Erfolgreiche Ackerbaustrategien in bayerischen Trockenlagen (ErATro)

Hintergrund und Motivation

Der Klimawandel wird zu vermehrtem Auftreten von Trockenperioden und Extremwetterereignissen auch in Bayern führen. Die Jahre 2018-2020 waren hierfür Vorboten. Für die Landwirtschaft bedeutet das eine immense Herausforderung, der sie nur mit entsprechender Anpassung der Produktionsverfahren begegnen kann. Die Entwicklung einer wissenschaftlich fundierten Anpassungsstrategie ist daher notwendig.

Im Projekt ErATro sollen drei praxisrelevante Forschungsfragen zu diesem Thema beantwortet werden:

  1. Welche Ackerbaustrategien waren in trockenen Jahren (2018-2020, 2022) in Trockenlagen erfolgreich?
  2. Welche davon sind auch für normale bis feuchte Jahre geeignet?
  3. Welche Ertragsaussichten ergeben sich daraus für die kurz- bis mittelfristige Zukunft?

Die Beantwortung dieser Fragen ist für die landwirtschaftliche Praxis von großer Bedeutung, um Handlungsanleitungen für die zu erwartende Zunahme trockener Jahre unter dem Klimawandel zu erhalten. Bislang vorliegende Erkenntnisse sind nur anekdotisch und bedürfen der umfassenden Analyse einer großen Anzahl von Schlägen mit unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen und Bodeneigenschaften, um verlässliche Empfehlungen zu erarbeiten.

Abgeerntetes Getreidefeld nach Stoppelbearbeitung vor strahlend blauem Himmel
Getreidefeld in Franken 2022, nach der Stoppelbearbeitung - die Trockenheit ist überdeutlich zu sehen
© Michaela Primbs

Zielsetzungen

In diesem Projekt werden durch Beobachtungen belegte und wissenschaftlich begründete Erfolgsstrategien für die Zukunft ermittelt. Ein enger Austausch mit Landwirt:innen und Verbänden während des Projekts gewährleistet neben wissenschaftlichen Erkenntnissen die unmittelbare Praxisrelevanz. Die Arbeiten werden zusammen mit der Trockenlagenforschung am Standort Schwarzenau der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) durchgeführt.

Vorgehensweise

Variable Erträge können viele Gründe haben, unter anderem Änderungen im Boden, im Saatkalender, in der Phänologie, in der Sortenwahl, im Dünger, im Pflanzenschutz oder in der Witterung. Nicht zuletzt spielt auch der Zufall eine Rolle. Um daraus die für Trockenlagen besonders relevanten Parameter zu erarbeiten, werden die folgenden Schritte durchgeführt.

  1. Im ersten Schritt werden für vier Kulturen (Winterweizen, Silomais, Körnermais, Sommergerste) Schläge in fränkischen Trockenlagen identifiziert, auf denen Landwirte in den Trockenjahren 2018-2020 sowie 2022 im Vergleich zu benachbarten Schlägen eine besonders hohe Resilienz der Erträge festgestellt haben.
  2. Im zweiten Schritt werden für diese Schläge umfangreiche Stichprobendaten bei dem:der Landwirt:in erhoben. Dies geschieht mithilfe digitaler Methoden, Bodenproben sowie Befragungen der Betriebsleiter:innen.
  3. Im dritten Schritt werden die Einflussgrößen auf den Ertrag anhand einer Varianzanalyse und eines Ertragsmodells analysiert. Dabei wird auch geprüft, inwieweit adaptive Managementempfehlungen während der Saison möglich sind, wenn Trockenstress klimatisch vorhersehbar ist.
  4. Im vierten Schritt erfolgt eine Auswertung und Interpretation der Modellergebnisse, um Handlungsempfehlungen abzuleiten. Hierbei wird zwischen trockenen und feuchten Jahren unterschieden, um Empfehlungen zu finden, die den Ertrag unter verschiedenen Witterungsbedingungen stabilisieren.
  5. Im fünften Schritt werden mit Hilfe regionaler Klimaprojektionen und des Modells aus Schritt 3 zukünftige Ertragsaussichten simuliert.
  6. Im sechsten Schritt wird aus den Erkenntnissen ein Praxisleitfaden erstellt, der für den Eingang in die Beratungspraxis konzipiert ist.

Wissenstransfer

Neben dem Praxisleitfaden und dem laufenden Wissenstransfer sollen dabei auch Publikationen in Fachzeitschriften mit peer-review entstehen. Die Projektpartner arbeiten eng mit Anbauverbänden und Betriebsleiter:innen zusammen, um Praxiserfahrungen zur Resilienz bei Trockenheit zu sammeln. Projektbegleitend finden dafür regelmäßige Arbeitstreffen statt.

Projektdurchführung und -förderung

Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird von HSWT (Prof. Dr. Bernhard Schauberger) und LfL (Dr. Annette Freibauer) gemeinsam durchgeführt. Die Projektförderung beläuft sich auf ca. 580.000 Euro, die größtenteils für Personalmittel (Doktorand:innen, Laborpersonal, Techniker:in) verwendet werden.