Machbarkeitsstudie Humuspflege

Tangelhumus Verbreitung und Bedeutung

Mächtige Humusauflagen (Tangelhumus oder Alpenhumus) sind essentiell für die Schutzfunktionen und die nachhaltige Waldbewirtschaftung in den Kalkalpen. Sie stellen einen wichtigen klimasensitiven Kohlenstoffspeicher dar und sind ein entscheidender Standortsfaktor. Die aktuellen Ergebnisse des durch den Waldklimafond geförderten Alpenhumus-Projektes   (Ewald et al. 2020) bestätigen eine weite Verbreitung von Tangelhumusauflagen im Alpenraum, diese kommen auf etwa 10 Prozent aller Waldstandorte über alle Höhenstufen hinweg vor. Da gerade der Alpenraum von dem Temperaturanstieg aufgrund des Klimawandels bereits heute stärker betroffen ist als andere Regionen und höhere Temperaturen den Abbau von mächtigen Humusauflagen beschleunigen, zeigt sich hier eine dringende Notwendigkeit zum Handeln auf. Die aktive Humuspflege in Wäldern der Bayerischen Kalkalpen ist für eine nachhaltige und klimawandelangepasste Waldbewirtschaftung zum Erhalt des Standortpotentials und damit letztendlich für den Erhalt der Schutzfunktionen und der Ökosystemdienstleistungen des Bergwaldes unverzichtbar.

Maßnahmen der Humuspflege

Als wesentliche Maßnahmen für die Humuspflege wird das Belassen von Totholz, Stammholz und Kronenmaterial sowie die Sicherung einer angepassten Bestockung empfohlen. Totholz und Kronenmaterial liefert wichtiges Ausgangsmaterial für die Bildung von mächtigen Humusauflagen. Eine angepasste Bestockung mit ausreichend Verjüngung sorgt für geringere Temperaturen am Boden und damit für eine langsame Umsetzung des organischen Materials, darüber hinaus wird ein kahlfallen der Flächen verhindert. Schadereignisse mit anschließender Räumung ohne Vorausverjüngung führen zu wesentlichen Humusverlusten (Ewald et al. 2020).

Projekt „Machbarkeitsstudie Humuspflege“: Ziele und Arbeitspakete

Das Projekt " Machbarkeitsstudie Humuspflege " soll den aktuellen Stand der Humuspflege ermitteln und untersuchen inwieweit diese bereits in die forstliche Praxis integriert ist. Mit Best-Practice Beispielen und Workshops sollen praxisgerechte Handlungsempfehlungen erarbeitet werden. Hierzu wird durch die Verschneidung von Daten eine nach Dringlichkeit gestaffelte, an Standortbedingungen, Waldzustand und Besitzverhältnisse angepasste Humuspflegekulisse erstellt. Eine praxisgerechte Priorisierung auf Bestandesebene ermöglicht es den Revierleitern den Handlungsbedarf im Bereich Humuspflege abzuschätzen und entsprechende Maßnahmen in die Bewirtschaftung zu integrieren. Im partzipativen Dialog von Praxis und Wissenschaft entwickelte Maßnahmen und Finanzierungsmöglichkeiten sollen in gemeinsame Ziele und ein einheitliches Vorgehen münden und die Humuspflege als Teil der nachhaltigen Waldbewirtschaftung etablieren.

Das Projekt gliedert sich in zwei Phasen:

1. Erstellung der Humuspflegekulisse

Durch Verschneidung von humuspflegerisch relevanten GIS-Layern wird eine Flächenkulisse entworfen, welche eine Priorisierung von Maßnahmen auf Bestandesebene ermöglicht. Diese finale Kulisse beinhaltet einen abgestuften Handlungsbedarf (Gradient der Dringlichkeit), um den Handlungsdruck für humuserhaltende/- fördernde Maßnahmen ableiten und bewerten zu können.

2. Feststellung des Status Quo der Humuspflege im Gebirge

Mittels Literaturrecherchen werden bereits vorhandene forstliche Handbücher, Richtlinien etc. auf humuspflegerische Inhalte untersucht. Begleitend werden im Gelände eine Auswahl von Best Practice Beispielen aufgesucht, dokumentiert und eingeordnet. Die ökologische Bedeutung und der aktuelle Stand der Humuspflege wird im Austausch mit den relevanten Einrichtungen in Workshops erarbeitet.

Abb. 1: Skeletthumusboden Wettersteinkalk (Foto: LfU 2017) und Projektablaufgrafik


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Ewald, J.; Göttlein, A.; Prietzel, J.; Kohlpaintner, M.; Reger, B.; Olleck, M. (2020): Alpenhumus als klimasensitiver C-Speicher und entscheidender Standortfaktor im Bergwald (Synthese und Ausblick). Forstliche Forschungsberichte. Schriftenreihe des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan 220, S.5-19.


Projektleitung

Prof. Dr. Jörg Ewald (Koordination)
T +49 8161 71-5909
joerg.ewald [at]hswt.de

Projektbearbeitung


Leonie Wagner
T +49 (8161) 71 – 6529
leonie.wagner [at]hswt.de

Projektdauer

01.07.2021 - 31.12.2021

Adressierte SDGs (Sustainable Development Goals)

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