Wertschöpfung und nachhaltige Bewirtschaftung unternutzter Pflanzenarten der Walnusswälder Kirgisistans durch Nutzung ihres ernährungsphysiologischen Potenzials und ihrer sekundären Pflanzenstoffe; Teilvorhaben HS Rhein-Waal (SusWalFood)

Einleitung

Die Walnusswälder in Kirgisistan sind eine einzigartige biologische und sozio-ökonomische Ressource. Die derzeitige Waldbewirtschaftung ist jedoch nicht nachhaltig, große Teile des Waldes sind überaltert und nur einem Teil der Lokalbevölkerung kommt der Nutzen von Waldprodukten zugute. Walnüsse werden traditionell für die menschliche Ernährung verwendet und stellen ein wirtschaftlich wichtiges Produkt dieser Wälder dar. Die Walnusswälder beherbergen darüber hinaus viele weitere Pflanzenarten, die für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Wegen fehlender Wertschöpfungskette wird das Potenzial der Waldprodukte nicht voll ausgeschöpft. Es besteht auch eine Reihe von Forschungslücken. Eine bessere Nutzung der Ressourcen aus den Walnusswäldern kann helfen die Ernährungssicherheit zu unterstützen, das Einkommen lokaler Kleinbauern zu erhöhen und damit eine nachhaltigere Waldbewirtschaftung fördern. Die vorliegende Arbeit ist ein Teilprojekt des SusWalFood-Projektes. Es zielt auf die Erarbeitung des sozio-ökonomischen Verständnisses des Beitrags der Nutzung von Walnusswäldern auf die Lebensbedingungen der Menschen in dieser Region ab. Ebenso wird die Nachhaltigkeit der derzeitigen Nutzung untersucht. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen damit zur nachhaltigen Verbesserung des Lebensstandards, der Einkommensverhältnisse der Familien und der nachhaltigen Nutzung der Waldgebiete beitragen. Insbesondere sollen die Ergebnisse auch dazu dienen für weitere Forschungsprojekte eine stabile Datenbasis zu generieren.

Abb1 suswalfood
Trocknung der Walnüsse,Kyzyl-Ünkür, Oktober
Abb2 suswalfood
Untersuchungen Kyzyl-Ünkür (Quelle: StepMap GmbH)

Vorgehen

Die Befragung wurde in der Hauptstadt Bischkek in einem zweiwöchigen Workshop zusammen mit Projektmitgliedern aus der Hochschule Rhein-Waal und der UCA vorbereitet. Die Befragung wurde durch zwei Wissenschaftlerinnen der HSWT in der Untersuchungsregion über einen Zeitraum von 4 Wochen durchgeführt. Der Kern der Datenbasis wurde durch eine umfassende Befragung von Familien, die im Dorf Kyzyl-Ünkür in Südkirgisistan leben, erstellt. Das Dorf wurde durch die Projektleitung bereits als Untersuchungsort festgelegt (Abbildung 2). Es liegt im südlichen Teil Kirgistans auf ca.1.250-1.400m Höhe mit 4.902 Einwohnern in 1.025 Haushalten. Kyzyl–Ünkür besteht aus 5 Teildörfern (Tabelle 1). Es wurde festgelegt, dass aus jedem Teildorf 10% der Familien befragt werden sollen. Die Auswahl der Familien erfolgte dann über eine Zufallsauswahl. Insgesamt wurden 102 Familien befragt. Für die Befragungen wurde eine aussagekräftige quantitative und qualitative Datenerhebung durch teilnehmende Beobachtung, strukturierte Interviews, standardisierten Fragebögen mit offenen und geschlossenen Fragen verwendet. Der standardisierte Fragebogen wurde in Pretests auf Praktikabilität und Zielgenauigkeit getestet. In der sozioökonomischen Befragung wurden die Bereiche Ausbildung, Beschäftigung, Zusammenarbeit und Zustand des Waldes abgefragt. In der ökonomischen Befragung wurden die Deckungsbeiträge der verschiedenen Produkte aus Landwirtschaft, Verarbeitung und Forstwirtschaft erstellt, Familieneinkommen berechnet, Arbeitskapazitäts- und Ressourcenanalysen durchgeführt. Die Datenerhebung in der Region ist schwierig, da es eine zugängliche Buchführung nicht gibt. Obwohl versucht wurde eine Vertrauensbasis zu schaffen und die Anonymität der Datenverarbeitung garantiert wurde gestalte sich die Datenerhebung schwierig. Für die statistische Datenanalyse wurde Excel, SPSS und STATA verwendet.

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Ergebnisse

Die Walnuss-Obstbaum-Mischwälder Süd-Kirgistans sind ein Waldökosystem. Sie umfassen ein natürliches Verbreitungsgebiet von 230.000 ha, davon sind ca. 40.500 ha Walnusswälder (Musuraliev, 2004). Zum Dorf Kyzyl-Ünkür gehören ca. 22.466,5 Mischwälder, davon sind 1.005 ha Walnusswälder (Leshoz Dokumentation 2017). Nur wenige Bewirtschafter verfügen über eine landwirtschaftliche und/oder forstwirtschaftliche Ausbildung (knapp 5%). Die Flächen sind knapp. Es fehlt an Futterflächen für Tiere, weshalb dieses zugekauft werden muss. Die durchschnittliche. Ackerfläche je Familie beträgt ca. 10-15 Ar. Nur die Hälfte der Familien nutzt die Ackerfläche für Pflanzenproduktion. Bei den anderen ist eine Nutzung aufgrund zu niedriger Produktivität, z. B. wegen Bäumen auf der Fläche, nicht rentabel. 80% der Familien betreiben Viehhaltung. Dabei werden v.a. Rinder und Pferde gehalten. Je Familie, die Viehhaltung betreibt, verfügt über ca. 5-6 Großvieheinheiten (Tabelle 2). Die Mischwälder werden von allen Familien genutzt. Die durchschnittliche Flächengröße der Mischwälder liegt bei 3-4ha je Familie. Aus dem Mischwald werden Nüsse, Brennholz, Apfel, Pilze, Beeren und Kräuter gesammelt sowie Honigprodukte erzeugt. Ihr Beitrag zur Einkommenssicherheit und Beschäftigungsmöglichkeit auf lokaler Ebene ist von sehr großer Bedeutung. Sie sind für die Existenzsicherung unabdingbar.

Abb3 suswalfood
Tab2 suswalfood

Aus ökonomischer Sicht können die Familien in drei verschiedene Einkommenstypen eingeteilt werden. - Typ 1: Schwerpunkt des Einkommens über Wald = 40,6% der Befragten. - Typ 2: Tierhaltung und teilweise Nutzung der Waldproduktion = 21,9% der Befragten. - Typ 3: Lohnarbeit und teileweise Nutzung des Waldes = 37,5% der befragten Familien. Aus soziologischer Sicht können Familien in vier Hauptgruppen eingeteilt werden (Tabelle 3): - Gruppe 1: ohne Waldfläche - Gruppe 2: bis 3 ha Waldfläche - Gruppe 3: bis 6 ha Waldfläche - Gruppe 4: mehr als 6 ha Waldfläche.

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Abb4 suswalfood
Bienenstöcke im Walnusswald