Biotopstümpfe (Hochstümpfe) als Lebensraum für xylobionte Artengemeinschaften - Studie einer unechten Zeitreihe

Wälder sind nicht nur wichtige Wirtschaftsobjekte, sondern haben supranationale Bedeutung für das Klima und die Biodiversität. Deutschland ist in diesem Kontext ein Waldland mit besonderer Verantwortung für die temperaten Laubwälder. Auf dem überwiegenden Teil der Waldfläche wird nachhaltige Forstwirschaft betrieben und weitgehend der jährliche Zuwachs genutzt. Dadurch sind die Totholzmengen in jüngeren und mittelalten Wäldern im Vergleich zu Buchenurwäldern eher niedrig. Im Semenic (Rumänischer Buchenurwald) liegen die Totholzmengen bei rund 10 % der gesamten Biomasse. Entsprechend zahlreich sind die Nischen entlang eines Zersetzungs-, Wärme- und Stärkegradienten, die beobachtet werden können.

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Rund ein Drittel der ca. 20.000 im Wald lebenden Arten in Deutschland sind von Totholz abhängig (Winter et al 2016). Besonders die staatlichen Forstbetriebe haben die naturschutzfachliche Bedeutung des Totholzes erkannt und Anfang der 2000er Jahre begonnen, Strategien zur Integration von Totholz zu entwickeln. Ein wichtiges Totholzelement in bewirtschafteten Wäldern ist dabei das stehende Totholz, das in Urwäldern rund ein Drittel der Totholzbiomasse ausmacht. Aufgrund des Höhen- und Feuchtigkeitsgradienten hat diese Struktur besonders hohe Bedeutung für die Biodiversität, deutlich mehr noch als bloße Stöcke.

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Um besonders den Mangel an stehendem Totholz in mittelalten Wäldern an dieser Struktur auszugleichen und Flächen mit unterschiedlicher Totholzausstattung zu vernetzen, haben die Bayerischen Staatsforsten bisher 3000 Hochstümpfe als Naturschutzmaßnahme geschaffen. Anders als andere Totholzstrukturen entsteht diese Ressource aktiv im Zuge der Bewirtschaftung. Stümpfe, die mit Harvestern geschaffen werden, haben einen begrenzten Durchmesser (max. 40 cm BHD) und eine limitierte Höhe (< 6m). Damit können sie als Totholz nur gewisse xylobionte Lebensgemeinschaften abbilden, die eher bodennah und damit kühl-feuchter geprägt sind, so die Hypothese. Dennoch zeigt auch die aktuelle Diskussion um das Insektensterben, dass es nicht nur um seltene Arten an sich geht, sondern auch um Abundanzen von Insekten. Sie spielen einen wichtigen Beitrag in der Nahrungskette der Waldlebensgemeinschaft und haben direkten Einfluss auf die Dichte von Parasitoiden, Fledermaus- und Vogelarten. Während z .B. im Offenland die Zahl der Stare (Vogel des Jahres 2018) seit 1990 um 40 % oder 200.000 Kilogramm in Deutschland zurückgegangen ist (Baierlein 2017), blieb die Dichte der waldbwewohnenden Vogelarten im gleichen Zeitraum nahezu unverändert (Wahl et al 2015).