Untersuchungen zu Vitalitätsstörungen an Ficht, Buche und Tanne im Bayerischen Wald - Fallstudie Kaitersberg und Hoher Bogen

Doktorand: Dr. rer. silv. Michael Roßkopf
Betreuer HSWT: Prof. Dr. Manfred Schölch
Fakultät: Fakultät Wald und Forstwirtschaft
Partner-Uni: Technische Universität München | Prof. Dr. Dr. A. Göttlein
Zeitraum: 01.01.2017 - 27.02.2020
Veröffenlichung der Dissertation in der mediaTUM

Ausgangspunkt

Die Fallstudie „Kaitersberg“ und „Hoher Bogen“ im nördlichen Bayerischen Wald wurde initiiert, um mögliche Ursachen für die dort unbefriedigende Vitalität der wirtschaftlichen Hauptbaumarten Fichte, Tanne und Buche herauszufinden. Die Bergwälder haben eine große Bedeutung für die Holznutzung aber auch für den Bodenschutz, den Wasserhaushalt und den Tourismus. In dem Gebiet mit seinen nährstoffschwachen Böden wurde der Wald über 800 Jahre lang für Brenn- und Bauholz, Bergbau, Glasindustrie, Holzexport, Waldweide und Streunutzung intensiv genutzt. Zudem wurden die Wälder nach 1950 stark mit „Sauerem Regen“ belastet.

Grundkonzept des Vorhabens

An den beiden Bergzügen Kaitersberg (Ausgangsgestein: Cordierit-Sillimanit-Gneis) und Hoher Bogen (Ausgangsgestein: Metabasit und Glimmergneis) wurde an drei bzw. zwei Transsekten jeweils im Abstand von 50 Höhenmetern der Kronenzustand erhoben. Zusätzlich wurden an ausgewählten Punkten Nährstoffvorräte des Bodens sowie Nadel- bzw. Blattproben und an einzelnen Punkten die Feinwurzelverteilung untersucht.

Abb1 dissertation rosskopf
An der Fichte (und Tanne) führt der Schwächparasit Sirococcus strobilinus zu den typischen Verlichtungen ganzer Kronenteile. Dabei bestehen selbst zwischen benachbarten Bäumen erheblich Unterschiede in der Befallsintensität.
Abb2 dissertation rosskopf
Intensive Waldnutzung hat wesentlich zu den niedrigen Nähstoffvorräten beigetragen. Vereinzelt wird auch heute im Privatwald noch Astholz genutzt.

Ergebnisse

Für Kalzium und Magnesium liegen insbesondere am Kaitersberg nur sehr geringe verfügbare Vorräte vor. Am Hohen Bogen (Metabasit) liegen diese nur bei steileren und damit stärker erodierenden Lagen erkennbar höher. Beim Kalium sind die Vorräte auf beiden Standorten im Oberboden meist gering, steigen jedoch bei einzelnen Profilen im Unterboden an. Auch bei Phosphor und überra-schenderweise Schwefel sind die ermittelten verfügbaren Vorräte niedrig. Lediglich die Stickstoffvor-räte liegen im mittleren Bereich. Ein Grund für diese knappe Versorgung sind die basenarmen oft über lange Zeit verwitterten Bodensubstrat. Dadurch haben auch die älteren Verwitterungsdecken aus Metabasit einen Teil ihrer Nährstoffvorräte eingebüßt. Außerdem haben Nutzung und die Säuereeinträge die Vorräte vermindert. Die Feinwurzeln konzentrieren sich daher in den obersten Bodenschichten (Trockenstressanfälligkeit).


Der Schwächeparasit Sirococcus strobilinus spielt bei dem schlechten Kronenbild von Fichte und Tanne eine wesentliche Rolle. Prädisponierend wirken die schlechte Nährstoffversorgung –auch bei Kalium - ungünstige Kleinstandorte, und die Sommertrockenheit der letzten Jahre.
Fazit: Nährstoffschonendes Wirtschaften, Laubholzeinbringung und ggf. Kalkung sind mögliche Gegenmaßnahmen. In Anbetracht der fortschreitenden Klimaerwärmung werden künftig weitere Schäden zu erwarten sein.

Projektpartner

Fachgebiet für Waldernährung und Wasserhaushalt der Technischen Universität München; Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (Sachgebiete Waldschutz, Standort und Klima); Bayerisches Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten; Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Cham und Regen.