Vegetation der bayerischen Normallandschaft zwischen Klimaerwärmung und Landnutzungsdruck (LandKlif Teilprojekt 3) | Anpassungsstrategien an den Klimawandel im Landschaftsmanagement sowie der Landschafts- und Raumplanung (LandKlif Teilprojekt 10)

Die beiden Teilprojekte an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf sind eingebettet in das interdisziplinäre Verbundprojekt "LandKlif - Auswirkungen des Klimawandels auf Artenvielfalt und Ökosystemleistungen in naturnahen, agrarischen und urbanen Landschaften und Strategien zum Management des Klimawandels". Weitere Teilprojekte finden an Professuren der Universität Würzburg und der Technischen Universität München statt.


Teilprojekt 3 - Vegetation der bayerischen Normallandschaft zwischen Klimaerwärmung und Hemerobie

Trotz unbestreitbarer Erfolge bei der Erhaltung und Pflege besonders hochwertiger Lebensräume konnte der sektorale, auf relativ kleine Schutzgebiete beschränkte Naturschutz die biologischen Verarmung der bayerischen Landschaften nicht aufhalten. Nicht zuletzt im Klimawandel werden normale Wälder, Waldränder, Hecken, Grünland, Ackerränder und städtisches Grün als Korridore und Pufferzonen für ökologische Dienstleistungen benötigt. Dieses Teilprojekt untersucht die Vegetation dieser wenig beachteten Ökosysteme im Rahmen des Landklif-Designs im Hinblick auf ihre Empfindlichkeit gegenüber Erwärmung, Landnutzung und Urbanisierung und auf ihr Potential als Rückzugs-, Austausch- und Vernetzungsräume für Wildpflanzen und die davon abhängigen Lebensgemeinschaften. Daraus werden Empfehlungen für die gezielte Optimierung der grünen Infrastruktur durch Wald- und Landschaftspflege, Agrarumweltmaßnahmen und Grünflächengestaltung abgeleitet.

Es wird geprüft

- unter welcher Nutzungsintensität die Klimaantwort der Pflanzengemeinschaften am stärksten ist,
- ob Wälder mikroklimatische Refugien für empfindliche Arten darstellen,
- ob häufige Pflanzenarten innerartliche Anpassungen an das Makroklima zeigen
- und inwiefern Waldränder als Vernetzungsstrukturen fungieren.

Die Verschneidung von Tier- und Pflanzengemeinschaften erlaubt direkte Vergleiche der Klima- und Nutzungsabhängigkeit unterschiedlicher trophischer Gilden. Das verbesserte Verständnis von Resilienz und Anpassungsfähigkeit lenkt das Augenmerk der Planung stärker auf die häufigen Lebensgemeinschaften als Rückgrat von Biotopverbund und grüner Infrastruktur. Bislang wurde die Klimaabhängigkeit der Vegetation stets mit Fokus auf einzelne Arten oder Lebensraumtypen untersucht. Diese gängige Trennung von Disziplinen und Ressorts, wird jedoch weder der Biodiversität noch den Ökosystemfunktionen gerecht, die im Maßstab von Landschaften interagieren. Deshalb untersuchen die Forschenden der HSWT in diesem Teilprojekt die Pflanzenartenzusammensetzung von bayerischen Landschaften und ihren Lebensräumen als Funktion von Klima und menschlicher Beeinflussung anhnd eines stratifizierten Satzes von Vegetationsaufnahmen. ln jeder LandKlif-Landschaft wird eine Serie von zehn Habitaten entlang des Hemerobiegefälles vom Wald (1. naturnaher Wald -> 2. Koniferenforst -> 3. Waldmantel) zur Agrarnutzung (4. extensives Grünland -> 5. Hecke/Ranken -> 6. Intensivgrünland -> 7. Acker) bzw. zur Stadtvegetation (8. Park -> 9. Brache-> 10. Begrünung) untersucht.

Methodik und Vorgehensweise

In jedem Landschaftsausschnitt wird eine Serie von 10 Habitaten entlang des Hemerobiegefälles vom Wald (naturnaher Wald -> Koniferenforst -> Waldmantel) zur Agrarnutzung (extensives Grünland -> Hecke/Ranken -> Intensivgrünland -> Acker) sowie zur Stadtvegetation (Park -> Brache-> Begrünung) untersucht. Vegetationsaufnahmen von 25 bis 400 m² [4] werden in Abstimmung mit den Teilprojekten 1, 2 und 4 in der Habitatreihe jedes Landschaftsausschnitts platziert. Neben Schichtdeckungen und –höhen werden alle Gefäßpflanzenarten mit ihrer prozentualen Deckung erfasst, woraus sich Diversitätsindizes und funktionelle Spektren ableiten lassen.

Dichte und Struktur werden an Hand von Hemisphärenfotos erhoben. Im Zentrum der Aufnahme wird ein Thermobutton platziert und eine Bodenprobe (Teilprojekt 1) entnommen. An der Gehölzverjüngung wird der Wildverbiss bonitiert. Pro Habitattyp wird eine weit verbreitete Pflanzenart zur Entnahme von Blattproben (Blattfläche, Spaltöffnungen, Fraßspuren) ausgewählt. Dieselben Arten werden unter kontrollierter Abschattung und Bewässerung (2x2 Stufen) in Töpfen kultiviert und auf Blattmerkmale untersucht. Habitatspezifische Pflanzenartenpools pro Landschaftsausschnitt werden auf Basis der floristischen Datenbank modelliert. Artengemeinschaften sowie Abundanzen und Blattmerkmale ausgewählter Arten werden durch Regression und Ordination mit Standortvariablen, Landschaftsstruktur (Relief, Landnutzung/Hemerobie, Konnektivität) und tierökologischen Befunden (Bestäuber, Herbivore, Parasiten, Rote Liste-Arten) in Beziehung gesetzt.

Teilprojekt 10 - Anpassungsstrategien an den Klimawandel im Landschaftsmanagement sowie der Landschafts- und Raumplanung (Prof. Dr. Christoph Moning)

Der Klimawandel wirkt sich auf die Funktionen der Landschaft als Ganzes, insbesondere jedoch auf Zustand und Management von wertbestimmenden Arten und Lebensräume sowie die ökologischen Leistungen der Natur aus. TP10 untersucht, mit welchen planerischen Instrumenten Biotopverbund und grüne Infrastruktur in unterschiedlich intensiv genutzten Landschaften an den Klimawandel angepasst werden können. Die in den Teilprojekten 2-9 gewonnenen Ergebnisse werden auf ihre planerische Umsetzbarkeit geprüft. Dabei wird abgeschätzt, welche Beiträge die vorhandenen Instrumente Landschafts- und Raumplanung, Ländliche Entwicklung, Agrarumweltmaßnahmen, ökologische Kompensation und Naturschutzmanagement zur notwendigen Anpassung leisten können. Unter Berücksichtigung unterschiedlicher Klimabedingungen, Landnutzungsintensitäten und Urbanisierungsgrade werden differenzierte Vorschläge zu ihrer Verbesserung und Erweiterung in Bayerns Landschaften gemacht.

Projektlogo

Verbundprojektleitung

Prof. Dr. Ingolf Steffan-Dewenter (Koordination)
Universität Würzburg Link

Teilprojektleitung


Projektbearbeitung



Projektdauer

01.05.2018 - 30.04.2023

Projektpartner

Projektträger

Projektförderung

Weblinks

LandKlif Verbundprojektseite bei bayklif Link
Faltblatt bayklif: "Gemeinsam gegen die Folgen des Klimawandels in Bayern" Link

Dieses Projekt wird durch das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen des Bayerischen Klimaforschungsnetzwerks (bayklif) gefördert.