Evaluierungssystem für eine umweltfreundliche und landschaftsverträgliche Energiewende (EULE) - Phase 2

Hintergrund und Motivation

Von Anfang Februar bis Ende Oktober 2020 lief das von der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) geförderte Forschungsprojekt EULE I. Daran schließt sich nun die EULE-Projektphase II an.

In der EULE-Projektphase I wurde ein belastbares Auditsystem für PV-FFA erarbeitet, um den ökologischen Ist-Zustand von Photovoltaik-Freiflächenanlagen (PV-FFA) bewerten und diesen anhand eines anlagenspezifischen Maßnahmenkatalogs erhöhen zu können.

Das dabei entwickelte Zertifizierungssystem gewährleistet, dass neben der klimafreundlichen Energieproduktion auch eine Verbesserung der naturschutzfachlichen Wertigkeit auf den Anlagenflächen entsteht. Damit kann die Produktqualität erhöht und auch entsprechend vermarktet werden.

Das Auditsystem gibt nachvollziehbare Regeln für die Bewertung der Einbindung von PV-FFA in Natur und Landschaft vor. Bewertet werden dabei die generelle Umsetzung von Maßnahmen sowie auch die Qualität der Maßnahmenumsetzung. Beides wirkt sich positiv auf die Biodiversität der Anlagenfläche aus und/oder erhöht die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber PV-FFA.

Foto eule2 bearb

Die Vielfalt im EULE-Maßnahmenkatalog ermöglicht es, für jede Anlagenfläche die Maßnahmen individuell auszuwählen. Diese Auswahl ist abgestimmt auf die jeweiligen standörtlichen Gegebenheiten, die übergeordneten naturschutzfachlichen Zielsetzungen sowie die spezifischen Betriebsabläufe. Wesentlicher Baustein der EULE-Auditierung ist daher die umfassende Bestandserfassung von Flora und Fauna im Gelände und ein daraus abgeleitetes Ziel- und Maßnahmenkonzept. Anlagenspezifisch ausgewählte faunistische Zielarten ermöglichen dabei eine nachvollziehbare Herleitung von Entwicklungszielen und -maßnahmen. Das aus drei Auditphasen bestehende 5-jährige Auditsystem dient der Kontrolle der Maßnahmenumsetzung und -wirksamkeit sowie der Zertifizierung des jeweiligen Solarfeldes. Am Ende eines jeden Jahres erfolgt auf Grundlage des Punkteergebnisses der letzten Auditphase eine entsprechende monetäre Honorierung der durchgeführten Maßnahmen.

Weiterhin wurde ein Konzept zur Digitalisierungsstrategie erarbeitet, welches die Datenverwaltung organisieren, das EULE-Auditsystem unterstützen und den Informations- und Kommunikationsfluss zum Nutzen aller Beteiligten wie auch der Öffentlichkeit organisieren soll.

Während der EULE-Projektphase I wurde das Interesse an einem EULE-Auditsystem sowohl der regionalen Anlagenbetreiber als auch der Akteure im Erneuerbaren Energien-Bereich auf Bundesebene deutlich. So erhielten die regionalwerke GmbH & Co. zahlreiche Anfragen von Anlagenbetreibern bezüglich einer EULE-Zertifizierung, insbesondere auch für Neuanlagen. Auf bundesweiter Ebene brachte insbesondere das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE Berlin) sein Interesse an den Überlegungen und Ergebnissen des EULE-Projektes zum Ausdruck. Damit wird deutlich, dass es Interessensgruppen gibt, die sich für die Umsetzung eines Auditsystems für bestehende und auch neu geplante PV-FFA im bundesdeutschen Kontext einsetzen und bereit sind, dieses Projekt mit ihrer Fachkompetenz zu unterstützen.

Auch wenn das in der EULE-Projektphase I  entwickelte Auditsystem erfolgreich auf drei bestehenden ober-/niederbayerischen Solarfeldstandorten angewendet und als praxistauglich bewertet wurde, bedarf es einer weiteren Evaluierung der Praxistauglichkeit, um ein gut funktionierendes und bundesweit akzeptiertes Auditsystem zu entwickeln. In der Anwendung auf weitere Solarfeldstandorte in West-, Nord- und Ostdeutschland können wichtige Erkenntnisse zur Optimierung des Konzeptes gewonnen werden. So stehen beispielsweise dem Vorteil einer durch einen Fachgutachter durchgeführten, anlagenspezifischen Maßnahmenwahl auf Grundlage einer umfassenden Bestandserfassung die hohen Kosten gegenüber. Das Vorgehen und der Umfang der Erhebungen können durch die Anwendung auf weitere Anlagenflächen überprüft werden. Durch Anwendung des entwickelten Auditsystems auf weitere Anlagenflächen können außerdem weitere Schwachstellen identifiziert und verbessert werden.

Weiterhin berücksichtigt das bisher entworfene Auditsystem ausschließlich die regionalen Rahmenbedingungen der Stromgewinnung durch PV-FFA und kann daher nicht unmittelbar auf den bundesweiten Kontext übertragen werden. Für eine bundesweite Umsetzung ist folglich eine Anpassung des Konzeptes an die bundesweiten Voraussetzungen erforderlich. Auch die Art und Weise der Organisation der Zertifizierung auf bundesweiter Ebene soll deshalb in der zweiten Projektphase bearbeitet werden.

Im bisherigen EULE-Ansatz wurden vor allem Altanlagen berücksichtigt, um neben der Biodiversitätsaufwertung den Weiterbetrieb nach dem Auslaufen der EEG-Vergütung sicherzustellen. Im Laufe devon Projektphase I wurde jedoch insbesondere die Nachfrage nach einer EULE-Zertifizierung auch bei Neuanlagen deutlich. Deshalb ist zu prüfen, inwieweit das entwickelte Konzept bei Neuanlagen anwendbar ist.

Ziele der Projektphase II

Ziele der Projektphase II sind u.a.,

  • das entwickelte Auditsystem auf seine bundesweite Praxistauglichkeit zu überprüfen,
  • den bisherigen regionalen Ansatz in einen bundesweiten Kontext zu stellen,
  • zusätzlich die Anwendung des EULE-Konzeptes über Bestandsanlagen hinaus auch auf geplante Neuanlagen ausdehnen.

Neben einer organisatorischen und prozessualen Betrachtung aller Vorgänge im Rahmen des Audits sowie der entsprechenden Vergütung durch den EULE-Cent soll die Auditmethode anhand von drei deutschlandweit verteilten PV-FFAs grundlegend evaluiert und an die bundesweiten Rahmenbedingungen angepasst werden. Ergänzend sollen mindestens 5 weitere Anlagen in Deutschland anhand ihrer Genehmigungsunterlagen betrachtet werden. Darüber hinaus wird eine Strategie zur Umsetzung erarbeitet, die einen Vergleich bisher üblicher Zertifizierungen sowie der Betrachtung notwendiger Kooperationspartner und dem Aufbau einer Organisation zur Trägerschaft des neuen Umwelt-Siegels sowie deren Finanzierung umfasst.

Die EULE-Projektphase II gliedert sich in vier Arbeitspakete. Neben der Erprobung der in Projektphase I entwickelten Methodik auf weiteren bestehenden Solarfeld-Standorten sowie auf geplante Neuanlagen erfolgt die Anpassung des Auditsystems an den bundesweiten Kontext und die Konzeption einer Umsetzungsstrategie.

Geplante Verwertung der Projektergebnisse

Die Projektergebnisse sollen der Einführung einer neuen Produktqualität im Bereich der Stromversorgung dienen. Nachhaltige Betriebsweisen und Maßnahmen zur naturschutzfachlichen Aufwertung auf PV- Freiflächenanlagen sollen in Zukunft durch Anwendung des EULE-Konzepts im Bundesmaßstab nachvollziehbar bewertet und honoriert werden können.

Die in diesem Projekt entwickelte Umsetzungsstrategie ermöglicht es, eine Zertifizierungsplattform zu gründen, welche bundesweit die Zertifizierung von PV-FFA anhand der EULE Standards organisiert sowie Fachgutachter zu den EULE Standards schult. Um den Aufbau einer derartigen Zertifizierungsplattform zu ermöglichen, soll das EULE-Auditkonzept mit seinen Vorgaben zur naturschutzfachlichen Bestandserfassung, dem ausgearbeiteten Maßnahmenkatalog, dem Auditablauf einschließlich Auditbogen und Honorierungsmethodik kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Auch die notwendige Softwarearchitektur zur Organisation der Datenverwaltung und Unterstützung des EULE-Auditsystems wird hierfür bereitgestellt.

Die in dieser Projektphase erzielten Ergebnisse aus der geplanten Diskussion mit Verbänden, Experten aus Bund und Ländern zur Trägerschaft der Zertifizierungsstelle sollen dazu genutzt werden, ein Trägermodell zu entwickeln. Ziel ist es dabei eine langfristige Zertifizierungsstelle mit qualitätsvollen Standards zu entwickeln, welche sich selbst trägt.