Relevanz, Ausgestaltung und Praxistest einer Verbraucherkennzeichnung für Biokunststoffe

Der Markt für Biokunststoffe ist innerhalb der letzten Jahre rasant angewachsen. Eine Vielzahl von Anwendungen bzw. Produkten aus Biokunststoffen finden sich mittlerweile im täglichen Leben wieder. Viele Konsumenten wissen jedoch bisher nicht, dass es biobasiertes Plastik gibt beziehungsweise sie erkennen es beim Einkauf nicht als solches. Biokunststoffe können mit bloßem Auge nicht von Erdöl-basierten Kunststoffen unterschieden werden: Sie haben die gleichen Farben, Eigenschaften, Anwendungsbereiche und fühlen sich gleich an. Ein wichtiger Aspekt hierfür ist sicherlich die teilweise fehlende oder uneinheitliche Kennzeichnung von Biokunststoffen.

Bild1
Abb.: Siegel des Zertifizierers DIN CERTCO für biobasierte Kunststoffprodukte

Untersuchungsgegenstand

In diesem Projekt wurde deshalb untersucht, wie wichtig ein Siegel zur Kennzeichnung von Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen im Vergleich zu anderen Produktattributen ist. Weiterhin, ob ein eigenes Biokunststoff-Label ein Verkaufsargument für Verbraucher darstellt, wie das Label ausgestaltet werden müsste und wie sich das Label auf das tatsächliche Kaufverhalten von Konsumenten auswirkt.

Durchführung

In einer Online-Umfrage befragte sie dafür 1.191 Personen, die verantwortlich für den Haushaltseinkauf sind. Als biobasierte Untersuchungsobjekte kamen dafür Einkaufstüten (n = 591) und Einweg-Trinkbecher (n = 600) zum Einsatz.

Die Daten wurden mit Hilfe einer Choice-Based Conjoint Analyse erhoben. Die Conjoint-Analyse ist ein Verfahren zur Messung von Präferenzen, Kaufabsichten und Einstellungen von Verbrauchern zu Produkten, Dienstleistungen oder anderen multiattributiven Konzepten. Das Ziel der Conjoint-Analyse besteht darin, über die Erhebung von Konsumentenpräferenzen Teilnutzenwerte für einzelne Eigenschaftsausprägungen eines Produkts zu ermitteln, also welche Eigenschaft in welcher Ausprägung dem Konsumenten welchen Nutzen stiftet. Dazu werden den Probanden mehrere Kombinationen von Produkteigenschaften und deren Ausprägungen gleichzeitig gezeigt. Aus diesen sollen die Teilnehmer diejenige Alternative wählen, die sie am meisten präferieren. In der Regel muss der Proband mehrere solcher Wahlentscheidungen nacheinander durchführen. Da die zu beurteilenden Produktalternativen zumeist über Merkmale mit erwünschten und weniger geschätzten Ausprägungen verfügen, sind die Befragten gezwungen, die Bedeutung der verschiedenen Eigenschaften relativ zueinander abzuwägen.

Ergebnisse

Bei der durchgeführten Studie zeigte sich, dass bei beiden Untersuchungsobjekten die Rohstoffbasis als wichtigste Eigenschaft wahrgenommen wird, gefolgt vom Preis, vom Anteil der nachwachsenden Rohstoffe und vom Siegel. Bei der Rohstoffbasis präferieren die Teilnehmer besonders in Deutschland produzierte Rohstoffe, wohingegen sie überseeische wie Zuckerrohr aus Brasilien oder gentechnisch veränderten Mais aus USA ablehnen. Beim Preis als zweiwichtigste Eigenschaft schneiden erwartungsgemäß niedrigere Preise besser ab. In Bezug auf den Anteil der nachwachsenden Rohstoffe bevorzugen die Probanden höhere Anteile und lehnen niedrigere Anteile eher ab.

Obwohl ein Siegel von den Befragten am unwichtigsten beurteilt wurde und es damit bei der Kaufentscheidung scheinbar eine untergeordnete Rolle spielt, gaben dennoch 58,6 % an, dass ein Siegel zur Kennzeichnung von Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen ihnen bei der Kaufentscheidung helfen könnte. 51,7 % hätten großes Vertrauen in ein Siegel, welches Biomasse-basierte Kunststoffe kennzeichnen würde (beides „stimme eher zu“ und „stimme voll und ganz zu“ auf einer 5er Likert-Skala). In Deutschland bietet der Zertifizierer DIN CERTCO vom TÜV Rheinland seit 2010 ein Gütesiegel an, das den Anteil des pflanzlichen Kohlenstoffs in biobasierten Kunststoffprodukten stufenweise anzeigt. Das Problem: 78,1 % der Studienteilnehmer kannten dieses Siegel nicht. 19 % waren sich unsicher und lediglich 2,9 % hatten es schon einmal gesehen.

Des Weiteren hielten 77,4 % der Befragten das Thema Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen für „eher wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“. Ob sie jedoch im letzten Jahr biobasierte Kunststoffprodukte gekauft haben, wussten lediglich 15,9 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. 17,5 % hatten keine derartigen Artikel gekauft und die Mehrheit von 66,7 % wusste es nicht. Ein entsprechendes Siegel könnte demnach eine Möglichkeit sein, um die Käufer direkt am Point of Sale über die Existenz von Biomasse-basierten Kunststoffen zu informieren.

Projektleitung

Prof. Dr. Klaus Menrad (Koordination)
T +49 9421 187-200
klaus.menrad [at]hswt.de Mail

Projektbearbeitung

Dr. Stefanie Rumm

Dr. Marina Zapilko

Projektdauer

01.12.2011 - 31.08.2015

Projektförderung