Verbrauchereinschätzungen zu Biokunst­stoffen: eine Analyse vor dem Hintergrund des heuristic-systematic model

Doktorandin: Dr. rer. pol. S. Rumm
Betreuer HSWT: Prof. Dr. Klaus Menrad
Fakultät: TUM Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit
Partner-Uni: Technische Universität München | Prof. Dr. L. Menapace
Zeitraum: 02.05.2012 - 30.11.2016

Abstract

In Analogie zu der globalen Energiewende steht auch in der chemischen Industrie und der Kunststoffverarbeitung ein Paradigmenwechsel weg von erdölbasierten Produkten hin zu einer nachhaltigeren biobasierten Rohstoffbasis an. Verfügbare Literatur zu Biokunststoffen umfasst im wesentlichen deren technische Eigenschaften, Produktion und Anwendungsbereiche, Untersuchungen zur Ökobilanzierung und Nachhaltigkeit im Vergleich zu konventionellen Kunststoffen sowie Entsorgungsaspekte. Bei den die Verbraucher betreffenden Aspekten werden in wissenschaftlichen Publikationen v. a. die höheren Preise betont oder es finden sich Publikationen, die den Vorwurf der Verbrauchertäuschung betreffen. Insgesamt wurden Konsumentenaspekte zu Biokunststoffen bislang noch wenig in der wissenschaftlichen Forschung behandelt. Dr. Rumm analysierte Verbrauchereinschätzungen gegenüber biobasierten kurzlebigen Verbrauchsgütern in Deutschland. Einen besonderen Schwerpunkt legte sie dabei auf die Präferenzbewertung verschiedener Produktattribute von Biokunststoffprodukten durch Konsumenten, insbesondere auch die Bedeutung einer spezifischen Produktkennzeichnung durch unterschiedlich ausgestaltete Label für Biokunststoffprodukte. Ein weiterer Analyseschwerpunkt stellte die Verarbeitung verschiedener, den Befragungsteilnehmern zur Verfügung gestellter Informationen zu Biokunststoffen dar. Dabei bediente sich Dr. Rumm des heuristic-systematic models der Informationsverarbeitung und überprüfte dieses im Rahmen ihrer empirischen Untersuchung. Schließlich analysierte sie die Einflussfaktoren, die zum einen die Kaufabsicht von Verbrauchern für biobasierte Produkte beeinflussen, zum anderen einen früheren Kauf oder Nicht-Kauf solcher Produkte erklären. Die Forschungsfragen wurden auf Basis einer Online-Umfrage analysiert. Als Untersuchungsobjekte dienten Einkaufstüten und Einweg-Trinkbecher aus Biokunststoff. Die Studienteilnehmer zeigen sich ambivalent: Sie betonen v. a. die Reduzierung der Abhängigkeit von Erdöl sowie den geringeren Ausstoß von CO2 als positive Aspekte. Andererseits nennen die Umfrageteilnehmer aber auch z. B. Monokulturen, Flächenkonkurrenz zu Nahrungsmitteln sowie den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft als negative Aspekte. Zur Untersuchung der Verbraucherpräferenzen wurde jeweils ein Discrete Choice Experiment für biobasierte Einkaufstüten und Getränkebecher getrennt voneinander durchgeführt. Bei beiden untersuchten Biokunststoffprodukten hat die „Rohstoffbasis“ für die Probanden die größte Bedeutung, gefolgt vom „Preis“, dem „Anteil der nachwachsenden Rohstoffe“ sowie einem „Siegel“. Dabei ist erkennbar, dass überseeische Rohstoff-Pflanzen für Biokunststoffe abgelehnt, die einheimischen dagegen favorisiert werden. Bei den Eigenschaften „Preis“ und „Anteil der nachwachsenden Rohstoffe“ sinkt sowohl für die gesamte Stichprobe als auch für alle Informationsverarbeitungsgruppen der Nutzen mit steigendem Preis, wohingegen sich der Nutzen mit zunehmendem Anteil an nachwachsenden Rohstoffen erhöht. Alle Teilnehmer empfinden bei einem fehlenden Siegel einen negativen Nutzen.