Moore und Moor-Renaturierungen in Bayern - wissenschaftliche Evaluierung für den Klimaschutz und die Biodiversität (MOORclimb-II)

Fortsetzung der seit 2008 in bisher 5 Phasen laufenden Begleitforschungen zum KLIP2020 bzw. KLIP2050 und des MOORclimb Projektes

Bedeutung des Projekts und Hintergrund

Ein erklärtes Ziel des Freistaats Bayern ist es, die Begleitforschung zur Moorrenaturierung im Rahmen von KLIP2050 (Phase 5 der Begleitforschungen im Rahmen von KLIP wurde Ende 2019 erfolgreich abgeschlossen) sowie im Moorwildnisprogramm der bayerischen Klimaschutzinitiative und somit den Nachweis der Klimaentlastungsleistungen für Bayern möglichst langfristig durchzuführen. Laut den internationalen Standards für den Nachweis von Klimaschutz müssen die sog. MRV-Kriterien erfüllt sein: die Einsparungsleistungen müssen messbar, berichtbar und verifizierbar sein.

Das Projekt MOORclimb II und seine Vorläuferprojekte setzen genau bei diesen Kriterien an: mit einer seit 2008 eigens in Bayern entwickelten Methodik zum Nachweis der Klimaschutzleistung durch Moorrenaturierung für die im Rahmen von KLIP 2020/2050 durchgeführten Moorrenaturierungen für den Klimaschutz. Damit ist es das Schlüsselprojekt für den Nachweis der Effizienz der Klimaschutzmaßnahmen im Moorschutz durch Moorrenaturierung. Die dabei jährlich erzeugten Bilanzgrafiken haben große politische Strahlkraft.

Warum sind weitere Messungen wichtig?

Die Professur für Vegetationsökologie am Institut für Ökologie und Landschaft (IÖL) der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) ist die Instanz in Bayern, die das Thema Klimarelevanz von Moorökosystemen seit 20 Jahren aufgebaut hat und messend und modellierend betreibt. Die Berechnungen zur Einsparleistung durch Moorrenaturierung basieren auf einem Modell, das aus einer Synthese der Ergebnisse vieler eigener Messungen, aber auch Messungen durch Partnerinstitute wie dem Johann Heinrich von Thünen-lnstitut entstanden ist. Es ist von großer  Bedeutung für die Aussagekraft dieser Berechnungen, dieses Modell laufend zu verbessern, indem alle relevanten Biotoptypen berücksichtigt werden.

Wenn neue Messkampagnen geplant werden, erfolgt dies immer vor dem Hintergrund, dass klimarelevante Vorgänge in einzelnen Bereichen der organischen Böden noch nicht bekannt oder nicht sicher belegt sind. Die von der HSWT entwickelten Mess- und Modellierungsmethoden werden folglich nur bei offenen Fragestellungen eingesetzt, also z. B. bei Streuwiesen, einer vom Menschen gestalteten Kulturlandschaft, die naturschutzfachlich besonders wertvoll ist. Deren Sensitivität gegenüber dem Klimawandel und deren Management in Hinblick auf eine Auswirkung auf die Klimaschutzziele (Stichpunkt: Entwässerung) sind noch nicht bekannt.

Eine Nutzung von unsicheren, nicht gemessenen sondern extrapolierten Literaturwerten ist dabei aus fachlicher Sicht nicht geboten. Die Einschätzung, welche Informationen bekannt sind, welche nicht und an welchen Stellen noch angewandt geforscht oder mit Synthesen und Mittelwerten gearbeitet werden kann, basiert auf dem umfassenden alleinstellenden Vorlauf der HSWT in dieser Thematik.

Welcher Mehrwert entsteht für die Akzeptanz von Moorschutzmaßnahmen?

Klimaschutz ist ebenso wie Biodiversitätsschutz und Landschaftswasserhaushalt eine zentrale Aufgabe der Umweltverwaltung. Es gibt im Naturschutzbereich kaum eine Aktivität, die alle drei Aufgaben gleichzeitig so effizient bedient wie eine klima· klimaschutzorienter
 Moorrenaturierung. Mit diesen Forschungsarbeiten kann der Nachweis für die Zielerfüllung in diesen Aufgabenbereichen erbracht werden. Damit wird die Synergie zwischen Naturschutz und Klimaschutz in messbaren Zahlen (eingesparte Tonnen C02-Äquivalente) sichtbar. Diese sind wiederum Indikatoren für eine umfassende Funktionserfüllung der Moore.

Welche Stellschrauben sind für den zukünftigen Moorschutz ableitbar?

Die wesentlichen fachlichen Stellschrauben für die strategischen Entscheidungen im Moorschutz in Bayern werden anhand der Erkenntnisse in diesem Forschungsprojekt eingespeist. So ist z. B. eine wesentliche Erkenntnis aus den Vorläuferprojekten, dass ein Anstau bis knapp unter die Geländeoberfläche für den Klimaschutz und zugleich den Moorschutz günstiger ist als ein Überstau. Diese hat auch direkt Eingang gefunden in die durch die Regierungen umgesetzte gute fachliche Praxis der Moorrenaturierung. Das Projekt unterstützt ebenso die Identifikation von Potenzialen der Moorrenaturierung, wie das Beispiel der im Vorläuferprojekt entwickelten Mooremissionskarte Bayerns zeigt, die als eine der wichtigsten Entscheidungsgrundlagen für die Priorisierung von Maßnahmenräumen dient und in dem aktuellen Projekt auf neuer methodischer Basis ausgespielt wird. Wichtig wird in Zukunft auch sein, wie vor dem Hintergrund des Klimawandels und eintretender Trockenheiten mit dem bisherigen Management (siehe z. B. Streuwiesen und Nasswiesen) umgegangen wird und ob hier Anpassungen erforderlich sind. Auch hierfür versucht ein Modul des Projekts Antworten zu finden.

Wie kann der Erfolg der Moorrenaturierung dokumentiert werden?

Als Basis für die oben geschilderten Einsparungsleistungen und die dabei entstehenden Grafiken ist eine Datenbank erforderlich. Diese wurde von der HSWT entwickelt und wird im Laufe des Projektes weiter ausgebaut und am Ende an das Bayerische Landesamt für Umweltschutz (LfU) übergeben. Darin sind die Grundlagendaten für die Erfolgskontrolle pro Projekt verankert. Dieses Werkzeug für die Dokumentation wird für die Fortschreibung aufbereitet und kann dann seitens LfU weiter gepflegt werden.

Wie wird der Know-how Transfer abgesichert?

Den Mitgliedern der Steuerungsgruppe „Moorschutz im Rahmen des Klimaprogramm 2050" und des Moorwildnisprogramms der bayrischen Klimaschutzinitiative werden die Zwischenergebnisse des Projektes jederzeit über den gesamten Projektzeitraum über Direktkontakte und bedarfsweise Teilnahme an Sitzungen zur Verfügung gestellt. Andererseits ist die Bereitstellung von Daten zu den durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen seitens der Regierungen über das LfU zur HSWT die Voraussetzung, dass die Berechnungen zur Klimaschutzleistung der Moorrenaturierungen durchgeführt werden können.

Die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes, aber auch die Ergebnisse aller an der Professur für Vegetationsökologie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) durchgeführten Projekte (Kopplungseffekt) sind Grundlage für eine Verbesserung des Kenntnisstandes zu den Prozessen in den Ökosystemen auf organischen Böden. Dadurch kann auch eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit des LfU und STMUV unterstützt werden, die zu mehr Akzeptanz der Maßnahmen und so zu einer effizienten Umsetzung des Programmes und damit einer steigenden Einsparung von Treibhausgasen führen kann. Durch wissenschaftliche Vorträge und Veröffentlichungen, immer unter Einbeziehung der Projektpartner am LfU, wird dieser Prozess seit Beginn des Klimaprogramms von der HSWT unterstützt.

Diese Aufgaben sind grundsätzlich auf Mittelfrist angelegt - wie auch die letzte Phase (MOORclimb) gezeigt hat. Eine Begleitforschungsphase von knapp 4 Jahren erlaubt, die langfristig angelegten Module (insbesondere die Bilanzierung von Einsparungsleistungen im KLIP2050 und im Moorwildnisprogramm, die  Klimarelevanz der Streuwiesen, die Datenbankfortschreibung etc.) lückenlos über einen längeren Zeitraum zu bearbeiten. Damit wird gewährleistet, dass die Beteiligten mit der spezifischen Fachkompetenz dauerhaft zur Verfügung stehen und so die Ergebnisse optimiert ausgewertet werden können.

Weiterhin kann die Bilanzierung der Einsparungsleistungen, die immer in Jahresscheiben angelegt ist, erst zum Ende eines Kalenderjahres erfolgen. Zudem sind in diese Begleitforschungsphase, wie seitens des LfU gewünscht und aus fachlicher Sicht dringend erforderlich, die Erfassung der Klimawirksamkeit von Streuwiesen und deren Sensitivität gegenüber dem Klimawandel aufgenommen worden. Dies erfordert Jahresbilanzierungen (2022 und 2023) und eine ausreichende Modellierungs- und Auswertungszeit in 2024 (klassischerweise 1 Jahr nach Messabschluss). Wir legen daher eine finale Zeitplanung für 6/2021 bis 03/2025 vor.

Themen für Projektphase 6

Aufgrund der Ergebnisse in den Projektphasen 1 (2008-2011), 2 (2012-2013), 3 (2013-2014), 4 (2015) und 5 (2016-2019) sowie den noch offenen Fragen ergeben sich folgende Themen für die aktuelle Projektphase 6 (2021-2025) sowie die weitere Begleitung:

  • Wasserhaushalt/Vegetation: Durchführung von Wasserstands-Monitoring in bestehenden und zukünftigen Renaturierungsflächen sowie eine Verknüpfung mit den Vegetationsdaten;
  • Klimarelevanz und Vegetationsdiversität naturschutzfachlich wertvoller Flächen
    - Anpassung des Streuwiesen-/Nasswiesen-Managements an klimatische Stressfaktoren
    - Erfassung der Effekte von Managementvarianten (Schwerpunkt Landschaftspflegeflächen);
  • Emissionsberechnungen der organischen Böden Bayerns für die Jahre 2023/2024;
  • kontinuierliche Füllung der Moordatenbank und Übergabe an das Bayerische Landesamt für Umweltschutz (LfU);
  • Erfolgskontrolle: Bilanzierung der Klimaentlastungswirkung
    - Effizienz der in den Jahren 2020-2024 im Rahmen von KLIP 2050 und Moorwildnisprogramm durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen für die Klimaentlastung. Erfolgskontrolle der außerhalb von KLIP (z.B. Nationalpark Bayerischer Wald) durchgeführten Renaturierungen;
    - Abschätzung der ökonomischen Effizienz.

Projektleitung


Projektbearbeitung

Projektdauer

01.06.2021 - 31.03.2025

Projektförderung