Grünleguminosen als Eiweiß- und Raufuttermittel in der ökologischen Geflügel- und Schweinefütterung (GRUENLEGUM)

Die ökologische Landwirtschaft verfolgt das Ziel, dass möglichst sämtliche der eingesetzten Futtermittel aus eigener bzw. regionaler ökologischer Erzeugung stammen. Gemäß den EG Rechtsvorschriften zum ökologischen Landbau durften Eiweißfuttermittel aus nichtökologischer Herkunft nur noch bis 2017 bis zu einem Höchstanteil von 5 % der Trockenmasse der Futtermittel landwirtschaftlicher Herkunft in der Jahresration für Schweine und Geflügel eingesetzt werden, wenn eine ausschließliche Versorgung mit Eiweißfuttermitteln aus ökologischer Erzeugung nicht möglich ist.

Die Begrenzung der Nährstoffverfügbarkeit auf die betriebseigenen und ökologisch erzeugten Futtermittel stellt viele Betriebe der ökologischen Landwirtschaft vor großen Herausforderungen in deren Bemühungen, den Nährstoffbedarf von hochleistenden Schweinen und Geflügel möglichst umfassend zu decken. Dies betrifft insbesondere die Versorgung der Jungtiere mit essentiellen Aminosäuren. Die Trennung von Blattmasse und Stängel bei Kleearten führt zu einer Aufkonzentrierung des Eiweißgehaltes und der Aminosäuren im Blatt. Die getrockneten Blattmassen von Grünleguminosen stellen somit bei schonender Werbung ein hochwertiges Eiweißfuttermittel dar, welches gezielt in Kraftfuttermischungen von Schweinen und Geflügel eingesetzt werden kann. Doch die Nutzung der Blattmasse erfordert verfahrenstechnische Lösungen zur Trennung von Blattmasse und Stängel im großtechnologischen Maßstab.

Bislang existieren solche Lösungen nur ansatzweise. Verschiedene, z. T. von anderen Kulturen bekannte technische Ansätze zum Ernten, Trennen und Konservieren werden im Rahmen des Projekts für Rotklee und Luzerne geprüft und weiterentwickelt. Desweiteren werden die Auswirkungen verschiedener Trocknungsverfahren auf die Verfügbarkeit der Aminosäuren bei der Trocknung der Blattmasse untersucht. Bisherige Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Blattmassenproteine unter den Bedingungen einer herkömmlichen Heißlufttrocknung  eine verminderte Eiweißlöslichkeit aufweisen. Dies kann ein Hinweis auf eine Hitzeschädigung sein.

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Abbildung: Luzernebestand im Vegetationsstadium "Beginn der Knospe"

Zielsetzungen

Es sind somit praxisnahe Verfahren zu entwickeln, die eine schonende Trocknung sicherstellen. Fütterungsversuche mit Luzernesilagen bei Mastschweinen, Masthühnern und Legehennen zeigten, dass diese Futtermittel bei Anwendung angepasster Fütterungsstrategien ein beträchtliches Potential für die ökokonforme Fütterung der Monogastrier darstellen können. Die Ganzpflanzensilage soll daher in diesem Vorhaben weiter optimiert und ihr Einsatz bei den o.g. Tierarten in Versuchsställen und auf Praxisbetrieben geprüft werden.
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Übersicht: Meilensteinplanung für das Gesamtprojekt

Vorgehensweise

Im Bereich des Anbaus werden an drei klimatisch unterschiedlichen Standorten (Schleswig Holstein, Hessen, Bayern) jeweils 8 Luzerne- und bei 4 Schnittnutzungen zum frühen Knospenstadium geprüft. Die Erträge werden als Frischmasse (FM) und Trockenmasse (TM) zu jedem Schnittzeitpunkt erfasst. Die Erfassung sowohl der Erträge als auch der Gehalte an Rohprotein und Aminosäuren erfolgt getrennt nach Stängel und Blättern.

Ergänzend dazu werden aus einer möglichst großen Anzahl der bundesweit angesäten Landessortenversuche (LSV) Rotklee- und Luzerne-Ernteproben an die Projektpartner gesandt. Hierdurch wird einerseits die Datendichte für die im Projekt geprüften Sorten über möglichst viele Umwelten deutlich verbessert sowie für die nicht im Projekt erfassten Sorten eine einordnende Abschätzung getroffen.

An zwei Standorten (Schleswig-Holstein, Bayern) wird ergänzend zu den Sortenversuchen ein Versuch mit erhöhter Schnittnutzungsfrequenz angelegt. Anstelle der 4-Schnittnutzung wird in Abhängigkeit von der Bestandsentwicklung eine 5-6-Schnittnutzung angestrebt. Damit soll überprüft werden, ob einerseits die Rohprotein- bzw. Aminosäurengehalte in den Aufwüchsen bzw. den Blättern gesteigert werden können und andererseits, welche Auswirkungen diese sehr intensive Nutzung auf die Bestandsentwicklung vor allem im zweiten Hauptnutzungsjahr hat.

Am Standort in Hessen wird anhand eines Düngungsversuches die Abhängigkeit der Variabilität von Proteinmenge und -qualität von der Konzentration an pflanzenverfügbarem Phosphor, Kalium, Schwefel, Bor sowie übrigen Mikronährstoffen untersucht.

Die Verwertung von Blattmasse und Ganzpflanzensilage soll in Fütterungsversuchen mit Masthühnern, Legehennen, laktierenden Sauen und Ferkeln sowie Mastschweinen geprüft werden. Dabei sollen insbesondere folgende Fragestellungen untersucht werden:

  • Welche Mischungsanteile an dem Produkt "Trockenblatt" können als Eiweißfuttermittel in Alleinfuttermischungen für die ökologische Fütterung von Masthühnern, Legehennen und Mastschweinen eingesetzt werden?
  • Wie wirkt sich bei der Verfütterung von Ganzpflanzensilage eine unterschiedliche Versorgung mit essenziellen Aminosäuren im Ergänzungsfutter auf die Futteraufnahme (insbesondere Silageverzehr) und damit auf die Leistung der Tiere aus?
  • Kann das Produkt "Trockenblatt" als alleiniges bzw. überwiegendes Eiweißfuttermittel in Kraftfuttermischungen für laktierende Sauen in Kombination mit dem Produkt "Ganzpflanzensilage" die Eiweißversorgung sicherstellen?

Erprobung in der Praxis

Die Erkenntnisse aus diesem und früheren Forschungsvorhaben Erkenntnisse werden in 10 Testbetrieben in der Praxis erprobt. Ziel ist es, in den Betrieben eine Fütterung zu implementieren, die Luzerne-/Rotkleesilage bzw. Trockenblatt als Rationskomponenten beinhalten. Die Praxistests dienen der Überprüfung der erarbeiteten Konzepte in der Praxis. Gleichzeitig erfolgt eine Schwachstellenanalyse, die die betriebsindividuellen Nebenbedingungen der Praxis einbezieht. Die Erkenntnisse sollen weiteren Handlungsbedarf und die Notwendigkeit von Weiterentwicklungen aufzeigen, um letztendlich breit anwendbare Praxislösungen zu finden.

Kommunikation der Ergebnisse

Die Erfahrungen aus der Praxis und Beispiele für gelungene Umsetzungen werden auf Akteursveranstaltungen, Feldtagen in den Testbetrieben sowie in Form einer Informationsbroschüre kommuniziert. Die in der Betriebsbegleitung gewonnenen Erfahrungen sollen so für die Beratung nutzbar gemacht werden.

Ergebnisse


Promotionen

Grünleguminosen als Eiweiß- und Raufuttermittel in der ökologischen Geflügel- und Schweinefütterung

Doktorandin: Dr. Lydia Pleger
Wissenschaftlich betreuende Person HSWT: Prof. Dr. Gerhard Bellof
Einrichtungen: Fakultät Nachhaltige Agrar- und Energiesysteme und Fakultät Nachhaltige Agrar- und Energiesysteme
Wissenschaftlich betreuende Person (extern) Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilans-Universität München
Zeitraum: 01.01.2018 - 31.03.2020