Technologie- und Anwendungspakt / Technology and Transfer Pact

Hintergrund / Ausgangssituation

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung des Ausbildungspakts mit Afrika vom 20. Mai 2019 kündigte Bundesminister Dr. Gerd Müller den Technologie- und Anwendungspakt (TAP) in Zusammenarbeit mit der HSWT an. Während der Ausbildungspakt mit Afrika die breitere Basis für eine anwendungsbezogene, praxisnahe und akademische Ausbildung schaffen soll, hat der Technologie- und Anwendungspakt eine praxisorientierte und konkrete Anwendungsförderung vor Ort zum Ziel. Dies adressiert das Problem einer wenig praxisorientierten akademischen Ausbildung und einem weitgehend fehlenden Transfer von Wissen in landwirtschaftliche Praxis. Mit einer digitalen Auftaktveranstaltung am 18. August 2020 gab die HSWT gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) den Startschuss für das Projekt "Technologie- und Anwendungspakt" mit Afrika.

Der Technologie- und Anwendungspakt fokussiert auf die Schnittstelle zwischen Nachfrage und Angebot an Innovationen zur Wertschöpfungssteigerung der afrikanischen Landwirtschaft, insbesondere der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. In diesem Rahmen werden

  1. erfolgversprechende Projektideen identifiziert, in der Umsetzung gefördert und evaluiert
  2. sowie die Strukturen zwischen Hochschulen, sowie nach Möglichkeit auch mit Industriebetrieben und anderen Einrichtungen, gefördert.

Beide Ansätze sollen im Sinne von Capacity Development eine anwendungsbezogene Ausbildung und den Wissenstransfer zur Umsetzung von Innovationen fördern. Die Arbeitsfelder decken die komplette Wertschöpfungskette von innovativen Anbaumethoden und lokal angepasstem Saatgut über angepasste Mechanisierung, die Verknüpfung von Aus- und Fortbildung mit Innovationen, bis zu verbessertem Nachernteschutz, Lagerung und die nachfolgende Verarbeitung vor Ort ab. Damit einher geht die Schaffung neuer Arbeitsplätze, zudem werden kleinbäuerliche Betriebe bei der nachhaltigen Produktions- und Einkommenssteigerung unterstützt und die Wertschöpfung in den ländlichen afrikanischen Raum verlagert. Der TAP und seine geplanten Maßnahmen orientieren sich grundsätzlich an den thematischen Schwerpunkten und ausgewählten Wertschöpfungsketten der GIAE Länderpakete (siehe Abb.1).

Giae

Abb. 1: Teilnehmende Länder des GIAE-Projekts

Zielsetzung

Der Technologie- und Anwendungspakt zielt auf die Etablierung und Verankerung einer anwendungsorientierten Lehre einschließlich deren Übertragung in die Praxis ab. Dies geschieht unter der Umsetzung von drei Teilzielen: der Unterstützung der Strukturbildung zur Umsetzung von Technologie- und Anwendungs-Ideen, der Auswahl und Umsetzung der Technologie- und Anwendungs-Ideen sowie der Ausweitung einer anwendungsorientierten Lehre bzw. trilaterale Kooperation (siehe Abb. 2).


Skizze tap

Abb. 2: Etablierung, Verankerung und Ausweitung einer anwendungsorientierten Lehre einschließlich einer Übertragung in die Praxis im Technologie- und Anwendungspakt

Vorgehensweise

Das erste Teilziel, die Unterstützung der Strukturbildung zur Umsetzung von Technologie- und Anwendungs-Ideen, soll die afrikanischen Partnerhochschulen in Äthiopien, Kenia und Togo langfristig bei der selbstständigen Initiierung und Begleitung von innovativen Projekten unterstützen. Es beinhaltet zum einen Trainings von Umsetzern an den Partnerhochschulen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Austausch zwischen den Partnerhochschulen, der Anwendung des Train-The-Trainers-Ansatzes sowie dem Erreichen eines größtmöglichen Multiplikatoreneffekts. Zum anderen wird die Unterstützung der Strukturbildung vor Ort fokussiert. Gemeinsam mit den Partnerhochschulen wird ein lokales Beratungsnetzwerk als zentrale strukturbildende Maßnahme aufgebaut. Dieses umfasst beispielsweise die Partnerhochschulen, Industriepartner, Grüne Innovationszentren, Beratungsorganisationen und NGOs. Dieses Netzwerk wird die geförderten Technologie- und Anwendungs-Ideen beraten und in der Umsetzung unterstützen.

Das zweite Teilziel konzentriert sich auf die Auswahl und Umsetzung von Technologie- und Anwendungs-Ideen zur Verbesserung der lokalen Produktionsbedingungen und der besseren Abdeckung der Wertschöpfungsketten. Durch eine systematische Auswertung im Rahmen eines Innovations- und Wissens-Screenings entsteht ein Katalog an Lösungsansätzen, der als Datenbasis für die Bewertungen und zur Unterstützung von Technologie- und Anwendungs-Ideen dient. Auf dieser Grundlage wird ein Kriterienkatalog zur Auswahl der Technologie- und Anwendungs-Ideen gemeinsam durch die HSWT, Experten der GIAE vor Ort und unter Einbeziehung weiterer Partner wie Partnerhochschulen oder Praxispartner erstellt. Die Betreuung der Umsetzung der selektierten Technologie- und Anwendungs-Ideen stellt die Kernaktivität zur Erreichung des zweiten Teilziels dar und beinhaltet fachliche, wirtschaftliche, organisatorische und technische Ansätze, die durch die HSWT und die Partnerhochschulen in Workshops und Schulungen gemeinsam vermittelt und entwickelt werden. Zur Erfolgskontrolle und Nachbetreuung durchlaufen alle Technologie- und Anwendungsideen ein Monitoring hinsichtlich Mittelverwendung und Zielerreichung.

Das dritte Teilziel fokussiert die Ausweitung einer anwendungsorientierten Lehre bzw. trilaterale Kooperation. Dies beinhaltet einerseits die Einführung des Internationalen Masterstudiengangs Agrarmanagement in weiteren afrikanischen Ländern in Kooperation mit langjährigen Partnern aus dem IMA-Netzwerk. Andererseits sollen zur Vergrößerung der Umsetzungsreichweite des TAP die Erkenntnisse in der Etablierung und Verankerung einer anwendungsorientierten Lehre auch anderen Partnerhochschulen zur Verfügung gestellt werden.

Malawi

Abb. 3: Unter anderem sollen kleinbäuerliche Betriebe, wie hier in Malawi, durch den Technologie- und Anwendungspakt von optimierten Praxisanwendungen profitieren. (Foto: © GIZ / Jörg Böthling)