Das Schwein in Tiermedizin und Landwirtschaft − Patient und Schnittstelle zwischen tierärztlicher Praxis und landwirtschaftlichem Betrieb

Hintergrund

Der eher schulische Aufbau der veterinärmedizinischen Ausbildung an einer Universität vermittelt vor allem einen theoretischen Wissensgewinn während des Studiums. Nach Erlangung der Approbation benötigen viele Studierende lange Einarbeitungszeiten in die neue Arbeitsstelle, bis sie in der Lage sind, selbst einfache praktische Tätigkeiten routiniert durchzuführen oder Gegebenheiten in den Betrieben lösungsorientiert und pragmatisch anzugehen.

Das Studium der Landwirtschaft an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften vermittelt in sechs theoretischen und einem praktischen Semester zwar sowohl eine solide theoretische Grundlage als auch eine starke Praxisorientierung, jedoch fehlt zum Zeitpunkt der praktischen Ausbildung auf den Betrieben im 5. Fachsemester noch das Wissen aus der späteren Vertiefung in den beiden letzten Fachsemestern. Zusammenhänge in und Folgen für die Tiergesundheit sind zum Zeitpunkt des Praxissemesters in der Regel noch nicht ausreichend vorhanden.

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Das Schwein als Patient und Schnittstelle zwischen tierärztlicher Praxis und landwirtschaftlichem Betrieb

Vorgehensweise und Zielsetzung

In diesem e‐Learning‐Projekt sollen Inhalte des Bachelorstudiengangs Landwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (Studiengang Landwirtschaft, Modul: Schwerpunkt tierische Erzeugung II) mit Inhalten des Studiengangs Tiermedizin der LMU München (Schwerpunkt Schwein: Innere Medizin, Chirurgie und Reproduktion) kombiniert werden.

Die enge Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung zwischen Landwirtschaft und Tiermedizin ist im Nutztierbereich von großer Bedeutung. Ziel dieses Projekts ist es, die Zusammenarbeit beider Partner zu fördern, die jeweiligen Kompetenzen kennenzulernen und eigene Schwerpunkte zu vertiefen. Durch das neu entwickelte Wahlpflichtfach als digitales Lehrangebot "Das Schwein in Tiermedizin und Landwirtschaft" können die Studierenden tiefere Zusammenhänge zwischen artgerechter Haltung und Fütterung der Tiere sowie den Konsequenzen für die Tiergesundheit nachvollziehen.

Fachliche Beurteilungen, bei denen die beiden Disziplinen Tiermedizin und Landwirtschaft zu einer qualifizierten Problemlösung notwendig sind, werden eingeübt. Die Veranschaulichung wichtiger diagnostischer Tätigkeiten sowie wirklichkeitsnaher Gegebenheiten mittels Videosequenzen ist über einen Online‐Kurs besser vermittelbar als in einer Präsenzveranstaltung. Neben dem Erwerben eines entsprechenden Fachwissens sollen die Studierenden dessen Anwendung unter digital simulierten und realistisch dargestellten Bedingungen einüben und damit besser auf eine praktische Tätigkeit vorbereitet werden. Die Studierenden analysieren und beurteilen die individuelle Fallsituation und generieren entsprechende Behandlungsstrategien und Prophylaxemaßnahmen.

Projektabschluss und Einsatz in der Lehre

In dem im Rahmen des Projektes fertiggestellten Online-Kurs werden Inhalte des Bachelorstudiengangs Landwirtschaft (Modul Schwerpunkt Tierische Erzeugung II) der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf mit Inhalten des Studiengangs Tiermedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München (als Wahlpflichtfach ab dem sechsten Semester) kombiniert.

Jeder der Themenblöcke ist in einen Theorieteil und 1-3 praxisnahen Fallbeispielen unterteilt. In dem Theorieteil werden die Grundlagen für die erfolgreiche Bearbeitung der Fälle vermittelt. Im Bereich der Inneren Medizin wird auf Untersuchungsmethoden, Diagnosestellung unter Einbeziehung von Differentialdiagnosen, Krankheitsverlauf, Therapie und Prophylaxe verschiedener Krankheitsbilder eingegangen (TAppV, Lernzielkatalog der Tiermedizin). Ebenso werden im tiermedizinischen Bereich Aspekte der Chirurgie erörtert. Darüber hinaus wird Wissen über Futtermittel, Ernährung, Haltung und Umweltwirkungen fachübergreifend vertieft. Unterstützt wird die Aufarbeitung durch veranschaulichende Grafiken, Fotos und Videosequenzen. Das erworbene theoretische Wissen kann in den praktischen Fällen umgesetzt werden. Hierbei bestehen insgesamt 10 Fälle aus tiermedizinischen Inhalten, 6 Fälle aus fächerüberschneidenden Themengebieten und 1 Fall aus rein landwirtschaftlichen Inhalten.

Einsatz des vhb-Kurses an der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf