Digitalisierung - anwenden, bewerten und kommunizieren - Experimentierfelder als Kooperation zwischen familiengeprägten Ackerbaubetrieben und praxisnahen Bildungseinrichtungen (Diabek)

Abstract

Digitale Methoden bieten vielfältige Möglichkeiten die Wirtschaftlichkeit von landwirtschaftlichen Betrieben zu steigern, Arbeitsspitzen zu brechen und die negativen Auswirkungen der Landbewirtschaftung auf die Umwelt zu reduzieren. Die Umsetzung erfolgt vor allem auf Betrieben mit im Bundesvergleich geringer landwirtschaftlicher Nutzfläche eher schleppend. Im Projekt Diabek sollen die Ursachen für die zurückhaltende Nutzung untersucht und landwirtschaftliche Betriebe bei der Umsetzung unterstützt und beraten werden. Aus den gesammelten Erfahrungen werden Konzepte für die Fort- und Weiterbildung entwickelt. Daneben spielen die Untersuchung der Auswirkung von digitalen Methoden auf die Umwelt und der Aufbau eines Kommunikationskonzepts eine zentrale Rolle.


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Projektlogo "Diabek" (Layout: Prof. Dr. Peter Breunig)

Etablierung von digitalen Test- und Experimentierfeldern in der Landwirtschaft durch das Bundesministerium für Erährung und Landwirtschaft (BMEL)

Auf landwirtschaftlichen Betrieben im ganzen Bundesgebiet soll im Rahmen der Errichtung von digitalen Test- und Experimentierfeldern untersucht werden, wie digitale Techniken optimal zum Schutz der Umwelt, zur Steigerung des Tierwohls und der Biodiversität, vor allem aber auch zur Arbeitserleichterung der Landwirte eingesetzt werden können. Diese Felder sollen auch Anlaufstellen für interessierte Praktiker sein und dem Wissens- und Informationstransfer in die Praxis und aus der Praxis dienen. Als eines der sechs ersten Experimentierfelder auf landwirtschaftlichen Betrieben und in ländlichen Räumen fördert das BMEL das HSWT-Projekt 'Diabek' - kurz für "Digitalisierung - anwenden, bewerten und kommunizieren" der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT). Am 17. Oktober 2019 übergab Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner den Förderbescheid an Projektleiter Prof. Dr. Patrick Noack von der Fakultät Landwirtschaft, Lebensmittel und Ernährung. Das mehr als drei Jahre laufende Projekt wird mit einer Summe von mehr als 1,2 Mio. Euro gefördert und am Biomasse-Institut am Campus Triesdorf der HSWT bearbeitet.

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Verteilung von Grundnährstoffen auf einem Schlag
Karte der scheinbaren elektrischen Leitfähigkeit (ECa) eines Standorts mit heterogenen Böden

Projektansatz 'Diabek'

Die Anforderungen an die Landwirtschaft nehmen in Mitteleuropa im Bereich der Ertragssicherung, des effizienten Ressourceneinsatzes und der Auswirkungen auf die Umwelt deutlich zu. Zusätzlich müssen neben den Wirkungen des Klimawandels auch die gesellschaftlichen Anforderungen an die pflanzliche und tierische Erzeugung berücksichtigt werden. Auf Betriebsebene wirken sich der Strukturwandel und der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern erschwerend auf die Produktionsbedingungen aus. Das Angebot an digitalen Werkzeugen und Methoden für die Optimierung der Bewirtschaftung hat in den letzten Jahren, bei einem gleichzeitigen Rückgang der notwendigen Investitionskosten, massiv zugenommen. Viele Werkzeuge sind sogar kostenlos verfügbar. Trotz der objektiv betrachtet technisch und ökonomisch deutlich verbesserten Rahmenbedingungen für den Einstieg in die teilflächenspezifische Bewirtschaftung bleibt festzustellen, dass landwirtschaftliche Betriebe in klein strukturierten Gebieten (z. B. Bayern, Baden-Württemberg) bei der Nutzung digitaler Systeme Zurückhaltung zeigen.

Das Projekt Diabek setzt an den in der Praxis vorgefundenen Bedenken hinsichtlich digitaler Werkzeuge an und verfolgt das Ziel, diese strukturiert zu erheben und zusammen mit Betriebsleitungen Lösungsansätze für eine schrittweise Implementierung von teilflächenspezifischen Bewirtschaftungsansätzen zu erarbeiten. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der konsequenten Nutzung der bereits vorhandenen betrieblichen Ausstattung. Die konkreten Ziele sind die Identifikation und Bewertung von technischen und pflanzenbaulichen Herausforderungen seitens der Betriebsleitungen sowie die gezielte Schulung zum Aufbau eigener Entscheidungs- und Handlungskompetenz. Zusätzlich wird im Rahmen des Projektes das Potential digitaler Lösungen für Verbesserungen im Bereich des Umwelt- und Ressourcenschutzes untersucht. Im Mittelpunkt stehen hier die Steigerung der Ressourceneffizienz, die Reduktion von Emissionen und Rückständen und die Etablierung neuer Anbausysteme (Controlled Traffic Farming, Gewannebewirtschaftung, Anlage von Blühstreifen im Feld). Zudem soll geprüft werden, wie digitale Systeme die landwirtschaftliche Produktion transparenter gestalten können und die aktive Kommunikation über aktuelle Entwicklungen die gesellschaftliche Akzeptanz der Landwirtschaft steigern kann.

Ziele des Projekts

1. Entwicklung von Ansätzen zur stärkeren Verbreitung des Einsatzes digitaler Technologien auf landwirtschaftlichen Betrieben
2. Bewertung digitaler Lösungen im Hinblick auf Umwelt- und Ressourcenschutz und Erhöhung der gesellschaftlichen Akzeptanz moderner landwirtschaftlicher Anbausysteme
3. Entwicklung von Ansätzen zum Wissenstransfer und kontinuierlicher Weiterbildung in der landwirtschaftlichen Praxis

Ausgewählte Arbeitspakete

1. Umsetzung digitaler Lösungen in ausgewählten Praxisbetrieben
2. Evaluierung der eingesetzten digitalen Methoden
3. Bewertung digitaler Lösungen im Hinblick auf Umwelt- und Ressourcenschutz in ausgewählten Praxisbetrieben
4. Verbraucherbefragung und Kommunikationskonzepte
5. Entwicklung und Umsetzung von Schulungen und Workshops für Landwirtinnen und Landwirte