Ehrenamtlich aktive Frauen im Natur- und Umweltschutz - Eine qualitative Untersuchung von Biografien, Handlungskonzepten und geschlechtsbezogenen Barrieren

Doktorandin: Dr. rer. silv. Fiona Schönfeld
Betreuer HSWT: Prof. Dr. Volker Zahner
Fakultät: Fakultät Wald und Forstwirtschaft
Partner-Uni: Technische Universität München | Prof. Dr. M. Suda
Zeitraum: 01.10.2011 - 29.10.2014

Zusammenfassung

Die Arbeit untersuchte das ehrenamtliche Engagement von Frauen in Natur-/Umweltschutzorganisationen. Die zentrale Forschungsfrage befasste sich mit der Entwicklung einer Typologie „weiblicher“ Ehrenamtsbiografien. 30 Frauen, die in den Organisationen Greenpeace e. V., Bund Naturschutz e. V. und Landesbund für Vogelschutz e. V. in Bayern ehrenamtlich aktiv sind, wurden mittels leitfadengestützter biografischer Interviews befragt. Zur Auswertung der Texte wurde die qualitative Inhaltsanalyse angewandt. Weitere Forschungsfragen behandelten den sozialen und thematischen Handlungskontext des Ehrenamts und wahrgenommene geschlechtsbezogene Barrieren.
Die Analyse der Ehrenamtsbiografien auf den Ebenen der Handlungsmuster und der Chronologie ergab vier Typen. Die „Konstante“ beschreibt ein bestimmtes Handlungsmuster in allen Phasen der Ehrenamtsbiografie durchgehend als relevant. Die Ehrenamtsbiografie der „Variierenden“ ist geprägt von einer unterschiedlichen Abfolge und Kombination von Handlungsmustern. Der Typ „Sinnfinderin“ beschreibt einen zentralen biografischen Wendepunkt, der die Basis für die aktuelle Motivation im Ehrenamt bildet. Beim Typ „Ungewisse“ ist die Ehrenamtsbiografie geprägt von negativen Erfahrungen mit Gruppenmitgliedern. Der Einfluss dieser Erlebnisse ist stark und führt dazu, dass die „Ungewissen“ ihr Ehrenamt in Frage stellen oder ihr Engagement reduzieren.
Geschlechtsbezogene Barrieren wurden nur von einem Teil der Interviewpartnerinnen angesprochen. Eine Natur-/Umweltschützerin kann in Situationen auf kulturelle Barrieren stoßen, in denen sie aus ihrer Sicht kein gleichgestellter Teil einer Gruppe ist, sondern einen besonderen Status hat, beispielsweise weil sie die eigene Gruppe leitet. Herausforderungen werden auch in Situationen wahrgenommen, in denen das Selbstkonzept der „traditionellen“ Geschlechterrolle entspricht und in Konflikt mit den Anforderungen des Ehrenamts gerät. Des Weiteren wird das Thema Gender relevant gemacht, wenn bei männlichen Mitgliedern Verhaltensweisen wahrgenommen werden, die geschlechterstereotype Verhaltenserwartungen oder Rollenzuschreibungen erfüllen. Die Interviewpartnerinnen beschreiben insbesondere die Empfindung einer unterschiedlich stark ausgeprägten Dominanz und Durchsetzungskraft.
Die Arbeit zeigt auf, dass das Versagen informeller „männlicher“ Netzwerke, das Funktionieren informeller „weiblicher“ Netzwerke sowie das aktive Ergreifen einer Gelegenheit im Moment der biografischen Passung für Frauen den Antritt eines Ehrenamts in Natur-/Umweltschutzorganisationen begünstigen.