Nachhaltige Strategien zur Unkrautregulierung im Obstbau

Die Regulierung des Unkrautbewuchses stellt im Apfelanbau eine der wichtigsten Kulturmaßnahmen dar. Eine unerwünschte Begleitflora steht in Konkurrenz zur Kulturpflanze und beeinflusst den Ertrag sowie die Qualität negativ. Auf Grund der aktuellen öffentlichen Diskussion um den Einsatz von einzelnen herbiziden Wirkstoffen in der Landwirtschaft ist auch die zukünftige Zulassungssituation für den Obstbau unklar. Der Obstanbau benötigt daher innovative Lösungsansätze und effiziente Alternativen für absehbare Engpässe bei der Zulassung chemischer Unkrautbekämpfungsmittel, auch im Hinblick auf eine nachhaltige Obstproduktion mit umweltgerechten und zugleich erfolgsbringenden Strategien. Neben dem Einsatz von Herbiziden gibt es unterschiedliche mechanische Verfahren zur Unkrautregulierung, welche derzeit vor allem im ökologischen, aber zunehmend auch im integrierten Apfelanbau eine Rolle spielen. Ziel des Interreg-V-Projektes ist die Prüfung und Bewertung verschiedener chemischer sowie mechanischer Verfahren und Strategien der Unkrautregulierung.

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Abb. 1: Im Projekte verwendete Maschinen
Abb. 2: Anordnung der Sensoren im Pflanzstreifen

In diesem Verbundprojekt, in welchem die HSWT Koordinator des Projektes ist, soll eine Vielzahl an derzeit zur Verfügung stehenden chemischen sowie mechanischen Maßnahmen zur Unkrautregulierung, sowohl einzeln als auch in praxisrelevanten Kombinationen im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes betrachtet und bewertet werden. Die Untersuchungen finden in einer neugepflanzten ‘Jonagold-Novajo‘-Anlage, Pflanzjahr 2017, sowie in einer bestehenden ‘Fuji-Fubrax‘-Anlage, Pflanzjahr 2013, an der Versuchsstation in Schlachters statt.

Die unterschiedlichen Verfahren werden dabei hinsichtlich ihres Einflusses auf Boden-, Wachstums- und Qualitätsparameter beurteilt. Die mechanische Unkrautregulierung erfolgt sowohl mit bodenbearbeitenden Geräten (Scheibenegge, Krümler, Rollhacke), als auch mit oberflächlich arbeitenden Maschinen (Fadengerät) (siehe Abb. 1).

In den Versuchsparzellen sind Messsysteme zur Erfassung der Niederschlagsmenge, der Wasserspannung (Watermarksensor) und des volumetrischen Wassergehalts (10HS-Sensor) im Boden sowie der Bodentemperatur installiert. Für jede Variante wurde eine Basisstation mit GSM-Modem und Solarpanel eingerichtet (siehe Abb. 2).

Die Datenerfassung und Auswertung erfolgen in einer Langzeitaufzeichnung und werden im Intervall von ≥ 15 min an das Programm gesendet und können dort in Echtzeit abgerufen werden.
Um den Einfluss der verschiedenen Verfahren auf das mikrobielle Bodenleben zu untersuchen, werden sowohl eine quantitative Erfassung der mikrobiellen Biomasse als auch Analysen zur mikrobiellen Aktivität im Boden durchgeführt. Die quantitative Erfassung soll dabei mit der CFE-Methode (Chloroform-Fumigation-Extraktion) durchgeführt werden. Für die Untersuchung der mikrobiellen Aktivität wird die Teebeutelmethode (Keuscamp et al., 2013) angewendet. Zur Beurteilung der Nährstoffverfügbarkeit und deren Freisetzung im Boden werden in definierten Abständen Bodenproben im Labor auf deren Nährstoffzusammensetzung untersucht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Stickstofffreisetzung nach erfolgter Maßnahme bzw. zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Vegetationsverlauf. Des Weiteren wird der Unkrautbewuchs in den einzelnen Varianten erfasst. Physiologische Kriterien wie Fruchtqualität, Blüh- und Ertragsverhalten sowie Wuchsleistung werden über mehrere Jahre beurteilt.

Das Projekt soll mit einer betriebswirtschaftlichen Bewertung der Maßnahmen, sowie mit der Erstellung eines Leitfadens zur Unkrautregulierung abgeschlossen werden und als fester Bestandteil einer nachhaltigen Unkrautregulierung und Obstproduktion im integrierten und ökologischen Apfelanbau angesehen werden.