Trocknung und Fermentation ausgewählter Rohstoffe der Traditionellen Chinesischen Medizin

Heilpflanzen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gewinnen in Deutschland und Europa zunehmend an Bedeutung. Da jedoch immer wieder Importprobleme aufgrund von Qualitätsmängeln bei der chinesischen Ware oder Engpässen in der Verfügbarkeit auftraten, startete 1999 ein mehrjähriges, vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördertes interdisziplinäres Verbundprojekt unter der Leitung der Arbeitsgruppe Heil- und Gewürzpflanzen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Hierbei konnte ein Feldanbau zahlreicher Heilpflanzenarten in der Praxis realisiert werden.

Durch einen heimischen Anbau von Heilpflanzen mit definierter Herkunft unter kontrollierten und dokumentierten Bedingungen können die Arzneimittelsicherheit und die allgemeine Qualität des Drogenmaterials wesentlich verbessert werden. Mit der Umsetzung der Traditionellen Vorgänge der Nachernteprozesse dieser Heilpflanzenarten wurde in den letzten Jahren begonnen. So konnten in Kooperation mit dem Institut für Lebensmitteltechnologie (ILM) bereits ein Schneideverfahren für unterschiedliche Wurzeldrogen sowie ein Röstverfahren für die Früchte der Sibirischen Spitzklette Xanthium sibiricum entwickelt werden.

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Blühende Salvia miltiorrhiza - Pflanzen (Quelle: LfL)

Gegenstand dieses Fortsetzungsprojekts

Aktuell steht die Weiterverarbeitung der Wurzeln der Pflanzenarten Salvia miltiorrhiza, Scrophularia nodosa und Rhemmania glutinosa im Fokus. Diese finden aufgrund ihrer beispielsweise antibakteriellen, blutdrucksenkenden, antidiabetischen, cardiotonischen oder entzündungshemmenden u.v.m Eigenschaften zahlreiche Anwendungsgebiete in der TCM. In China werden die Wurzeln dieser Pflanzenarten traditionell nach der Ernte einer Freilufttrocknung unterzogen, welche vermutlich aufgrund der Wetterverhältnisse durch gelegentliche Aufhäufungen und Abdeckung mit Folie unterbrochen wird. Es wird vermutet, dass hierbei in einer Art Fermentationsvorgang die Wirkstoffe gebildet werden, die in der frisch geernteten Pflanze noch nicht oder nur in geringerer Konzentration vorhanden sind. Außerdem findet während dieser Bearbeitungsmethode eine Dunkel- bzw. teilweise Schwarzfärbung des Wurzelinneren statt, welche charakteristisch für die in China eingesetzten Wurzeldrogen ist (Abbildung Handelsproben). Über die genauen Vorgänge in der Pflanze oder die Fermentationsbedingungen sind jedoch kaum Daten bekannt.

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Geschnittene Handelsproben

Vorgehensweise

Am ILM starten daher in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe für Heil- und Gewürzpflanzen der LfL derzeit Versuche, Fermentationsvorgänge unter definierten Bedingungen durchzuführen. Ziele sind das Sammeln und die Vertiefung der Erkenntnisse zur Aufbereitung und Fermentation dieser drei Pflanzenarten. Als primäre Zielgröße dient hierbei die Verfärbung im Wurzelinneren, um ein mit der chinesischen Ware vergleichbares äußeres Erscheinungsbild bei gleichzeitig hohen Inhaltsstoffgehalten zu erzielen. Die Analytik der Wirkstoffe erfolgt am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Karl-Franzens Universität Graz. Untersucht werden neben den Einflüssen der Vortrocknungsbedingungen insbesondere Einflussfaktoren wie Temperatur, relative Luftfeuchte, Dauer und Intervall-Trocknungen. Daneben gilt es vor allem grundlegende Kenntnisse über das Handling und die praktische Umsetzbarkeit zu erlangen.

Besonderer Dank gilt der Versuchsstation Baumannshof in Manching.