Akzeptanz von Biogasanlagen in Deutschland

Doktorand: Dr. rer. pol. Willie Stiehler
Betreuer HSWT: Prof. Dr. Klaus Menrad
Fakultät: Fakultät Gartenbau und Lebensmitteltechnologie
Partner-Uni: Technische Universität München | Prof. Dr. M. Suda
Zeitraum: 09.02.2011 - 23.03.2015

Zusammenfassung

Im Jahr 2012 waren bereits über 8.000 Biogasanlagen in Deutschland in Betrieb. Dieser Boom führte vielerorts zu Akzeptanzproblemen von Biogasanlagen und das Thema „Biogas“ rückte zeitweise in den Fokus der Medienberichterstattung.
Untersuchungsgegenstand dieser Dissertation war die Akzeptanz von Biogasanlagen in Bayern bei Anwohnern und deren beeinflussende Faktoren. Im Rahmen einer schriftlichen Befragung wurden 25 über Bayern verteilte, sich in Betrieb befindliche Biogasanlagen ausgewählt, an deren Anwohner insgesamt 5.000 Exemplare einer Fragebogenversion für Anwohner bestehender Biogasanlagen versendet wurden. Zum Vergleich wurden in der Nähe 25 weitere Standorte ausgewählt, an denen es jedoch keine Biogasanlagen gab. Auch an Anwohner dieser Standorte wurden analog 5.000 Exemplare einer Fragebogenversion für Anwohner hypothetischer/imaginärer Biogasanlagen verschickt. Es beteiligten sich 875 Anwohner bestehender Biogasanlagen sowie 601 Anwohner hypothetischer Biogasanlagen an der Befragung, was einer Rücklaufquote von knapp 15 % entspricht.
Die deskriptive Auswertung der erhobenen Daten ergab kaum statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Antworten dieser beiden Befragtenkategorien auf allgemeine Fragen, wie beispielsweise hinsichtlich der Einstellungen gegenüber Umweltfragen oder regenerativen Energien.
Im Gegensatz dazu zeigten sich deutliche Unterschiede bei Fragen, die sich konkret auf die bestehende bzw. eine hypothetische Biogasanlage in der Nachbarschaft der Befragten bezogen. Dabei nahmen die Anwohner bestehender Biogasanlagen deren (negative) Begleiterscheinungen mehrheitlich nicht wahr und wenn, dann selten, wohingegen Anwohner hypothetischer Biogasanlagen Begleiterscheinungen mehrheitlich und dann häufige Einschränkungen erwarteten.
Eine durchgeführte Choice-Based-Conjoint-Analyse sollte die Wichtigkeit verschiedener Parameter für die Akzeptanz einer Biogasanlage ermitteln. Nach Schätzung der Daten mit der „Hierarchical-Bayes-Methode zeigte sich, dass die Emissionen der Anlage mit Abstand am wichtigste waren. Als absolut unwichtig erwies sich das Merkmal „Entschädigung für Ihren Haushalt“. Einen sehr großen positiven Nutzen stiftete den Befragten auch die „None-Option“, d. h. keine Biogasanlage in der Nachbarschaft zu haben. Außerdem ergab eine durchgeführte Marktsimulation, dass negative Begleiterscheinungen von Biogasanlagen nicht durch finanzielle Entschädigungszahlungen kompensiert werden können bzw. dass ein „Kauf von Akzeptanz“ monetär nicht möglich zu sein scheint.
Aus den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit lassen sich einige Schlussfolgerungen ziehen. Zum einen zeigen diese deutliche Diskrepanzen zwischen tatsächlichen Wahrnehmungen von Begleiterscheinungen durch Anwohner bestehender Biogasanlagen und den (negativen) Erwartungen durch Anwohner hypothetischer Biogasanlagen. Daraus könnte man folgern, dass die Ängste potenzieller Biogasanlagenanwohner weitgehend unbegründet zu sein scheinen. Zum anderen ergeben sich auch deutliche Diskrepanzen zwischen der bereitgestellten Information über die Anlagen und einer Beteiligung der Anwohner während der Planung und dem Bau bestehender Biogasanlagen und den Wünschen in dieser Hinsicht. Dadurch ergeben sich sehr gute Ansatzpunkte zur Verbesserung der Akzeptanz von Biogasanlagen bei einem weiteren Zubau.