Moorschutz in Deutschland - Optimierung des Moormanagements in Hinblick auf die Biodiversität und die Ökosystemdienstleistungen

Das Projekt hat zum Ziel, Grundlagen für eine Optimierung des Moormanagements in Hinblick auf den Schutz der Biodiversität und der Ökosystem(dienst)leistungen Klimaschutz, Wasser- und Nährstoffhaushalt, Erholungs- und Produktionsnutzung zu erarbeiten.

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Ziele und erwartete Ergebnisse des Projekts

Der Bund unternimmt erhebliche Anstrengungen zum Schutz des Klimas und für die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Mooren kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Entsprechend ist dem Ziel des Moorschutzes in der Nationalen Biodiversitätsstrategie eine eigene Vision (B 1.2.5) gewidmet.

In diesem Vorhaben sollen aufbauend auf verschiedenen wissenschaftlichen Vorläuferprojekten (BMBF-Projekte, BMU/BfN F+E-Vorhaben „Beitrag ausgewählter Schutzgebiete zum Klimaschutz und ihre Monetäre Bewertung“, FKZ: 3509 85 0500; NABU-Verbändevorhaben „Moorschutz konkret“) Grundlagen für eine Optimierung des Moormanagements in Hinblick auf den Schutz der Biodiversität und der Ökosystem( dienst)leistungen (u. a. Klimaschutz, Wasserhaushalt, Nährstoffhaushalt, Erholungsnutzung) entwickelt und zu in der Praxis einsetzbaren Handreichungen aufgearbeitet werden. Darüber hinaus sollen u. a. die folgenden Instrumente entwickelt werden:

- Ein verlässliches Instrument zur Beurteilung verschiedener Nutzungsverfahren der Landbewirtschaftung auf Moorböden in Hinblick auf ihre potenzielle Klimarelevanz, die Auswirkungen auf den Wasser- und Nährstoffhaushalt sowie die Biodiversität.

- Ein übertragbares Instrument zur Zustandsbeurteilung verschiedener Moordegenerationsstadien einschließlich intakter, ungestörter Moore in Hinblick auf ihre jeweilige Klimarelevanz den Wasser- und Nährstoffhaushalt sowie die Biodiversität.

- Ein Prognoseinstrument zur Abschätzung des Entwicklungspotenzials der Moordegenerationsstadien in Hinblick auf Biodiversität und Ökosystemleistungen (Klimarelevanz, Wasser und Nährstoffhaushalt, Erholungsnutzung) unter verschiedenen Rahmenbedingungen.

- Ein zielorientiertes Monitoringsystem für eine effektive Erfolgskontrolle von Moorschutz- und Revitalisierungsprojekten (in Hinblick auf Biodiversität und Ökosystemleistungen).

Die Ergebnisse sollen unter Einbindung von ökonomischen Aspekten einschließlich Finanzierungsmechanismen (u.a. über denkbare Steuerungsinstrumente im Rahmen der Agrarförderung und unter Entwicklung/Anpassung von Verfahrensregeln des VCS-Standards) in einem bzw. mehreren Handlungsleitfäden münden sowie im Rahmen einer oder mehreren wissenschaftlichen Fachtagungen vorgestellt, ausgewertet und diskutiert werden.

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Zusammenfassendes Ziel des Vorhabens

Endprodukt des Projektes wird ein abgestimmtes, ressourcenübergreifendes, prognosetaugliches Instrumentarium für die Praxis sein, mit dem Moorschutzprojekte in Hinblick auf den Schutz der Biodiversität und der Ökosystemleistungen Klimarelevanz, Wasser und Nährstoffhaushalt, sowie Erholungsfunktion und Produktionsfunktion evaluiert und optimiert werden können und mit dem Projektbereiche mit Synergien und Konflikten zwischen der Biodiversität und den verschiedenen Ökosystemleistungen identifiziert und in das (zukünftige) Moormanagement integriert werden können.

Das Projektergebnis zielt auf zwei Adressatengruppen:

• Diejenigen, die Moorschutzprojekte planen und durchführen hier als „Praktiker“ = Moorschützer bezeichnet: Diese finden Informationen zu konzeptionellen, fachlichen und technischen Anforderungen und Abwicklung, sowie der zu berücksichtigenden aktuellen Erkenntnisse und Synergien zwischen den Ressourcenbereichen im Hand-lungsleitfaden.

• Diejenigen, die Moorschutzprojekte für den Klimaschutz operationalisierbar machen wollen, hier als „Zertifizierer“ = Klimaschützer bezeichnet: Diese finden in den Handlungsleitfäden die Regeln für den Ablauf eines Projektes, die Umsetzung der Kriterien für messbar, berichtbar und verifizierbar, die Berechnungsmethode für die Einsparungsleistungen, die Ermittlung der Baseline und das erforderliche Monitoring, um die Effekte der Einsparungen verifizieren zu können. Unter kritischer Prüfung des VCS werden hier entsprechend des Auftrages die Standards für Deutschland entwickelt und damit auch Input zur geplanten bundesdeutschen TEEB-Studie gegeben.

Das Konsortium kann auf einen einzigartig umfassenden, deutschlandweiten Datensatz und Erfahrungsschatz zurückgreifen, der alle in der Ausschreibung nachgefragten Aspekte des Moorschutzes bedient (s. Referenzen und Vorlaufprojekte) und umfassend in das Projekt eingebunden wird. Damit können die Instrumentarien auf Basis validierter, empirischer Zusammenhänge aufgebaut werden, was insbesondere für die Prognosetauglichkeit der Methoden von besonderem Wert ist. Mit dem hier vorgelegten Vorhaben können alle in der Ausschreibung genannten Ziele erreicht werden. Es legt die Basis, die Vision aus derNationalen Biodiversitätsstrategie(B1.2.5)durch konkrete Handlungsanleitungen umsetzbar zu machen.

Struktur und Aufbau des Vorhabens

Praxistaugliche Bewertungs- und Prognoseinstrumente und Handlungsleitfäden entstehen nur, wenn sie auf der Basis einer möglichst breiten Expertise entwickelt werden und alle wichtigen Akteure und Nutzer frühzeitig und regelmäßig aktiv beratend in die Entwicklung einbezogen werden. Dazu sind am Anfang eine Auftaktkonferenz, in der Folge zwei Nutzer-workshops und eine Abschlusskonferenz sowie eine enge Zusammenarbeit mit Parallelpro-jekten geplant. Daher hat die Koordination des Projekts eine zentrale, personalintensive Auf-gabe.

Hinsichtlich der Begriffsdefinitionen werden im Folgenden die in der Ausschreibung genann-ten Themen Biodiversität und Ökosystemleistungen (Wasser- und Nährstoffhaushalt, Klima-schutz und Erholung) den Ökosystemfunktionen zugeordnet. Beide konzeptionellen Gliede-rungssysteme werden gleichberechtigt verwendet.

Lebensraumfunktion: Schutz der Biodiversität Regelungsfunktion: Ausgleich des Wasser- und Nährstoffhaushalts Regelungsfunktion: Klimarelevanz Trägerfunktion: Erholung Produktionsfunktion: Land- und forstwirtschaftliche Produktion, Nawaros, Paludikultur

Die in der Ausschreibung genannten Inhalte wurden in eine Modulplanung mit Ablaufschema für das Gesamtvorhaben übersetzt (Abbildung 24). Dabei wurde die Gliederung der zu er-stellenden Produkte aus der Ausschreibung an die entwickelte Bearbeitungslogik angepasst.

Folgende konzeptionelle Überlegungen führten zu der entwickelten Struktur des Vorhabens:
• Objektorientierte Zusammenfassung: Grundsätzlich sollen die zu entwickelnden Be-wertungsinstrumente und Handlungsleitfäden für möglichst alle Moortypen, Moorregi-onen und Ökosystemtypen in Mooren Aussagen treffen lassen. Daher wird als Rah-men für die Bearbeitung die Gesamtheit der Standort-Vegetations-Nutzungskombinationen in Mooren gezogen (Abbildung 24). Dies fasst die in der Ausschreibung getrennten Nutzungsverfahren einerseits und Moordegenerationssta-dien andererseits zusammen und bildet die Grundgesamtheit der zu betrachtenden Ausprägungen der Moorstandorte. Dadurch werden die Bewertungen auch in einer Reihung vergleichend durchführbar.

• Inhaltliche Aufgliederung: Die Entwicklung der Instrumente für die Einschätzung der Effekte auf die Biodiversität und die Ökosystemleistungen wird dagegen für die Sta-tus-Quo Einschätzung in einzelne Module unterteilt (s. Modul 2 bis 6), da sie inhaltlich und zeitlich aufeinander aufbauen und über Indikations- und Prognose-Funktion mit-einander verknüpft sind. Zudem sind Datenlage und Auswertungsmethoden thema-tisch unterschiedlich. Die Entwicklung von übergreifenden Bewertungs- und Ent-scheidungsinstrumenten, die inhaltlich, räumlich und zeitlich integrieren findet dann unter Zusammenschau und Abgleich der Module 2 bis 6 im Modul 7 statt (Abbildung 24).

• Aussagen zur Erholungsfunktion können nicht in derselben Bearbeitungstiefe erreicht werden wie für die anderen Ökosystemfunktionen, denn entscheidende Steuerfakto-ren für die Ausprägung der Erholungsfunktion liegen außerhalb des Betrachtungs-rahmens der flächen- oder gebietsbezogenen Ausstattung mit Schutzgütern (angebo-tene Infrastruktur, Zugänglichkeit, Marketing etc.). Daher werden exemplarisch Infor-mationen und Erfahrungen aus abgeschlossenen und laufenden Projekten darge-stellt, die Kriterien für die erfolgreiche Förderung der Erholungsfunktion im Sinne ei-ner Checkliste ableiten lassen.

• Aussagen zur Produktionsfunktion waren in der Ausschreibung nicht explizit gefor-dert. Sie sind hier aufgenommen, um die Auswirkungen des Status-Quo und die Ef-fekte von Nutzungsänderungen als Wechselwirkungen mit anderen Funktionen (Öko-systemleistungen) in Mooren abbilden zu können. Die Analysen beziehen sich auf die Gesamtheit der aktuellen und alternativen Nutzungen.

Einbindung externer Erfahrung und zukünftiger Nutzer der Projektergebnisse

Zu Beginn des Forschungsprojektes „Moorschutz in Deutschland“ wurde eine wissenschaftliche Fachtagung abgehalten - am 27.und 28.02.2012 in Braunschweig. Praxisbeispiele unterschiedlicher Moorstandorte wurden vorgestellt. Mit den Praktikern wurden auftretende Probleme abgeschlossener oder laufender Projekte gesammelt und diskutiert. Die Praktiker wurden frühzeitig in das Forschungsvorhaben einbezogen und konnten somit Defizite und Anforderungen an einen Handlungsleitfaden formulieren (Eigenleistung vTI). Im weiteren Verlauf des Projektes fanden zwei Nutzerworkshops und eine Abschlusstagung statt. Die Nutzerworkshops dienten dazu, weitere Praxisdaten und –erfahrungen ins Projekt einzuspeisen, sowie das Vorgehen, Zwischenergebnisse und die endgültige Ausrichtung der Instrumente für den Praxisleitfaden mit Experten und zukünftigen Nutzern abzustimmen. Der Teilnehmerkreis war weit und umfassend, so dass die Projektergebnisse einen deutschlandweiten Konsens repräsentieren. Repräsentanten der folgenden Zielgruppen waren u.a. beteiligt:

• Projektträger, Flächenagenturen, Verwaltungen und Projektleiter von Moorschutzprogrammen der Bundesländer, Moorschutz-Großprojekte

• Planungs- und Gutachterbüros für Moorschutzprojekte

• Autoren der vorhandenen Leitfäden für Moorschutz und Monitoring

• Projektentwickler und –zertifizierer für Klimaschutzprojekte

• Deutsche Emissionshandelsstelle

• Deutsche Gesellschaft für Moor- und Torfkunde