Aufbau eines webbasierten Pflanzenschutz Informations- und Beratungssystems für das Beratungspersonal im Gartencenter (PsIGa)

Abstract
PsIGa ist ein webbasiertes Pflanzenschutz Informations- und Beratungssystem für das Beratungspersonal im Gartencenter, das zusammen mit 24 Gartencentern entwickelt worden ist. Es bietet – integriert in eine intuitiv nutzbare Diagnose-Datenbank – Informationen zu über 400 Schaderregern aus dem Haus- und Kleingarten, unterstützt von über 1200 Abbildungen. Eine integrierte, monatlich aktualisierte Tabelle von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln für die nicht-berufliche Anwendung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zeigt mögliche Bekämpfungsmaßnahmen. Ergänzt wird diese Liste durch eine Reihe von Filter-, Auswahl- und Sortiermöglichkeiten. Das beratende Personal hat die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zur Bekämpfung von Schaderregern ins System einzutragen. Diese können optional allen angemeldeten Nutzern von PsIGa angezeigt werden. Alle Beratungsfälle fließen in eine Statistik ein, die über einen auswählbaren Zeitraum oder eine Region einen Überblick liefern. Ungeklärte Beratungsfälle können als Serviceleistung an das Pflanzenschutzlabor des Institurs für Gartenbau der HSWT zur Untersuchung geschickt werden. Für das von der BLE geförderte Projekt wird nach Projektende 2017 die Überführung in eine Genossenschaft angestrebt.


Im Haus- und Kleingarten werden sowohl Nutz- als auch Zierpflanzen in einer breiten Artenfülle kultiviert, die von zahlreichen Krankheiten und Schädlingen befallen werden können. Die Beratung im Gartencenter zu auftretenden Schadsymptomen, deren Diagnose und den Maßnahmen zur Bekämpfung der Ursachen erfolgt bisher überwiegend unter Zuhilfenahme von einigen gängigen, bebilderten Diagnosebüchern oder Beratungsunterlagen aus der Industrie. Probleme für ein sowohl aus Sicht des Kunden als auch des Personals zufriedenstellendes Beratungsergebnis ergeben sich aufgrund der großen Artenvielfalt und einer unterschiedlichen Symptomatik unter den Schaderregern, der komplexen Zusammenhänge in der Zulassungssituation der erlaubten Pflanzenschutzmittel und einer unterschiedlichen fachlichen Vorbildung des Personals an der Pflanzenschutztheke.

Zur Unterstützung des Personals im Gartencenter wurde im Rahmen eines vom BLE geförderten Projektes über den Zeitraum von drei Jahren ein online abrufbares, umfangreiches Beratungssystem mit Namen PsIGa (Pflanzenschutz Informations- und Beratungssystem für Gartencenter) entwickelt. Die Entwicklung von PsIGa erfolgte in enger Kooperation mit den am Projekt beteiligten 24 Gartencentern. Hierdurch konnte das System frühzeitig auf seine Praxistauglichkeit geprüft und auf die Bedürfnisse des Personals zielgruppengerecht angepasst werden.

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Abb. 1: Screenshot aus PsIGa zur Kulturauswahl Buchsbaum

Zentrales Herzstück von PsIGa ist eine Diagnosedatenbank mit beratungsgerechten Texten zu rund 400 Schaderregern und 1200 aussagekräftigen Bildern. Der Zugang zu PsIGa erfolgt online über eine eigene Webseite (www.psiga.de) unter Nutzung von einem Passwort, das für jedes Gartencenter gesondert vergeben wird, da die Nutzung von PsIGa im Wesentlichen personalisiert erfolgt.

Die EDV-technische Umsetzung von PsIGa erfolgt auf der Basis von einem Content Management System (CMS), wobei die Entscheidung nach Prüfung unterschiedlicher Anbieter auf das Open Source System Contao fiel. Ergänzt wird die Programmierung durch umfangreiche Datenbank-Anwendungen auf der Basis von PHP/MySQL.

In Abhängigkeit von der Beratungssituation erfolgt der Weg zur Diagnose innerhalb von PsIGa über die jeweilige Kultur, den ­Symp­tomort oder die Schadursache, die in einem zweiten Schritt auch miteinander kombiniert werden können. So erhält man beispielsweise über die Auswahl einer konkreten Kultur (z. B. Buchsbaum) oder Kulturgruppe eine bebilderte Auswahlliste, getrennt nach kulturspezifischen (Buchsbaumzünsler, Buchsbaumrost, Buchsbaumgallmücke) und nicht kulturspezifischen Schaderregern (z. B. Kommaschildlaus, Verticillium-Welke). Die Auswahl lässt sich über die beiden anderen Auswahlkriterien (Schadursache, Symptomort) weiter eingrenzen, so könnte beispielsweise die Auswahl auf Pilze als Schadursache eingegrenzt werden. Alle angezeigten Bilder der Auswahlliste können vergrößert angesehen und durchgeblättert werden. Über eine Bestätigung verlässt man den diagnostischen Bereich und wechselt in die zweite Ebene der Datenbank, die sich auf den ausgewählten Schaderreger fokussiert. Wie in einem Merkblatt finden sich hier weitere Bilder sowie Angaben zum Schaderreger, u. a. zur Biologie und Symptomatik als auch zur Vorbeugung und Bekämpfung. Auf allen Schad­erreger-Seiten besteht die Möglichkeit, die Textinformation als pdf-Datei zu öffnen und für den Kunden auszudrucken. Über die Auswahl der Bekämpfung erreicht man die dritte Ebene der Datenbank, die sich ausschließlich der nutzerfreundlichen Darstellung der monatsaktuell vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel (BVL) gegen den ausgewählten Schaderreger im Haus- und Kleingarten zugelassenen Pflanzenschutzmittel widmet.

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Abb. 2: Beispiel für eine in PsIGa enthaltene Pilzkrankheit: Schadbild zum Buchsbaumsterben
Abb. 3: Beispiel für einen in PsIGa enthaltenen Schädling: Imago einer Rhododendronzikade

Anhand einer Reihe von Filter-, Auswahl- und Sortiermöglichkeiten (u. a. zu Bienengefährdung, Gefahrenpiktogramme, Wartezeit) kann das Personal sich rasch einen gezielten Überblick über die für den individuellen Beratungsfall geeigneten Produkte verschaffen. Die Darstellung lässt sich zusätzlich eingrenzen auf die im eigenen Gartencenter verfügbaren Pflanzenschutzmittel, da diese optional individuell für jedes Gartencenter in das System gesondert eingepflegt werden können.

Über eine erweiterte Suchfunktion kann innerhalb der Texte in PsIGa auch begrenzt auf einzelne Unterpunkte gesucht werden. Zudem wurde auch eine A-Z Liste eingefügt, die die deutschen und lateinischen Namen der aufgenommenen Schaderreger getrennt aufführt, sodass auch auf diesem Weg ein direkter Zugang zur Schaderregerseite möglich ist.

Um die Erfahrungen vom Gartencenterpersonal zu bündeln und allen Nutzern verfügbar zu machen, wurde bei jedem Schaderreger die zusätzliche Rubrik „Eigene Erfahrungen aus der Beratung“ geschaffen. In diesem Feld können die Berater kurze, eigene Freitexte zu den Schaderregern verfassen. Es ist einstellbar, ob die Einträge nur im eigenen Gartencenter sichtbar oder von allen ­PsIGa-Anwendern eingesehen werden können.

Als weiteres Zusatzmodul wurde eine Statistikfunktion geschaffen. Diese liefert im Ergebnis eine Übersichtstabelle, in der die Diagnosen der letzten Wochen einsehbar sind. Auch ein zeitlicher Rückblick ist möglich, beispielsweise über die Top10 der diagnostizierten Schaderreger innerhalb eines frei wählbaren Zeitraumes, begrenzt nach Bundesländern entsprechend der dort beteiligten Gartencenter. Die Einträge zur Diagnose für die Statistikfunktion erfolgen auf der Seite der jeweiligen Schaderreger.

Auf der Startseite von PsIGa sind zwei monatsaktuelle Mitteilungen zu Schaderregern integriert, sodass der Nutzer unmittelbar nach dem Einloggen auf wichtige Themen im laufenden Monat hingewiesen wird. Die jeweiligen Schaderreger sind direkt verlinkt und können damit als Einzelseite aufgerufen werden.

Bei Unklarheiten in der Diagnose kann das Personal Pflanzen-Proben zur Untersuchung an das Institut für Gartenbau der HSWT senden. Der Berater wird über das Ergebnis der Diagnose informiert, dieser informiert wiederum den Kunden und bespricht mit ihm das weitere Vorgehen. Der Informationsfluss und die Abwicklung der Probeneinsendung erfolgt mittels einer im System integrierten Falldatenbank. In diese können im Sinne einer Web 2.0-Anwendung auch die Erfahrungen der Hobbygärtner einfließen, diese können ihr Feedback zur Beratung und zum Bekämpfungserfolg hier eintragen. Über einen längeren Zeitraum lassen sich aussagekräftige Rückschlüsse auf erfolgreiche Bekämpfungsstrategien im Hobbygartenbau ziehen.

Kurze integrierte Videos à 4 – 5 Minuten zu wichtigen Inhalten (z. B. Schaderreger-Recherche, Auswahl der Pflanzenschutzmittel, weitere Suchmöglichkeiten) erleichtern den Gartencenter-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Einarbeitung und Anwendung von PsIGa.

Die Überführung von PsIGa in eine neu zu gründende Genossenschaft wird angestrebt (PsIGa-Pflanzenschutzberatung eG). Auf diesem Weg bietet sich eine gemeinschaftliche Möglichkeit zum Erhalt und Weiterentwicklung des Beratungssystems im Sinne einer zeitnahen, sicheren, effizienten und aktuellen Pflanzenschutzberatung im Gartencenter.

Publikationen

Goisser, S.; Jorias, G.; Lohrer, T.; Sieweke, C.; Wolf, M.; Hannus, T.; Ohmayer, G. (2015): PsIGa: Ein Online-Beratungssystem zum Pflanzenschutz für Gartencenter. DGG-Proceedings 5 (14), S. 1-5. DOI: 10.5288/dgg-pr-05-14-sg-2015

Goisser, S.; Jorias, G.; Lohrer, T.; Sieweke, C.; Wolf, M.; Hannus, T.; Ohmayer, G. (2015): PsIGa: Ein Online-Beratungssystem zum Pflanzenschutz für Gartencenter. Tagung der Deutschen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft. BHGL Schriftenreihe 31, S.139.

Goisser, S.; Jorias, G.; Lohrer, T.; Sieweke, C.; Wolf, M.; Hannus, T.; Ohmayer, G. (2015): PsIGa: Ein Online-Beratungssystem zum Pflanzenschutz für Gartencenter. 50. Gartenbauwissenschaftliche Jahrestagung, Freising, 24.-28.02.2015.

Lohrer, T.; Hannus, T.; Jorias, G.; Ohmayer, G.; Wolf, M. (2014): PsIGa: Ein webbasiertes Pflanzenschutz Informations- und Beratungssystem. ALVA-Tagungsbericht "Angewandte Forschung - gibt es neue Wege", 19.-20. Mai 2014, Wieselburg-Land, S. 302-304.