“ sind in die Validierung der Vorge-hensweisen zur Klimaentlastungsrechnung eingegangen: Erweiterung der Erkenntnisse um Moorwälder, Anmoorböden und hinsichtlich der Einschätzung der Grünländer, die bei tiefer Entwässerung ähnlich schlecht weggkommen wie Äcker.

Modul 4: Modellierung

Die zeitliche Modellierung der Spurengasflüsse konnte in der Schechenfilze bisher bereits zu ersten Bilanzen durchgeführt werden.

Modul 5: Füllung der Moordatenbank

Eine kontinuierliche Sammlung der Informationen zu Morrenaturieungsprojekten wurde durchgeführt. Eine erste Struktur für eine Moordatenbank wurde entwickelt. Die abschlie-ßende Strukturdiskussion steht aber noch aus (bis Ende 2013).

Modul 6: Erfolgskontrolle

Die durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen wurden auf der Basis der Datenlieferungen der Regierungen hinsichtlich ihrer Klimawirksamkeit mittels des PEP-Modells evaluiert.
Ergebnis ist, dass bisher (seit 2008) insgesamt mehr als 1.300 ha umgesetzt wurden und damit eine Einsparung von jährlich mindestens 17.465 t CO2-Äquiv. erreicht wurde.

Modul 7: Implementierung

Die Implementierung der Moordatenbank in z.B. BIS konnte noch nicht abgeschlossen wer-den. Dies ist aufgrund der wichtigen Abstimmungen und strukturellen Konsequenzen Ge-genstand weiterer Schritte in der laufenden Phase III. Es ist geplant, diesen Schritt bis Ende 2013 abgeschlossen zu haben.

Modul 8: Umsetzung bayr. Zertifizierungsstandard

Für die Zertifizierung der Einsparungsleistungen für den freiwilligen Markt ist eine Struktur des Ablaufs für Bayern entwickelt worden. Ebenso wird als Berechnungsmethodik entspre-chend der Erfolgskontrolle (Modul6) das PEP-Modell (bzw. dessen Weiterentwicklungen) eingesetzt. Eine ausführliche Kriterienliste für die Integration in den Zertifizierugnsprozess wurde vorgelegt. Ein Namensvorschlag „Moorbenefits“ für das Gesamtpaket ist unterbreitet worden. Der strukturelle Rahmen ist allerdings noch nicht endgültig entschieden. Hier wir eine Postionierung der zuständigen Stellen erwartet.

Projektleitung

Prof. Dr. Matthias Drösler (Koordination)
T +49 8161-86262-70
matthias.droesler [at]hswt.de Mail

Projektbearbeitung

Projektdauer

01.04.2012 - 31.03.2013

Projektförderung