Statistik Gartenbau Bayern - Fokus Obstbau

Hintergrund

Die im Jahre 2010 veröffentlichte Studie Statistik Gartenbau Bayern 2009 (Beiersdorf et al. 2010), die alle Sparten des bayerischen Gartenhaus untersuchte wird bis heute herangezogen, um den Obstbau in Bayern darzustellen. Die damalige Studie zeigte bereits die außerordentlich große Zahl von Akteuren, die in den Produktions- und Vermarktungsstufen im bayerischen Obstbau tätig sind sowie deren vielschichte Verflechtungen (z.B. Warenflüsse, Interaktionen). Weiterhin wurde der Versuch unternommen, den Produktionswert des bayerischen Obstbaus quantitativ zu erfassen, was die wirtschaftliche Bedeutung und Leistungsfähigkeit des Obstbaus in seinen vielfältigen Facetten herausstellen sollte. Da die Studie Statistik Gartenbau Bayern alle Sparten des Gartenhaus (inkl. des Freizeit- und des Dienstleistungsgartenbaus) abdeckte, wiesen die Ergebnisse aufgrund des begrenzten Projektumfangs und der oftmals eingeschränkten Datenverfügbarkeit nur teilweise die notwendige Tiefe auf, um volks- und gesamtwirtschaftliche Aussagen zum Gartenbau ableiten zu können. So bedarf es für eine fundierte Bewertung beispielsweise einer Erweiterung der wirtschaftlichen Indikatoren zusätzlich zum damals dargestellten erfassten Branchenumsatz (z. B. Verwendung von Bruttowertschöpfung, Produktionswert, Anzahl Beschäftigte). Zudem liegt die Datenerfassung zur Statistik Gartenbau Bayern bereits zehn Jahre zurück, so dass eine ausreichende Aktualität in vielen Bereichen nicht mehr gegeben ist.

Zielsetzung

Aus den dargelegten Gründen ist eine Zielsetzung der geplanten Obstbaustudie eine Aktualisierung der Ergebnisse zum Obstbau in der 2010 publizierten Statistik Gartenbau Bayern unter Anwendung eines angepassten methodischen Ansatzes zur Ermittlung der wirtschaftlichen Bedeutung in dem sich dynamisch einwickelnden Agrarsektor. Die geplante Studie wird es ermöglichen, die wirtschaftliche Bedeutung und Leistungsfähigkeit des Produktionsclusters „Bayerischer Obstbau“ wissenschaftlich fundiert darzustellen und mit dem bundesweiten Agrar- und Obstsektor sowie mit weiteren bayerischen Wirtschaftssektoren zu vergleichen. Ein weiteres Ziel der geplanten Studie ist eine tiefergehende Betrachtung zweier bedeutender Obstanbauregionen in Bayern. Ein qualitativer Ansatz soll dabei helfen, Rahmenbedingungen, Einflussfaktoren und Entwicklungen in den Anbauregionen sowie regionalspezifische Chancen und Risiken für die beteiligten Akteure zu identifizieren. Die Zielsetzungen und geplanten Methoden orientieren sich an der 2018 erfolgreich durchgeführten Studie zum bayerischen Gemüsebau Statistik Gartenbau Bayern - Fokus Gemüsebau (Gabriel et al., 2019).

Vorgehensweise

Die geplante Obstbaustudie wird federführend vom Lehrstuhl für Ökonomik des Gartenhaus und Landschaftsbaus der Technischen Universität München (TUM) und von der Professur für Handelsbetriebslehre der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) durchgeführt. Unterstützt wird die Bearbeitung der Studie von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Die Unterstützung umfasst dabei die fachliche Expertise, die Mithilfe bei der Datensammlung und Kontaktvermittlung von relevanten Stakeholdern, sowie eine Evaluierung der erarbeiteten Ergebnisse. Zur Ermittlung der wirtschaftlichen Bedeutung des Gemüsebaus in Bayern erfolgt eine methodische Annäherung an den von Dirksmeyer und Fluck (2013) gewählten Produktionscluster-Ansatz der Produktionscluster. Die Autoren haben in ihrer Studie die Bedeutung des gesamten Gartenbausektors in Deutschland analysiert. Dem Clusterkern der eigentlichen Obstproduktion sind vor- und nachgelagerte Wirtschaftszweige des sogenannten Clusterumfeldes zugeordnet („Zwiebelschalenprinzip“). Auch stufenübergreifende Wirtschaftszweige wie Versicherungen, (Steuer-)Beratung und wissenschaftliche Institutionen finden hierbei Berücksichtigung. Dieses Konzept zur Analyse eines Gesamt-Produktionsclusters wurde bereits in der aktuellen Studie zum bayerischen Gemüsebau angewandt und kann auch auf den Obstbau in Bayern adaptiert werden. Zur Messung der wirtschaftlichen Bedeutung und Leistungsfähigkeit des bayerischen Obstbausektors werden analog zu diesem Ansatz die Indikatoren Bruttowertschöpfung Produktionswert, Umsatz und Beschäftigtenzahlen herangezogen. Die Übertragung und Anwendung dieses methodischen Ansatzes auf den bayerischen Obstbau ermöglicht eine direkte Vergleichbarkeit der für Bayern ermittelten Ergebnisse mit anderen Untersuchungen in vergleichbaren Agrarsektoren in Bayern und Deutschland (z.B. Agrarsektor, biobasierte Produktionssektoren, Gemüsebau). Es ist davon auszugehen, dass sich die Datenbasis zur Analyse des Obstbaus in Bayern teilweise aus weiteren Primär- und Sekundärquellen (z. B. Experteneinschätzungen, statistische Datensammlungen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH) ergänzen lassen muss. Das Projektteam geht davon aus, dass das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Hilfestellung bei der notwendigen Datenerhebung leisten kann. Zusätzlich zu den Berechnungen sollen zwei bedeutende Anbauregion in Bayern qualitativ untersucht werden. Qualitative Erhebungsmethoden wie Experteninterviews ermöglichen es, komplexe Themenstellungen tiefergehend zu betrachten und die Perspektiven von relevanten handelnden Personen z. B. in einem thematisch oder geografischen abgegrenzten Bereich zu erfassen. Als wichtige repräsentative bayerische Anbauregionen werden das bayerische Bodenseegebiet (Landkreis Lindau und Umgebung) und die fränkische Schweiz (Landkreis Forchheim und Umgebung) ausgewählt. Leifadengestützte Interviews werden mit Personen durchgeführt, die über einen privilegierten Zugang zu Informationen über die Situation in den Anbauregionen verfügen, aktuelle Themenfelder kennen und zukünftige Entwicklungen im Obstbau abschätzen können (u. a. Produzenten, Händler, Berater). Die beiden Untersuchungsregionen werden losgelöst von den Anbauschwerpunkten gesamtheitlich als Anbauregionen betrachtet, um wichtige Entwicklungsmöglichkeiten und Themenschwerpunkte herauszuarbeiten (z.B. Entwicklungen im Biobereich, Absatz und Handelsstrukturen, Herausforderungen durch den Klimawandel). Die Interviews werden im Anschluss verbatim transkribiert und mittels induktiver qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.

Literaturquellen