Präferenzen und Zahlungsbereitschaft von Konsumenten für Produkte aus biobasierten Kunststoffen

Doktorandin: Dr. rer. pol. Ulla Kainz
Betreuer HSWT: Prof. Dr. Klaus Menrad
Fakultät: Fakultät Gartenbau und Lebensmitteltechnologie
Partner-Uni: Technische Universität München | Prof. Dr. J. Roosen
Zeitraum: 01.06.2012 - 11.11.2016

Abstract

Die Verwendung biomasse-basierter, erneuerbarer Ressourcen wird von der Bundesregierung und internationalen Organisationen als langfristiges Ziel konstatiert. Die Nutzung von biobasierten Kunststoffen stellt zwar einen weltweit wachsenden Markt dar, ist allerdings bislang über ein Nischendasein nicht hinaus gekommen, obwohl Biokunststoffe oft ähnliche Eigenschaften wie herkömmliche Kunststoffe haben. Allerdings tragen geringe Produktionskapazitäten und eine sehr begrenzte Marktdurchdringung zu höheren Preisen von Biokunststoffen bei. Zudem ist für Konsumenten die Unterscheidung zwischen Biokunststoff und herkömmlichem Kunststoff oft nicht möglich. Um in den kommenden Jahren die Marktdurchdringung von Biokunststoffen zu erhöhen, ist es daher notwendig, das bestehende Verständnis von Verbrauchern zu Biokunststoffen zu erfassen und v. a. ihre Kauf- und Zahlungsbereitschaft für Biokunststoffprodukte zu messen.
Vor diesem Hintergrund untersuchte Dr. Kainz die Zahlungsbereitschaft von Konsumenten für dauerhafte biobasierte Plastikprodukte mittels einer experimentellen Auktion. Dabei analysierte sie insbesondere den Einfluss unterschiedlicher verabreichter Informationen, verschiedener Kennzeichnungsvarianten für Biokunststoffe sowie soziodemographischer Merkmale der Auktionsteilnehmer auf die Höhe der Zahlungsbereitschaft. Mit Hilfe eines computerbasierten Auktionsexperimentes wurden in einer Laborstudie die Effekte von Informationen zu Biokunststoffen, von Einstellungen sowie soziodemographischen Merkmalen auf die Zahlungsbereitschaft für zwei beständige Biokunststoffprodukte (Sonnenbrille, Zahnbürste) gemessen. Insgesamt 227 Verbraucher nahmen an dem Laborexperiment teil. Die Teilnehmer wurden zufällig einem von sechs Informationsabläufen zugeordnet, die z. B. allgemeine Informationen zu Biokunststoffen, Informationen zu Umwelt- und Klimawirkung, Informationen zur Beständigkeit und Verwertung und ein „Nachwachsende Rohstoffe“-Siegel beinhalteten. Jeder Teilnehmer erhielt insgesamt drei dieser Informationspakete und wurde gebeten, nach jedem Informationspaket ein Gebot für die beiden Produkte abzugeben.
Insgesamt zeigten die Teilnehmer eine höhere Zahlungsbereitschaft für biomasse-basierte Produkte im Vergleich zu einem konventionellen Kunststoffprodukt. Dabei gaben sie für das mit einem „Nachwachsende Rohstoffe“-Siegel gekennzeichneten Produkt höhere Gebote ab als für ein biomasse-basiertes Produkt, das mit Hilfe eines Textes beschrieben wurde. Zusätzliche Informationen zu Umwelt- und Klimaeinflüssen von Biokunststoffen und der Beständigkeit von solchen Produkten hatten keinen signifikanten Effekt auf die Zahlungsbereitschaft der Auktionsteilnehmer. Im Hinblick auf soziodemographische Eigenschaften zahlten Männer signifikant weniger für die Biokunststoffprodukte als Frauen. Personen mit Kindern boten signifikant höhere Preise. Demgegenüber hatten Einstellungen zu Biokunststoffen bzw. Nachwachsenden Rohstoffen keinen signifikanten Einfluss auf die Zahlungsbereitschaft für Biokunststoffprodukte, die allerdings bei einer stärkeren Umwelteinstellung signifikant erhöht wurde.
Zusammenfassend kann v. a. das hohe Interesse der Verbraucher an Biokunststoffprodukten, aber auch ihre geringen Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit denselben herausgestellt werden.