Marktpotenzialanalyse von Streuobst und Streuobstprodukten aus ökologischem Anbau

Durch den Strukturwandel im Lebensmitteleinzelhandel sind heimische Keltereien oft gezwungen, die Verbraucherpreise zu senken, was wiederum zur Senkung der Marktpreise für inländisches Mostobst führt. Für viele Streuobstbesitzer lohnt sich unter diesen Preisbedingungen die Pflege ihrer Bäume nicht mehr, so dass die Streuobstbestände in Deutschland und auch in Bayern abnehmen. Sie werden zugunsten von Obstplantagen gerodet, da diese in der Bewirtschaftung wesentlich ökonomischer sind.

Streuobstwiesen prägen unser Landschaftsbild bereits seit Jahrhunderten. Aufgrund ihrer ökologischen Wertigkeit wird ihrer Existenz ein hoher Stellenwert beigemessen. Deshalb bemühen sich seit Anfang der 1980er Jahre zahlreiche Naturschutzverbände, Landwirte, öffentliche Einrichtungen sowie Keltereien verstärkt um den Schutz und die Förderung von Streuobstwiesen.

Zielsetzung

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) setzt sich für den Erhalt von Streuobstbeständen ein. Die Vermarktung im Biobereich könnte ein möglicher Ansatz sein, den Streuobstanbau für die Erzeuger wirtschaftlich zu gestalten. Bestehende Vermarktungsprojekte in anderen Bundesländern sowie in Österreich zeigen, dass Streuobst und -produkte über den Bio-Markt deutlich höhere Erzeugerpreise als über die konventionelle Vermarktung erzielen können.

Die LfL will deshalb untersuchen lassen, inwieweit sich Streuobst/-produkte über den Bio-Lebensmittelmarkt in Bayern vermarkten lassen.

Vorgehensweise

Untersucht wurde, ob bei Vermarktern im Bio-Lebensmittelmarkt Interesse an Bio-Streuobst und dessen Produkten vorhanden ist. Die gewünschten Produkte, die Vermarktungsanforderungen sowie die möglichen Absatzmengen und Preise wurden geklärt.

Erhebungen:
• Recherchen über den Bio-Markt: rechtliche Rahmenbedingungen, Struktur, Entwicklung, aktuelle Trends
• Store-Checks in Verkaufsstellen für Bio-Lebensmittel in Bayern
• Befragung von Vermarktungsgruppen: Verarbeitungsunternehmen in Bayern, Streuobstinitiativen in Bayern, Handelsunternehmen mit Biosortiment
• Bewertung der Einflussfaktoren auf das Marktpotenzial für Biostreuobst/-produkte

Ergebnisse

• Aus den Store-Checks geht hervor, dass der Bio-Lebensmittelmarkt in Bayern einen potenziellen Absatzmarkt für Bio-Streuobstprodukte darstellt. Eine neue Sortimentsrichtlinie im Naturkostfachhandel kann dazu beitragen, dass aufgrund von Sortimentsanpassungen der betroffenen Verkaufsstellen ein verstärkter Nachfrageimpuls ausgelöst wird.
• Die Befragungen im Handel bestätigen, dass Bio-Streuobstprodukte zur Sortimentsergänzung beitragen können, vor allem bei alkoholfreien Getränken (Säfte, Schorlen), als auch bei alkoholhaltigen Getränken (Secco/Sekt, Most).
• Trends auf dem Bio-Lebensmittelmarkt unterstützen die Absatzchancen für Bio-Streuobstprodukte. In Verbindung mit einer Auslobung der regionalen Herkunft stiften solche Produkte einen zusätzlichen Nutzen mit hoher Glaubwürdigkeit. Auch die Handelsbefragungen zeigen den Stellenwert des regionalen Aspekts für die Vermarktung.
• Bestehende Streuobstinitiativen stehen einer Sortimentserweiterung positiv gegenüber, vor allem bei Säften, Most und Trockenobst. Ein Hindernis im Wachstum stellt jedoch häufig die mangelnde Organisationsstruktur der Streuobstinitiativen dar.
• Die befragten Keltereien stehen einem Einstieg in die Bio-Streuobstvermarktung eher kritisch gegenüber. Wesentliche Hindernisse sind der hohe Zertifizierungsaufwand sowie die mangelhaften Erzeugungs- und Verarbeitungsstrukturen in diesem Bereich. Dagegen haben Keltereien, die bereits in die Bio-Streuobstvermarktung eingestiegen sind, durchaus Interesse an zukünftigen Sortimentserweiterungen (Säfte, Most, Trockenobst).
• Die Wertschätzung für Bio-Streuobst ist sehr unterschiedlich, was sich auch in den Erzeuger- und Marktpreisen wiederspiegelt. Der Erzeugerpreis für Bio-Streuobst variiert innerhalb der befragten Vermarktungsgruppen relativ stark, jedoch ist ein Preisaufschlag für Bioware insbesondere mit Verbandssiegel häufig gegeben. Streuobstprodukte mit dem EU-Biosiegel alleine erzielen jedoch nur zum Teil höhere Marktpreise als vergleichbare konventionelle Ware.
• Ein rechtlicher Schutz des Begriffs Streuobst spielt für die Vermarktung von Bio-Streuobst kaum eine Rolle.
• Für die Vermarktung von Tafelobst aus Bio-Streuanbau ist insgesamt ein geringes Marktpotenzial zu erwarten. Mögliche Qualitätsprobleme stellen neben ökonomischen Aspekten die wesentlichen Hindernisse dar. Betrachtet man die Nachfrageseite, so haben alte Sorten mit klarem Nutzen wie z.B. Allergikerverträglichkeit der Sorten gute Absatzchancen. In der Kommunikation ist hier die Health-Claims-Verordnung zu beachten.

Projektleitung

Prof. Dr. Monika Gerschau (Koordination)
T +49 8161 71-6491
monika.gerschau [at]hswt.de Mail

Projektdauer

30.04.2010 - 01.11.2010

Projektpartner

Projektförderung