Schnittmuster - Mahdmosaik und Vielfalt in einer grünlanddominierten Landschaft

Im Zuge der Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie und der bayerischen Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt liegt der Fokus auf der Verteilung der Biodiversität in der Normallandschaft. Dort sollen besonders artenreiche Bereiche erhalten und sinnvoll miteinander verbunden werden, um dauerhaft wenigstens das aktuelle Maß an vorhandener Vielfalt auch außerhalb von Schutzgebieten zu erhalten oder besser wieder zu steigern. Grünland ist eine Nutzungsform, die immer noch weiter abnimmt, entweder durch Grünlandumbruch, im Zuge von Brachlegung, durch Aufforstung oder aufgrund der allgemeinen Flächeninanspruchnahme für Infrastruktur und Siedlungsbereiche. Hieraus leitet sich eine auch weiterhin bestehende Dringlichkeit für die Untersuchung und Erhaltung der biologischen Vielfalt in grünlanddominierten Landschaften ab.

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Feuchtwiese mit Schachbrettblume (Sinngrund, Unterfranken)
Feuchtwiese mit Großem Wiesenknopf (Mittelfranken)

Zielsetzungen des Projekts

Das dreijährige Forschungsprojekt hat zum Ziel, die Biodiversität in einer grünlanddominierten Kulturlandschaft in einem mehrskaligen Ansatz zu evaluieren:

- Im Rahmen eines Blockversuchs soll die Wirksamkeit von Maßnahmen des Vertragsnaturschutzes experimentell überprüft werden.

- Auf Ebene eines Landschaftsausschnitts soll die Verknüpfung von Felddaten und Fernerkundungsdaten zu einer flächendeckenden Karte der Vielfalt führen.

- Auf Landschaftsebene soll erfasst werden, wie die Vielfalt der Gefäßpflanzen und der Vegetationstypen in der Normallandschaft verteilt ist. Auf dieser Skala soll sowohl die α- wie auch die β- und die γ-Diversität beurteilt werden. (α-Diversität: Artenvielfalt innerhalb der Bestände, β-Diversität: Verschiedenartigkeit der Bestände, γ-Diversität: Artenvielfalt in der Landschaft).

Das Projekt soll aufzeigen, welche Lebensräume im Untersuchungsgebiet besonders artenreich sind, welcher Reichtum an Arten und Vegetationstypen vorhanden ist und was mehrjährige Naturschutzmaßnahmen bewirken können. Auf dieser Basis kann beurteilt werden, wie groß der Bedarf für Maßnahmen zugunsten der Vielfalt der Gefäßpflanzen in der Normallandschaft ist. Um die funktionalen Zusammenhänge zu erfassen, wird eine Analyse funktionaler Pflanzeneigenschaften auf allen drei Maßstabsebenen integriert. Die gewonnenen Daten werden letztlich dazu dienen, aufzuzeigen, welche Lebensräume im Untersuchungsgebiet besonders artenreich sind, welcher Reichtum an Arten und Vegetationstypen vorhanden ist und was mehrjährige Naturschutzmaßnahmen bewirken können. Auf dieser Grundlage kann beurteilt werden, wie groß der Bedarf für Maßnahmen zugunsten der Vielfalt der Gefäßpflanzen in der Normallandschaft ist, und es kann entschieden werden, ob bisherige Naturschutzmaßnahmen so weitergeführt werden können wie bisher.

Projektgebiet

Als Projektgebiet wird das obere Altmühltal ausgewählt. Hier finden sich in der Normallandschaft aufgrund des geringen Gefälles vergleichsweise ausgedehnte Überflutungsbereiche, die eine Grünlandnutzung bedingen. Um die Normallandschaft zu berücksichtigen, werden auf der Landschaftsebene überwiegend Bereiche ohne Schutzgebiete untersucht. Damit soll eine realistische Einschätzung der tatsächlich vorliegenden Vielfalt ermöglicht werden. Der detaillierter untersuchte Bereich (Landschaftsausschnitt) wird dann im Wiesmet liegen, einem Natura2000-Gebiet, das in Bayern eine sehr hohe Bedeutung für die Wiesenbrüter besitzt. Da in diesem Gebiet neben konventionell genutzten vielschürigen Wiesen und Reinsaatflächen auch Vertragsnaturschutzflächen mit spätem Erstmahdtermin liegen und seit vielen Jahren Maßnahmen zur Erhaltung der Nutzungsvielfalt umgesetzt werden, kann hieraus abgeleitet werden, wie artenreich die Bestände werden können, wenn Naturschutzmaßnahmen über längere Zeit greifen. Der experimentelle Bereich (Blockversuch) wird ebenfalls im Wiesmet liegen, da hier über den Vertragsnaturschutz die Bewirtschaftungsvarianten wie die Mahdzeitpunkte oder die Mähtechnik gesteuert werden (und auch für die letzten Jahre bekannt sind) und auch der Wasserhaushalt in einem gewissen Rahmen gelenkt werden kann.

Anwendungsbezug

Für die Ergebnisse des Projekts ist zum einen direkt ein Bedarf seitens der Projektpartner formuliert worden (Wirksamkeit der Maßnahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms VNP). Die Folgerungen für Maßnahmen zur positiven Entwicklung der Biodiversität in den betreuten Flächen werden direkt Eingang in die Praxis des Vertragsnaturschutzes finden. Zum anderen wird für die untersuchte Landschaft ein Bewertungsrahmen für die Vielfalt entwickelt. Dieser bildet die Grundlage für eine realistische Einschätzung des Entwicklungszustandes für einen größeren Raumausschnitt. Belastbare Daten, sowohl für gut entwickelte Flächen im FFH-Gebiet, wie auch für Flächen außerhalb der Schutzgebiete, werden bereitgestellt. Insgesamt werden die Ergebnisse die Entscheidungen der Naturschutzbehörden und des Landschaftspflegeverbandes zur Steuerung der Nutzung und des Wasserregimes unterstützen.

Gesellschaftliche Relevanz

Die gesellschaftliche Relevanz des Projektes ist dadurch gegeben, dass in der bayerischen Biodiversitätsstrategie die Erhaltung und Förderung der Biodiversität in der Normallandschaft als Ziel formuliert ist. Die Ergebnisse des Projektes sind dazu geeignet, aufzuzeigen, welche Lebensräume in der untersuchten grünlanddominierten Landschaft besonders artenreich sind, welcher Reichtum an Gefäßpflanzenarten und Vegetationstypen im Durchschnitt vertreten ist und was bei mehrjährigen Anstrengungen über Maßnahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms (VNP) maximal erreicht werden kann. Die Wirksamkeit der Maßnahmen des VNP wird für bestimmte Grünlandlebensräume überprüft. Auf dieser Grundlage kann entschieden werden, inwieweit bei VNP-Maßnahmen veränderte Bedingungen formuliert werden müssen oder der eingeschlagene Weg so weitergeführt werden soll.

Publikationen

Radlmayr, G. (2018): Biologische Vielfalt von grünlanddominierten Kulturlandschaften unter der Lupe. Pressemitteilung im idw-online, News 692891, 19.04.2018.
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Die abnehmende Biodiversität in unseren Ökosystemen ist ein wachsendes Thema in den Medien. Die nationale Biodiversitätsstrategie und die bayerischen Strategie zum Erhalt und zur Steigerung der biologischen Vielfalt haben sich zum Ziel gesetzt, gerade außerhalb von Schutzgebieten besonders artenreiche Bereiche zu erhalten und sinnvoll miteinander zu verbinden. Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf untersucht in einem dreijährigen vom Freistaat Bayern geförderten Forschungsprojekt, welche Lebensräume in grünlanddominierten Landschaften besonders artenreich sind, welche Vielfalt an Arten und Vegetationstypen vorhanden ist und was mehrjährige Naturschutzmaßnahmen bewirken können.