Kiefernwald-Lebensraumtypen nach FFH-Richtlinie

Hintergrund

Die Waldlebensraumtypen (WLRT) 91T0 (Mitteleuropäische Flechten-Kiefernwälder) und 91U0 (Kiefernwälder der samartischen Steppe) kommen in Deutschland nur kleinflächig vor. In den letzten Jahren sind sie zusätzlich in ihren Flächenanteilen in Deutschland zurückgegangen und wurden im vierten FFH-Bericht 2019 mit einem ungünstigen bis schlechten Erhaltungszustand und einem negativen Trend bewertet. Zusätzlich wurde der WLRT 9430 (Montane und subalpine Bergkiefernwälder auf Gips- oder Kalksubstrat) neu im FFH-Bericht mit aufgenommen und mit unbekannt bewertet. Aufgrund der Erstmeldung / Neuaufnahme ist über den WLRT 9430 in Deutschland noch wenig bekannt, während für die WLRT 91T0 und 91U0 verhältnismäßig gute Grundkenntnisse vorliegen.

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Pinus rotundata überschottert (Loferer Seilergraben / Wimbachgries)

Eine sichere Ansprache des jeweiligen WLRT kann durch vorkommende standörtliche Überschneidungen erschwert werden. Deshalb ist eine vergleichende Abgrenzung der drei WLRT zueinander notwendig. Bei der Abgrenzung zwischen den Kiefern-WLRT kommt erschwerend hinzu, dass es zusätzlich beim WLRT 9430 zwischen Pinus mugo agg. (Pinus mugo ssp. mugo als Krummholz im LRT 4060 & 4070), P. rotundata im LRT 91D0 und P.uncinata“, der aufrechten Wuchsform von P. mugo, im WRLT 9430 noch Unterscheidungsschwierigkeiten gibt und im gesamten Gebiet Hybriden zwischen P. mugo („uncinata“) und P. sylvestris vorkommen.

Zielsetzung und Vorgehensweise

Im F+E-Vorhaben „Kiefernwald-Lebensraumtypen nach FFH-RL“ ist daher geplant, eine umfassende Analyse zur Interpretation, Abgrenzung, Ausstattung und Management der drei deutschen Kiefern-Waldlebensraumtypen (WLRT) nach Anhang I der FFH-Richtlinie durchzuführen. Dazu sind Vegetationsaufnahmen zur Erfassung der charakteristischen Pflanzenarten der drei Kiefern-WLRT, eine Standortskartierung zur Abgrenzung der standörtlichen Variabilität von WLRT 9430, eine Ableitung von Empfehlungen für das Gebietsmanagement sowie populationsgenetische Untersuchungen in Deutschland und ergänzend im Hauptareal notwendig.