Entwicklung und Bewertung von Logistikketten bei Einsatz von entrindenden Harvesterfällköpfen (Debarking Heads II)

Innerhalb des Projektes „Debarking Head I“ (Laufzeit 01.09.2014 bis 31.12.2017, siehe Weblinks rechts) wurde die technische Machbarkeit der Nutzung von technisch modifizierten Harvesterfällköpfen unter mitteleuropäischen Waldverhältnissen nachgewiesen. Ein erfolgreich auf mitteleuropäische Verhältnisse adaptierter Debarking Head Prototyp wurde einem breiten Fachpublikum auf der KWF-Tagung, dem größten Forsttechnik-Event in 2016, in einem eigenen Exkursionspunkt vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass für das entrindete Rundholz eine von heutigen Verhältnissen abweichende Logistikkette erforderlich wird, deren Chancen und Risiken zu bewerten sind. Das Ziel des Projektes „Debarking Head II“ ist die Konzeption, Umsetzung und Evaluierung sowie Optimierung der gesamten Logistikkette für das von Harvestern entrindete Rundholz.

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Abb. 1: Prototypen im Projekt "Debarking Head I", vlnr.: Log Max 7000 C, John Deere H 480 C, Ponsse H7

Entrindetes Rundholz weist ein deutlich geändertes Gewicht auf. Beim Transport werden daher positive Effekte auf die Hydrauliksysteme und Transportlogistik, gleichzeitig aber ein höherer Aufwand aufgrund der glatten Stammoberflächen erwartet. Für die abnehmende Holzindustrie ist außerdem die Qualität des entrindeten Holzes relevant, da mit zunehmender Lagerungsdauer Qualitätsverluste befürchtet werden. Deshalb wird innerhalb der Projektlaufzeit durch Lagerversuche eine Dokumentation der Qualität erfolgen (Pilzbefall, Rissbildung etc.).

Die erwarteten finanziellen Vorteile in der Logistikkette können darüber hinaus ein wichtiges Argument sein, um die Akzeptanz beim Verkauf von im Wald entrindetem Rundholz langfristig zu steigern.
Auf dieser Basis werden – unter Berücksichtigung der Anforderungen der spezifischen Abnehmer – Logistikketten für entrindetes Rundholz konzipiert.
Aufgrund der zahlreichen Nachfragen aus dem Bereich Waldschutz, die im Laufe von Debarking Heads I an das Projektkonsortium herangetragen wurden, soll dieses Thema, das in Debarking Heads I nachrangig war, ebenfalls untersucht werden. Hierzu werden Logistik und Entrindungsstudien durchgeführt, um das Entrindungsverfahren bei Käferholz mit den untersuchten entrindenden Harvesterfällköpfen für die Praxis explizit empfehlen zu können.

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Abb. 2: Ponsse ScorpionKing mit modifiziertem H7 Aggregat bei der Entrindung von Fichte
Abb. 3: John Deere 1270E mit modifiziertem H480C Aggregat bei der Entrindung von Kiefer

Konkrete Zielsetzungen

Das Gesamtziel nach Abschluss dieses Projekts der Forst- und Holzwirtschaft beinhaltet drei Unterziele:

1) Verfahrensempfehlungen für die einzelnen Schritte der Logistikkette für alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette Holz zu geben, die auf den zuvor erfolgten ökonomischen und ökologischen Analysen sowie deren Bewertung basieren
2) den Absatz von im Wald entrindetem Rundholz zu stärken und
3) eine Strategie für die Bekämpfung des Borkenkäfers in diese Prozesse einzugliedern, damit Debarking Heads in Deutschland in Zukunft langfristig Einsatz finden.

Das Ziel des Folgeprojektes "Debarking Head II" ist die Weiterentwicklung und Analyse von Arbeitsverfahren mit entrindenden Harvesterfällköpfen. Nach demBeweis der technischen Machbarkeit in dem Vorläuferprojekt geht es jetzt um die Konzeption, die Erprobung und die ökonomische und ökologische Evaluierung von Holzernteverfahren bzw. von den gesamten Holz-Logistikketten.

Vorgehen

Im Projekt werden in konkreten Fallstudien die Logistikketten für vom Harvester entrindetes Rundholz konzipiert und bewertet. Ausgangspunkt dieser Analysen sind die abnehmenden Holzindustrien. Ökoeffizienzbetrachtungen werden Aspekte umfassen wie:

1) die geringeren Transportgewichte der Stammabschnitte beim Rundholztransport,
2) die Relevanz der den Sägewerken fehlenden Rindensortimente,
3) die verminderten Feinstaubemissionen bei der energetischen Nutzung,
4) die reduzierten Aschegehalte von Scheitholz und Hackschnitzel ohne Rinde.

Arbeitspakete

Folgende Arbeitspakete werden im Rahmen des Projektes Debarking Head II untersucht:

1) Entwicklung von Logistikketten für Nadelhölzer nach Harvesterentrindung, Erfassung der Mehr-/Minderleistung, Ermittlung der Gesamtkosten für die Systeme (Ernte, Rückung, Transport)
2) Wirtschaftlicher Vergleich von Harvesterentrindung im Bestand, mobiler Entrindung an der Waldstraße und stationärer Entrindung im Werk des Holzabnehmers
3) Wirtschaftliche Auswirkungen auf die Holzlogistikkette und Potentiale in der Kraftstoffeinsparung durch Gewichtsreduktion
4) Akzeptanzanalysen bei den Abnehmern von entrindeten Stammabschnitten (Holzwerkstoff-, Zellstoff- und Sägeindustrie) und Abschätzung der Möglichkeiten der Vermarktung der neuen Sortimente
5) Bewertung der reduzierten Feinstaub- und Aschegehalte bei energetischer Nutzung von entrindetem Energieholz (Scheitholz und Hackschnitzel)
6) Abschätzung der Potentiale der neuen Arbeitsverfahren in der Borkenkäferbekämpfung und –prophylaxe in Fichtenbeständen durch gezielte Lagerung der Sortimente von nicht/befallenen Bäumen
7) Anlage von langfristigen Untersuchungen zur Zersetzungsgeschwindigkeit und -qualität der im Wald verbleibenden Rindenhäufen

Nach Abschluss des Projekts soll jeder Beteiligte in der Wertschöpfungskette Holz somit die Entrindung als möglichen Prozessschritt für sich bewerten können, um auf eine Entscheidungsgrundlage für den Einsatz der Debarking Heads zurückgreifen zu können.