Grenzüberschreitendes Konzept für Naturschutz und Naturerlebnis im Gebiet des Böhmischen Waldes und der Oberpfalz

Das bayerisch-tschechische Grenzgebiet im Bereich des Landschaftsschutzgebiets Böhmischer Wald sowie der Naturparke Nördlicher Oberpfälzer Wald, Oberpfälzer Wald und Oberer Bayerischer Wald stellt eine Gebietsfläche von außerordentlichem natürlichen Wert dar. Vor allem das Landschaftsbild und das hohe Maß an Biodiversität dieses Gebietes ist Gegenstand des Schutzes. Dem steht ein wachsendes wirtschaftliches Interesse gegenüber, das sich vor allem in der Touristik und der Erholungsbranche zeigt. Die Anforderungen an den Ausbau der touristischen Infrastruktur sollten in Übereinstimmung mit den Belangen des Naturschutzes mit einer Minimierung der Risiken von Konflikten reguliert werden.

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Typisches Foto aus dem Projektgebiet; im Vordergrund die Ortschaft Ast, im Mittelgrund Waldmünchen, im Hintergrund das Grenzgebirge mit dem Čerchov (1042m NN), dem höchsten Berg des Oberpfälzer Waldes (Bildautorin: Ursula Blum 2014)

Beide Belange weisen eine starke grenzübergreifende Dimension auf. Auch wenn die Landesgrenze unterschiedliche Zugänge zum Naturschutz abgrenzt, die auf unterschiedlichen Gesetzgebungen basieren, ist es nützlich, die Auffassungen auf beiden Seiten der gemeinsamen Grenze möglichst zusammenzubringen. Das wichtigste Regelwerk auf der tschechischen Seite ist der Bewirtschaftungsplan des Naturschutzgebietes Böhmischer Wald (Fortschreibung 2016). Auf der deutschen Seite sind es die Errichtungspläne der drei genannten Naturparks. Die Partner können aus bisherigen Fehlern oder Erfolgen lernen. Die touristische Infrastruktur auf der bayerischen Seite ist auf hohem Niveau, was Probleme mit der touristischen Überlastung mit sich bringt. Die Infrastruktur auf der tschechischen Seite ist eher schwächer. Deshalb ist es noch möglich, die touristischen Aktivitäten besser zu lenken und dabei die Zusammenhänge auf der bayerischen Seite in höchstmöglichem Maße zu berücksichtigen. Dazu soll ein gemeinsames grenzüberschreitendes Konzept entstehen, das als Instrument für die Regelung der touristischen Aktivitäten dient und gleichzeitig einen maximalen Naturschutz gewährleistet.

Das Interreg Projekt "Grenzüberschreitendes Konzept für Naturschutz und Naturerlebnis im Gebiet des Böhmischen Waldes und der Oberpfalz" ist im Rahmen des "Programms zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit Freistaat Bayern – Tschechische Republik Ziel ETZ 2014–2020" entstanden.

Spezifisches Ziel: Erhöhung der Attraktivität des Programmgebiets durch Erhalt und Aufwertung des gemeinsamen Kultur- und Naturerbes in nachhaltiger Form

Das Ziel des Projekts ist es, die Voraussetzungen für die naturschonende Nutzung des natürlichen wie auch des touristischen Potenzials des Böhmischen Waldes und des angrenzenden Gebiets des Oberpfälzer Waldes zu schaffen. Dabei kommt es darauf an, die wichtigen Natur- und kulturhistorischen Werte zu erkennen, deren touristisches Potenzial zu definieren und daraus konzeptionelle Schritte zum Schutz dieser Werte zu
entwickeln. Diese sollen einerseits die Nutzung der Werte ermöglichen, sie aber andererseits vor einer Beschädigung schützen. Angesichts der engen Verflechtung des Böhmischen Waldes und des Oberpfälzer Waldes, deren hohe Wertigkeit sich oft grenzüberschreitend zeigt, ist es wünschenswert, die jeweiligen Ansichten über die Bedingungen für den umweltschonenden Ausbau des Tourismus möglichst so aufeinander abzustimmen, dass die Risiken eines Konflikts mit den Belangen des Naturschutzes im gemeinsamen Grenzgebiet minimiert werden können.

Als Schlüsselinstrument zur Verbesserung sehen die Projektpartner ein grenzüberschreitendes Gebietskonzept, das als Grundlage zur anschließenden Nutzung in breiter Partnerschaft der Behörden und der lokalen Akteure dient. Die Outputs können z. B. bei der Erstellung von Konzept- und Entwicklungsunterlagen, etwa der Flächennutzungspläne oder der Grundsätze der Gebietsentwicklung, genutzt werden. Das Innovationspotential des geplanten Projekts liegt darin, dass es sich um kein ausschließlich restriktives Instrument handeln soll. Vielmehr werden Möglichkeiten zur Ergänzung der fehlenden (touristischen) Infrastruktur gesucht, die gleichzeitig auch zur
Entlastung der Umwelt beitragen können. Das Projekt ist als Ergebnis der langfristigen Zusammenarbeit zwischen der Region Pilsen, der Regierung der Oberpfalz, der gemeinnützigen Regionalen Entwicklungsagentur der Region Pilsen, der Agentur für Natur- und Landschaftsschutz der Tschechischen Republik, der Verwaltung des Landschaftsschutzgebietes Böhmischer Wald und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (IÖL) zustande gekommen.

Vorgehensweise und Projektansatz

Der Projektansatz eines naturschonenden, konzeptuellen und nachhaltigen Tourismus in den wertvollen Gebieten (Landschaftsschutzgebiet Böhmischer Wald, bayerische Naturparks) ist in folgenden Punkten einzigartig:

- gemeinsame grenzüberschreitende Betrachtung (Synthese der bisherigen Auffassungen, gegenseitiger Austausch, Erkennung der gegenseitigen Prioritäten u.ä.)

- Verknüpfung des schützenden und sozialverantwortlichen Herantretens an den Naturschutz (Erschließung, Präsentation und Infrastruktur der Standorte)

- Weg der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen mehreren lokalen Partnern, um geeignete naturschonende touristische Aktivitäten herauszufinden (anstatt der üblichen restriktiven Maßnahmen)

Die Projektergebnisse werden überwiegend Konzeptdokumente sein, die unter Berücksichtigung der Wünsche und Bedürfnisse der Projektpartner entstehen und anschließend zum Management des Projektgebetes genutzt werden.

Das Projekt wird in folgenden Etappen durchgeführt:

1) Ermittlung der Naturwerte und Probleme des Projektgebiets und Synthese der abweichenden methodologischen Auffassungen. Dabei entsteht ein Kartenmaterial (GIS) mit Identifizierung und gemeinsamer Klassifizierung der Naturschutzgegenstände mit Ausrichtung auf gemeinsames Managements des Projektgebietes.

2) Bestandsaufnahme, Entwicklungspotenzial und Konflikte des Tourismus mit den Belangen des Naturschutzes: Daraus sollen die Bereiche mit dem größten Risiko identifiziert werden (Überlastung der touristischen Infrastruktur, Erneuerung der Wüstungen, Verkehr, Entwicklung der Siedlungen) und ein gemeinsames Konzeptdokument für das Gebiet erstellt werden.

3) Präsentation der Werte des Projektgebietes für die lokalen Akteure, die Einfluss auf die Weiterentwicklung des Zielgebietes haben sowie die die Vorstellung des Gebietes bei den Besuchern

Erwartete positive Wirkungen und Nachhaltigkeit der Projektergebnisse

Die wichtigste positive Wirkung des Projekts wird in der Verbesserung der Qualität des Naturschutzmanagements und damit des Schutzes der Natur und des Landschaftsbildes insgesamt in einem Gebiet erwartet, welches im Rahmen des bayerisch-tschechischen Grenzraums, zusammen mit dem Nationalpark Böhmerwald, zu den ökologisch wertvollsten gehört. Die wichtigsten Projektergebnisse, die diese positive Wirkung ermöglichen, sind:

I) gemeinsame grenzüberschreitende Methodik für die Klassifizierung und den Schutz der Naturwerte,

II) Erarbeitung einer gemeinsamen Karte der Naturwerte und

III) gemeinsames Gebietskonzept für den Naturschutz auf dem Hintergrund des Ausbaus des Tourismus.

Neben der positiven Wirkung auf das Niveau des Naturschutzmanagements ist zu erwarten, dass eine ganze Reihe von Teilergebnissen des Projekts eine positive Resonanz finden. Zu diesen gehört z.B. die Identifizierung der Wüstungen (auf dem Zielgebiet sind auf der tschechischen Seite ca. 73 Wüstungen bekannt). Auf beiden Seiten der gemeinsamen Grenze ist eine positive Resonanz der gemeinsamen Workshops zu Themen, die beide Seiten verbinden (gemeinsame Werte), zu erwarten. Positive Wirkungen auf beide Seiten des Grenzraums sind auch dank der Koordinierung der Vorhaben zu erwarten. Diese Vorhaben berücksichtigen die Naturwerte und die touristische Infrastruktur in der Komplexität des gesamten Gebiets. Ein konkretes Beispiel einer positiven Wirkung kann die geplante Vernetzung der Wanderwege auf beiden Seiten der Grenze sein. Eine positive Wirkung für den gesamten Grenzraum hat dann die Präsentation des gemeinsamen Raums mit wertvollen Naturwerten.

Die Projektergebnisse bzw. die Outputs (Karte der Naturwerte) und das gemeinsame Gebietskonzept sollen von den Projektpartnern (Böhmischer Wald, Region Pilsen, Regierung der Oberpfalz) und den lokalen Akteuren (Gemeinden und ihre Planungsbehörden) genutzt werden. Sie sollen Hilfsmittel bei der Verwaltungstätigkeit, bei der Erstellung der Flächennutzungspläne der Gemeinden und bei der Erwägung von ausgewählten touristischen Maßnahmen sein. Beispiel: eine geeignete Standortfestlegung für einen Parkplatz im Zusammenhang mit den geschützten Naturwerten und dem Wanderwegenetz.

Die gezielte Auswahl künftiger touristischer Ziele und die Lenkung der durchzuführenden Aktivitäten einschließlich der zugehörigen Infrastruktur ermöglichen ein Management der risikobehafteten Aktivitäten, ohne die soziale Entwicklung der Region zu unterbinden. In der Nachhaltigkeitsphase können die erlangten Erkenntnisse zur Präsentation des Zielgebiets und zu Zwecken der umweltbewussten Aufklärung und Bildung genutzt werden. Die Projektergebnisse sind z. B. im Rahmen der Ausbildungsprogramme der lokalen Grundschulen leicht nutzbar - mit Fokus auf Förderung der lokalen Kenntnisse und Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls mit dem Zielgebiet.