Untersuchungen zur Prädation von Schwarzspechthöhlen

Schwarzspechte schaffen als einzige Wirbeltierart Großhöhlen in temperaten Wäldern Mittel- und Nordeuropas. Diese Strukturen haben eine zentrale Bedeutung als Brut- und Schlafplätze sowie als Überwinterungsquartiere für rund 30 waldtypische Tierarten vom Hautflügler bis hin zu Fledermäusen (z.B. Meyer & Meyer 1999), darunter auch für den aktuellen Vogel der Jahres - die Dohle. Da Schwarzspecht-Höhlenbäume äußerst langlebige Kleinstrukturen sind, die mehrere Dekaden lang genutzt werden (Meyer & Meyer 1999, Zahner & Wimmer 2010), können Beutegreifer deren Lage erlernen, und die Höhlen regelmäßig abpatrouillieren.

Dabei können forstliche Randbedingungen, so die Hypothese, erheblichen Einfluss auf die Überlebensraten haben. In Bayern, wo in der Bestandestiefe gearbeitet wird, sind Höhlenbäume nicht exponiert, damit ist die vermutete Prädationsrate geringer als in Skandinavien, wo nur wenige Bäume pro Hektar verbleiben, die entsprechend augenfällig sind.

Die Vorstellung ist, dass diese markanten Bäume stärker zur Nahrungssuche genutzt werden als in Mitteleuropa. Wie hoch die Höhle am Stamm liegt, kann in Zusammenhang mit dem BHD ein weiterer möglicher Faktor sein, um Brutverluste zu erklären. Je höher die Höhle am Stamm liegt, umso schwerer ist sie erkennbar und umso mehr Zeit bleibt um die Brut zu verteidigen. Hier spielt auch die Waldpflege eine vermutete Rolle. Je länger die astfreien Schäfte sind, umso geringer könnten die Verluste sein. Auch soll getestet werden, ob es ein Unterschied in der Prädationsrate in genutzten und ungenutzten Wäldern gibt. Mögliche Rückschlüsse können auch in der Habitateignung der Höhlenkomplexe in Mischbeständen und in den Überlebensraten der Leitarten liegen. Je kürzer die Fütterungsintervalle sind, umso besser ist das Nahrungshabitat und umso schneller wachsen die Jungvögel, so die Hypothese. Damit können Buchenhöhlenbäume in Vernetzung mit Nadelholz z.B. günstigere Habitate darstellen (Erhaltungszustand), als in reinen Laubholzkomplexen.

Die Untersuchung soll in Buchen- und Mischwaldgebieten Bayerns durchgeführt werden (z.B. Freising, Coburg, Kelheim) und als eine Art Vorstudie dienen und zeigen, ob sich die Hypothesen entsprechend belegen lassen. Falls dies der Fall ist, müsste der Stichprobenumfang entsprechend erhöht werden.

Projektleitung

Prof. Dr. Volker Zahner (Koordination)
T +49 8161 71-5910
volker.zahner [at]hswt.de Mail

Projektmitwirkung extern

Projektdauer

01.05.2012 - 31.10.2012

Projektförderung