Integrated system analysis for understanding complexity in small business management – Concept development and applications in horticultural retail companies

Doktorand: Dr. agr. Andreas Gabriel
Betreuer HSWT: Prof. Dr. Klaus Menrad
Fakultät: Fakultät Gartenbau und Lebensmitteltechnologie
Partner-Uni: Technische Universität München | Prof. Dr. V. Bitsch
Zeitraum: 12.10.2012 - 30.09.2018

Abstract

Bei den bislang verwendeten Methoden zur Analyse von strategischen Entscheidungen in kleinen und mittelständigen Unternehmen (KMU) wurden häufig nur einzelne wissenschaftliche Disziplinen berücksichtigt oder sie adressieren eng abgegrenzte Problemstellungen, vernachlässigen allerdings oft die komplexen und dynamischen Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen, beteiligten Akteuren und dem Unternehmensumfeld. Insbesondere bei längerfristig wirksamen Entscheidungen ist es wichtig, die dynamischen Auswirkungen von Entscheidungen oder von besonderen Ereignissen auf alle Bereiche eines Unternehmens und die beteiligten Akteure zu erkennen. Die Dissertation von Dr. Gabriel widmet sich daher der Frage, inwiefern Komplexität im Management von kleinen Unternehmen (in der Dissertation untersucht bei gärtnerischen Einzelhandelsunternehmen) durch ein Instrument zur Entscheidungsunterstützung analysiert und wiedergegeben werden kann, das auf Systemtheorie und Managementkybernetik basiert.

Die Ergebnisse dieser Dissertation sind in vier wissenschaftlichen Publikationen niedergelegt. Der erste Artikel „Conceptual framework for system analysis of family-run agricultural enterprises“ wurde 2016 in der Zeitschrift „Journal of Small Business and Entrepreneurship“ veröffentlicht und untersucht, inwiefern Systemanalysen für landwirtschaftliche Familienunternehmen mit ihren komplexen Strukturen und besonderen Problemlagen geeignet sind. Dr. Gabriel kommt zu dem Schluss, dass dafür v.a. eine systemorientierte Modellierung sich anbietet und entwickelt in dem Artikel einen konzeptionellen Rahmen, um Terminologien zu klären und eindeutige Systemstrukturen und –grenzen zu definieren. Dieser Rahmen beruht auf den Prinzipien der Systemtheorie, kybernetischer Grundregeln und diverser Konzepte systemorientierter Managementmodelle, und berücksichtigt wichtige interne Unternehmensbereiche, die Sichtweisen beteiligter Stakeholder sowie Wechselwirkungen mit dem externen Unternehmensumfeld.

Im zweiten Essay „Feasibility–oriented application of system analysis in SMEs – the cybernetic approach of VSM applied to horticultural retail companies in Germany“, das 2017 in der Zeitschrift “Systemic Practice and Action Research” veröffentlicht wurde, erläutert Dr. Gabriel die methodische Umsetzung einer Systemanalyse für eine repräsentative Einzelhandelsgärtnerei in Deutschland. Dabei nutzt er die Methode VSM und verwendet einen partizipativen Ansatz, um das Referenzunternehmen in mehreren Schritten in einem Systemmodell abbilden zu können. Das von ihm generierte Systemmodell der Einzelhandelsgärtnerei besteht aus insgesamt 35 Elementen mit unterschiedlichen Funktionen im System, die in vielfältigen Wirkungsbeziehungen miteinander interagieren.

Die dritte Veröffentlichung hat den Titel „Systemanalytische Betrachtung der Bedeutung einzelner Nachhaltigkeitsfelder in Einzelhandelsgärtnereien” und wurde im Tagungsband zum 2. Symposium für Ökonomie im Gartenbau im Jahr 2016 veröffentlicht. Darin werden zunächst diejenigen Bereiche in dem entwickelten Systemmodell identifiziert, die mit Nachhaltigkeitsaspekten in Verbindung stehen, um anschließend deren Wirkungen auf das Gesamtunternehmen und auf einzelne Unternehmensbereiche bewerten zu können.

Das vierte Manuskript „Impacts of succession in family business – a systemic approach for understanding dynamic effects in horticultural retail companies in Germany“ befasst mit Folgeerscheinungen einer innerfamiliären Betriebsübergabe in Einzelhandelsgärtnereien. Hierfür wurden wesentliche Systemelemente des Modells, die besonders stark mit der Nachfolgesituation der Mustergärtnerei interagieren (z. B. Strategische Planungsweise, Produktivität, Lieferantenbeziehungen), in einem Teilszenario zusammengefasst. Danach werden verschiedene Ursache-Wirkungssituationen dieses „Nachfolgeszenarios“ simuliert und deren vielfältige und oftmals zeitverzögerte Auswirkungen aufgezeigt. Dabei stellt er fest, dass insbesondere Bereiche wie „Konflikte zwischen Familie und Beruf“, „Situation der Mitarbeiter“ sich als sehr sensibel gegenüber den unterschiedlichen Zuständen im Prozess einer Nachfolgeregelung zeigen.

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