Analyse der Märkte für ausgewählte Öko-Produkte in Bayern - Entwicklung und Potential des Öko-Milchmarkts sowie der Märkte für weitere ökologische Erzeugnisse

Hintergrund

Die ökologische Landwirtschaft hat in Bayern eine besondere Bedeutung. Mit fast 8.000 Betrieben, die rund 250.000 ha Fläche ökologisch bewirtschaften, steht Bayern im bundesweiten Vergleich an der Spitze. Fast ein Drittel der deutschen Öko-Betriebe befinden sich in Bayern, dazu kommen über 3.000 Verarbeitungsbetriebe für ökologische Erzeugnisse. Mit dem Landesprogramm BioRegio Bayern 2020 soll erreicht werden, dass die Nachfrage nach Öko-Lebensmitteln vermehrt aus heimischer Produktion gedeckt wird. Im vorliegenden Projekt werden die Märkte für ökologische Milch und Ziegenmilch mit dem Koppelprodukt Ziegenkitze sowie weitere Teilmärkte analysiert. Die gewonnenen Erkenntnisse über Entwicklung und Wachstumspotential dieser Märkte und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungenn für Politik und Wirtschaftbeteiligte tragen dazu bei, das Ziel der Verdopplung des Öko-Landbaus in Bayern bis 2020 zu erreichen.

Fast 60% der in Deutschland erzeugten Öko-Milch kommt aus Bayern (429.100 t). Der Markt für Öko-Milch spielt daher eine Schlüsselrolle für die Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft in Bayern und die Erreichung der Ziele von BioRegio 2020. Aktuell stellt sich die Situation für Öko-Milcherzeuger positiv dar, der Öko-Milchpreis ist auf hohem Niveau stabil und hat sich vom konventionellen Milchmarkt entkoppelt. Das bietet Anreize für konventionell wirtschaftende Landwirte zur Umstellung auf ökologische Milchproduktion. Die Öko-Milchmenge wird sich nochmals deutlich erhöhen, dadurch entsteht Druck auf den Öko-Milchpreis. Niedrige Auszahlungspreise in Österreich verstärken diesen Effekt noch.

Produktdifferenzierungen

Innerhalb des Öko-Milchmarkts werden Möglichkeiten zur Produktdifferenzierung zunehmend genutzt, zum Beispiel regionale Bio-Milch (mit dem Bayerischen Bio-Siegel), Bio-Heumilch, Milch von Kühen mit Hörnern oder Ziegenmilch. Besonders Ziegenmilchprodukte erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei den Verbrauchern, und Bayern stellt ein Zentrum der Ziegenmilcherzeugung in Deutschland dar. In Zusammenhang mit der Ziegenmilchproduktion stellt sich immer auch die Frage nach der Verwertung der männlichen Ziegenkitze. Die Aufzucht der Kitze ist mit hohem Aufwand verbunden und für die Betriebe in der Regel unwirtschaftlich. Eine frühere Studie im Rahmen des BÖLN hat gezeigt, dass mit entsprechenden Marketingmaßnahmen (insbesondere Verkostungen) die Verbrauchernachfrage nach Bio-Ziegenkitzfleisch gefördert werden kann. Gleichzeitig bestehen aber Defizite innerhalb der Wertschöpfungskette, was eine koordinierte Erfassung und Lieferung der Tiere betrifft. Bei den Milchziegen in Bayern handelt es sich überwiegend um ökologisch gehaltene Tiere. Die ungünstige Vermarktungslage trifft damit besonders Öko-Betriebe in Bayern.

Neben wichtigen Schlüsselprodukten wie der Milch sind für die Verfügbarkeit von Öko-(Verarbeitungs)Produkten aus Bayern ökologische Erzeugnisse relevant, bei denen die Selbstversorgung in Bayern bisher gering ist oder die Vermarktungspotenziale nicht genügend ausgeschöpft werden. Im Hinblick auf das neue Bayerische Bio-Siegel, für dessen Nutzung optimaler Weise alle Bestandteile eines Produkts aus Bayern stammen und alle Verarbeitungsschritte in Bayern erfolgen sollen, ist es wichtig zu wissen, welche Zutaten in welchem Umfang tatsächlich verfügbar sind und wo Engpässe z. B. auch in Lieferketten und Infrastruktur bestehen. Für ökologisches Schweine- und Geflügelfleisch wurde eine entsprechende Analyse in einem noch bis Ende 2016 an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) laufenden Projekt durchgeführt. Auch an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) gab es einige Abschlussarbeiten, die sich mit den Potentialen von verarbeiteten Öko-Produkten aus bayerischen Rohstoffen befasst haben.

Zielsetzungen und Forschungsfragestellungen

Angesichts der oben beschriebenen Situation könnte es in Zukunft durchaus zu Verwerfungen am Öko-Milchmarkt kommen. Damit negativen Entwicklungen möglichst frühzeitig entgegengewirkt werden kann, sind Informationen über die Marktentwicklung und insbesondere das Nachfragepotential von Handel und Verbrauchern entscheidend. Daher sollen im Projekt schwerpunktmäßig folgende Fragestellungen untersucht werden, um aus den Erkenntnissen Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaftsakteure abzuleiten:

- Welches Nachfragepotential für Öko-Milch besteht in Bayern? Welche Entwicklungen sind hier absehbar?
- Wie entwickeln sich Herstellermarken und Handelsmarken für Öko-Milch im Einzelhandel?
- Wie reagieren die Molkereien, die Öko-Milch verarbeiten, und die Erzeugerorganisationen (EO) auf die Marktsituation?
- Welche Auswirkungen und Potentiale ergeben sich im Markt für ökologische Milchverarbei-tungsprodukte?
- Welche Bedeutung und welches Potential hat eine höhere Produktdifferenzierung (regio-nal, Heumilch etc.) auf dem bayerischen Bio-Milchmarkt?

Die gewonnenen Erkenntnisse zum Öko-Milchmarkt können von Erzeugern, Verarbeitern und Handel für strategische Entscheidungen herangezogen werden. So stellt beispielsweise die Produktdifferenzierung mit einem Zusatznutzen für Verbraucher eine Möglichkeit dar, eine höhere Zahlungsbereitschaft und damit höhere Erlöse zu generieren, selbst wenn der Öko-Milchpreis unter Druck steht. Für Ziegenkitze, die als Koppelprodukt der Öko-Ziegenmilcherzeugung ebenfalls vermarktet werden müssen, sollen im Projekt Maßnahmen innerhalb der Wertschöpfungskette vom Erzeuger zum Handel entwickelt werden, um bestehende Defizite zu reduzieren und praktikable Lösungen für die Erzeuger zu schaffen.

Im Arbeitskreis „Märkte für Öko-Lebensmittel“ der LfL, in dem auch die Öko-Verbände vertreten sind, wurden weitere Teilmärkte identifiziert, zu denen bisher kaum Informationen vorliegen, deren Weiterentwicklung aber für die ökologische Landwirtschaft in Bayern von Bedeutung ist. In Kooperation mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf sollen diese Märkte im Rahmen von Abschluss- und Projektarbeiten untersucht werden. Dabei gilt das Forschungsinteresse der HSWT primär den folgenden Fragen:

- Welche Verarbeitungs- und Vermarktungseinrichtungen für die analysierten Spezialprodukte aus bayerischem ökologischen Anbau gibt es bereits und welche Potenziale können noch erschlossen werden?
- Welche Optionen regionaler Wertschöpfungspartnerschaften können identifziert werden?

Im LfL-Arbeitkreis Ökomärkte ist eine Priorisierung der Produktbereiche inzwischen erfolgt. Folgende Themen sollen zunächst behandelt werden:

- Marktübersicht für bayerische Bio-Ölfrüchte mit besonderem Fokus auf Senf
- Öko-Cerealien und Pseudocerealien (Hirse, Buchweizen und Hafer)
- Herstellung von Bio-Fruchtzubereitungen bzw. Säften
- Öko-Kräuter

Methodik

Als wissenschaftliche Methoden stehen die Auswertung von Daten von Marktforschungsinstituten und Datenbankinformationen sowie Experteninterviews im Vordergrund.

Verbundprojektleitung

Johannes Enzler (Koordination)
Landesanstalt für Landwirtschaft Link

Projektleitung

Projektdauer

01.09.2017 - 28.02.2020

Projektpartner

Projektförderung