Schlüsselstruktur Schwarzspechthöhle: Wie beinflussen forstliche Parameter Konkurrenz und Prädation?

Im Jahr 2013 wurde zum ersten Mal die europäische Waldkonvention ratifiziert. Damit wurde anerkannt, dass Wälder nicht nur lokale oder regionale Wirtschaftsobjekte sind, sondern supranationale Bedeutung haben, sowohl für das Klima als auch für die Biodiversität. Deutschland ist ein Waldland mit besonderer Verantwortung für die temperaten Laubwälder. Gerade die Buchenwaldgesellschaften haben in der Bundesrepublik ihren globalen Verbreitungsschwerpunkt (Walentowski et al. 2004). Der Schwarzspecht schafft als einzige Art Großhöhlen in diesen temperaten Wäldern Mitteleuropas. Zu 90 % wählt er dabei die Buche als Höhlenbaum. Diese Strukturen haben eine zentrale Bedeutung als Brut- und Schlafplätze sowie als Überwinterungsquartiere und Nahrungsdepots für rund 30 waldtypische Tierarten von Hautflüglern über Kleineulen bis hin zu Fledermäusen (z. B. Meyer & Meyer 1999, Gorman 2011). Schwarzspechthöhlen haben damit eine ähnliche Bedeutung für die Waldbiodiversität wie Korallenriffe für die marine Artenvielfalt. Obwohl Schwarzspecht-Höhlenbäume äußerst langlebige Kleinstrukturen sind, (Meyer & Meyer 1999, Zahner et al. 2012), ist ihre Dichte mit 0,3 - 0,5 Höhlen pro Quadratkilometer auf der Landschaftsebene gering. Entsprechend stark ist die Konkurrenz um diese Höhlen als Minimumstruktur.

Die Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie hängt im Teilbereich Wald ganz zentral davon ab, ob es gelingt im Rahmen der forstlichen Landnutzung solche Mikrostrukturen nicht nur zu erhalten sondern sie in das forstliche Flächenmanagement gezielt einzubeziehen. Schwarzspechthöhlen entstehen langfristig, über eine lnitialhöhle, das Eindringen von Pilzen in den Splint und den Ausbau nach einigen Jahren (Zahner et al. 2012). Je nachdem wie stark der Nutzungsdruck ist, benötigen die Schwarzspechte mehr Initialhöhlen und Reservebäume. Dies kann wieder unmittelbar Einfluss auf die Konkurrenz und Prädation in diesen Höhlen haben. Sind Beutegreifer beispielsweise in der Lage, die Höhlen regelmäßig ab zu patrouillieren? Ist daher die Überlebensrate in jungen Höhlen höher als in alten? ln Skandinavien ist in neuen Höhlen auf Grund der Prädation die Verlustrate erheblich geringer, als in alten und damit bekannten Höhlen, wo sie bei 71 % liegt (Rolstad et al. 2000).

Dabei können forstliche Randbedingungen, so die Hypothese, erheblichen Einfluss auf die Überlebensraten haben. Wo in der Bestandestiefe gearbeitet wird, sind Höhlenbäume weniger auffällig, und damit die vermutete Prädationsrate geringer als in Kahlschlags- oder Saumverfahren, wo nur wenige Bäume pro Hektar verbleiben. Weiter stellt sich die Frage, welche Waldstrukturen von welchen Höhlenbewohnern genutzt und welche gemieden werden. Die Hypothese steht im Raum, dass Schwarzspechte ihre Höhle ab einer bestimmten Höhe des Unter- und Zwischenstandes aufgeben. Trifft dies zu, könnten alte Höhlenzentren solange mit einer Lichtsteuerung tauglich gehalten werden, bis im Umkreis von einem Quadratkilometer wieder taugliche Strukturen in Buchenaltbeständen entstanden sind. Bei Hohltauben geht man davon aus, dass sie zu lichte Strukturen wegen des Habichts meiden. Über eine entsprechende Stichprobenzahl und mit Hilfe einer Diskriminanzanalyse lassen sich hierzu Aussagen treffen.

Wie hoch die Höhle am Stamm liegt, kann in Zusammenhang mit dem BHD ein weiterer möglicher Faktor sein, um Präferenzen und Brutverluste zu erklären. Je höher die Höhle am Stamm liegt, umso schwerer ist sie erkennbar und umso mehr Zeit bleibt um die Brut zu verteidigen. Hier spielt auch die Waldpflege eine vermutete Rolle. Je länger die astfreien Schäfte sind, umso geringer könnten die Verluste sein. Je dicker der Stamm an der Höhle ist, umso unwahrscheinlicher bricht der Stamm an diesem Punkt.

Auch sollte getestet werden, ob es ein Unterschied in der Prädationsrate in genutzten und ungenutzten Wäldern gibt. Mögliche Rückschlüsse können auch in der Habitateignung der Höhlenkomplexe in Mischbeständen und in den Überlebensraten der Leitarten liegen. Je kürzer die Fütterungsintervalle sind, umso besser ist das Nahrungshabitat und umso schneller wachsen die Jungvögel, so die Hypothese. Die Untersuchung wurde in Buchen- und Mischwaldgebieten Bayerns durchgeführt (Ebrach und Kelheim).

Projektleitung

Prof. Dr. Volker Zahner (Koordination)
T +49 8161 71-5910
volker.zahner [at]hswt.de Mail

Projektmitwirkung extern

Projektdauer

01.03.2013 - 31.12.2013