Entwicklung präventiver Maßnahmen für einen nachhaltigeren Umgang mit der endlichen Ressource Wasser im Obstbau (Wassermanagement)

Hintergrund und Motivation

Um langfristig regionale Wertschöpfungsketten in der Produktion von gartenbaulichen bzw. landwirtschaftlichen Lebensmitteln aufrechterhalten zu können, müssen nachhaltige Strategien zur Nutzung der endlichen Ressource Wasser gefunden werden. Diese müssen ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Anforderungen zugleich gerecht werden. Vor der Investition in Bewässerungssysteme sollten dabei alle Möglichkeiten einer effizienteren Nutzung der natürlichen Niederschläge ausgeschöpft werden.

Das Forschungsprojekt befasst sich mit präventiven Möglichkeiten für eine effizientere Wassernutzung im Obstbau. In der Bodenseeregion, einem der wichtigsten Obstbauregionen Europas, unterscheiden sich die Niederschlagsmengen an einzelnen Standorten signifikant voneinander. Während z. B. an der Versuchsstation für Obstbau Schlachters jährlich ca. 1.400 mm Niederschlag fallen, sind es in Ravensburg am Kompetenzzentrum für Obstbau Bodensee lediglich ca. 800 mm. Beim Obstanbaugebiet des Projektpartners 'Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG)' in Unterfranken fallen sogar nur 450 bis 600 mm Niederschläge pro  Jahr.

Zielsetzungen

Um eine effiziente Wassernutzung durch den Obstbau zu gewährleisten, werden verschiedene Ansatzpunkte und Strategien untersucht, wie auf länger anhaltende Trockenperioden am besten reagiert werden kann. Den Obstproduzenten sollen nachhaltige und gleichzeitig praxistaugliche Lösungen vermittelt werden.

Die erwartete Veränderung im Vergleich zur jetzigen Situation besteht vor allem darin, dass

  • dem Produzenten Möglichkeiten zur Verfügung stehen, auch ohne zusätzliche Bewässerung negative Auswirkungen von Wassermangel bzw. länger anhaltenden Trockenperioden so gering wie möglich zu halten;
  • durch ein präventives Wassermanagement der Wasserbedarf bei zusätzlicher Bewässerung reduziert werden kann;
  • Produktionsverfahren in einem ganzheitlicheren Ansatz optimiert werden können (z. B. positive Auswirkungen eines Verfahrens der Unkrautregulierung auf den Wasserhaushalt im Boden)
  • ein nachhaltigerer Umgang mit der Ressource Wasser im Obstbau erreicht werden kann (geringere Konkurrenz z. B. zum Wasserbedarf in Privathaushalten, Imagegewinn usw.)

Insgesamt sind die zu entwickelnden Strategien als wichtiger Beitrag für eine nachhaltige und zukunftsfähige Produktion im Hinblick auf die landwirtschaftlichen bzw. gartenbaulichen Herausforderungen im Zuge des Klimawandels zu sehen.

Vorgehensweise

Um die genannten Ziele zu überprüfen, wurde an der Versuchsstation für Obstbau Schlachters eine Apfelneupflanzung mit der Sorte 'Pinova' vorgenommen. Bei der Pflanzung wurden verschiedene Bodenzuschlagsstoffe in den Boden eingearbeitet. Dazu zählen unter anderem Gesteinsmehle, Kompost, Terra Preta sowie huminsäurehaltiges Leonardit. Es wird überprüft, ob die eingesetzten Bodenzuschlagsstoffe eine wasserspeichernde Wirkung haben und die neugepflanzten Apfelbäume dadurch Trockenphasen besser überstehen können. Dazu wurden auch Sensoren im Boden vergraben, um die Auswirkungen auf das Bodenklima zu erfassen.

Die Durchführung der Pflanzung sehen Sie in diesem Video.

Bild 1 neupflanzung

Neupflanzung mit der Sorte 'Pinova' im Frühjahr 2021

Bild 2 bodenzuschlagsstoffe bearb

Einarbeitung von Bodenzuschlagsstoffen bei der Pflanzung der Apfelbäume

In einem weiteren Arbeitspaket werden Mulchmaterialien (Grassilage, Holzhäcksel, Sprühmulch) auf den Baumstreifen der Apfelreihen ausgebracht, um den natürlichen Humusaufbau als Maßnahme zur Verbesserung des Bodenklimas zu überprüfen. Die Mulchmaterialien sollen zudem die Transpiration aus dem Boden reduzieren.

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Baumstreifen mit Holzhäcksel

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Aufspritzbarer Sprühmulch aus nachwachsenden Rohstoffen

Assoziierte Partner (Projektpartner siehe rechte Infospalte)