SicAlp -Standortsicherung im Kalkalpin (INTERREG-Projekt)

Im Projekt "Standortsicherung im Kalkalpin (SicAlp)", das von der EU (Interreg), den Forstverwaltungen Bayerns, Oberösterreich, Salzburg und Tirol, dem österreichischen Lebensministerium und den österreichischen Bundesforsten gefördert wurde, haben die drei Projektpartner, die Technische Universität München, die Universität für Bodenkultur Wien und die Hochschule Weihenstephan Triesdort Grundlagen für eine adaptive Behandlung kalkalpiner Wälder in Bayern, Tirol, Salzburg und Oberösterreich erarbeitet. Dabei wurden einerseits Anpassungsstrategien im Hinblick auf den Klimawandel untersucht und andererseits Maßnahmen entwickelt, wie nach Katastrophenereignissen (Windwurf, Borkenkäfer) die Schutzfunktionen der Bergwälder gesichert werden können. Die Außenarbeiten wurden in den Jahren 2010-2012 durchgeführt und umfassten Altbestände, Katastrophenflächen und den Erfolg der Wiederbewaldung in Abhängigkeit von Baumart, forstlichen Maßnahmen und Standort. Demonstrationspflanzungen, die frühzeitige Einbeziehung von Entscheidungsträgern in den Projektbeirat und Veranstaltungen mit Waldbesitzern dienen neben Veröffentlichungen dazu, die Ergebnisse in die Praxis einfließen zu lassen. Weitere Informationen zum Gesamtprojekt unter http://www.waern.wzw.tum.de/index.php?id=41.

Teilprojekt der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Das Teilprojekt der HSWT beschäftigte sich unter Leitung von Prof. Dr. A. Rothe mit der "Zuwachsreaktion kalkalpiner Bergwälder auf Klimaänderungen"

Kurzfassung der Ergebnisse:
Die Radialzuwächse aller untersuchten Bäume sind gering und es ist kein Zusammenhang zwischen Höhenlage und Jahrringbreite erkennbar. Dies bedeutet, dass andere Einflussfaktoren, insbesondere die Ernährungssituation, auf den untersuchten Standorten eine wichtige Rolle im Bezug auf Vitalität und Wuchsleistung der Wälder spielen dürften. Maßnahmen zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, wie z.B. Belassen von Biomasse im Wald, sind hier von zentraler Bedeutung.
Die untersuchten Baumarten des Bergmischwaldes sind dennoch vital und können Klimaextreme, wie sie bisher aufgetreten sind, gut abpuffern. In Höhenlagen ab ca. 1200 m dürften die Baumarten von einem Temperaturanstieg sogar profitieren. Dies bedeutet, dass – sofern sich die Klimaänderungen im Rahmen der Prognosen bewegen – auch in Zukunft mit den bisherigen Baumarten des Bergmischwaldes weitergearbeitet werden kann. Dennoch bleibt die Gefahr von katastrophalen Sturm- oder Insektenereignissen, insbesondere in Fichtenwäldern. Wichtig sind deshalb eine rechtzeitige Vorausverjüngung und eine intensive Borkenkäferüberwachung/-bekämpfung.
Fichte zeigt von den untersuchten Baumarten in den unteren Höhenlagen die stärksten Reaktionen auf Trockenheit. Im Zuge einer Risikovorsorge sollten hier deshalb verstärkt andere Baumarten beteiligt werden. Tanne ist auf den von uns untersuchten Standorten sehr vital und zeigt keinerlei Reaktionen auf Extremjahre. Eine verstärkte Beteiligung der Tanne ist deshalb auch aus Gründen der Stabilität der Bergwälder im Hinblick auf den Klimawandel zu empfehlen. Die fehlende Reaktion auf die Temperaturerhöhung seit 1990 deutet darauf hin, dass sich Veränderungen im Bergwald sehr langsam vollziehen werden, d.h. es besteht genügend Zeit um Mischbaumarten einzubringen. Wie bei vorhergehenden Untersuchungen war die Variabilität der Reaktion auf Trockenjahre innerhalb einzelner Bestände relativ groß. Hierin besteht ein mögliches Anpassungspotenzial durch genetische Selektion im Wege einer Naturverjüngung.

Veröffentlichungen

Hartl-Meier, C., Zang Ch., Dittmar D., Jan Esper J., Göttlein A., Rothe, A. 2014 Vulnerability of Norway spruce to climate change in mountain forests of the European Alps, Climate Research, in press
Hartl-Meier, C., Zang Ch., Dittmar D., Rothe, A. 2014 Mountain forest growth response to climate change in the Northern Limestone Alps, Trees, in press
Hartl-Meier, Rothe, A. 2014 Zuwachsreaktionen des Bergwaldes auf Klimaänderungen. LWF aktuell 99, 44-46
Rothe, A., Hartl-Meier 2014 2014 Jahrringuntersuchungen an Bergahorn in Wäldern der Nördlichen Kalkalpen, LWF aktuell 100, im Druck